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enemy schreibt Geschichten 1

enemy schreibt Geschichten 1

Ein antikes Zeitdokument aus der Local Heroes Saison 2008: die LH-Jury über Freaks, eigenartige Bands und warum es manchmal wirklich schöner ist, daheim bei einem Glas Wein ein Buch zu lesen, als in der Arena Bands zu bewerten.

 

Das muss mal gesagt werden: Freaks finden einander – immer! Ohne sich abzusprechen oder etwas auszumachen – sie treffen ungewollt aufeinander. Irgendwelche schwingungen bringen die zueinander, wurscht wo, egal wie! Selbst bei Local Heroes!

 

Ja, meine Damen und Herren, suchen sSe vielleicht eine Unterhaltungskapelle für ihre „Bad Taste“-Party? Ich kann hier zwei wärmstens empfehlen – wie wär’s mir SCHÄSER BLÄSER oder WRONG CHORDS?

 

Schäser Bläser zeichnen sich nicht nur durch ihren Bandnamen aus. Nein, auch durch das Bandmotto, welches lautet „jeder spielt das Instrument, das er am wenigsten beherrscht“ – und meine Fresse, ich hätte niemals gedacht, dass man – mit ein wenig musikalischem Verständnis – sein Instrument so wenig beherrschen kann. Die Dame an der Gitarre ’spielte‘, als wollte sie sich an den Saiten ihre Fingernägel feilen und der gute Mann an den Drums saß auf seinem Hocker eher als absolvierte er gerade einen angestrengten Klogang. Einzig der junge Herr an der Geige tat wenigstens so, als würde er Geige spielen (jetzt rein optisch, akustisch war’s unhörbar). Geklungen hat der Spaß im gesamten als würde sich ein 4-köpfiges drittklassiges Orchester im Drogenrausch einspielen – das schönste an dem Gig war die Schweigeminute für den abhanden gekommenen Bassisten (mich wundert’s nicht, dass der sich g’schlichen hat).

 

Gleich auf diese wunderbare Darbietung folgend betraten WRONG CHORDS die Bühne und da ich ein Verfechter witziger Bandnamen bin, dachte ich „super Idee! Die sind sicher saugut, wenn sie sich Wrong Chords nennen… ein wenig Ironie muss doch sein!“ – haha, weit gefehlt – warum in die Ferne denken, wenn die Wahrheit liegt so nah? Zwei Mann – einer an den E-Drums (der konnte wirklich spielen, was aber nicht die Rettung war) und ein Mann (wohlgemerkt mit dunkler Sonnenbrille, einem Ba-ba-banküberfall-tuch um den Mund, bekleidet mit einem schwarzen Trainingsanzug Marke ‚KIK‘ und spielend auf einer fremden, vollkommen verstimmten Gitarre) der sich in den Mainvocals versuchte. Auf ein – erst im zweiten Refrain erkennbares – „Durch den Monsun“-Cover folgte der Song mit dem wunderbaren Satz „Ich kauf nicht bei H&M“ (ja, mein Lieber, das is ein Fehler, wenn ich mir den Kik-jogger so anschau‘). Der Rest der Texte blieb im Verborgenen – könnte Spanisch, aber durchaus auch Finnisch oder Rumänisch gewesen sein! Allein die Performance war amüsant – das ‚Leibwächter‘ trinkende, auf Emo geschminkte, singende Kik-model würgte die fremde verstimmte Gitarre und die eigene Stimme ins verderben, bis sie am Bühnenboden darnieder lagen.

 

Ja, lustig war’s. Gelacht haben wir alle. Aufgrund der gegebenen Umstände aber spukten mir Gedanken durch den Kopf á la „Ich könnt jetzt zuhaus im Bett liegen. Oder fernsehen. Oder ein Glas Wein trinken. Oder Sex haben. Oder was gutes essen.

 

Die Conclusio aus der Geschichte? Eh klar – gar keine! Wir veranstalten einen Bandcontest, wir nehmen das ernst und uns macht das echt Spaß. Und viele ambitionierte Bands geben uns Recht! DAS is schön und so verkraften wir auch die zwei oder drei pseudorebellischen Bandcontest-Verarscher 🙂

 

In diesem Sinne: lernt eure Instrumente, kauft eure Klamotten nicht bei Kik, seid lieber Bläser als Schäser und ärgert euch nicht über gestohlene zeit – die ist eh gratis, aber nie umsonst!

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