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Herbstrock – CD-Release

Herbstrock – CD-Release
Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Und das war mein drittes Mal live mit HERBSTROCK. Was seit dem verregneten Nachmittag auf der Donauinsel anno 2007 und dem Spontankonzert im südlich gelegenen Wiener Neustadt alles passiert ist.

 

In Wiener Neustadt hat ja alles begonnen, im Geburtsort von HERBSTROCK. Die Stadt ist nämlich ursprünglich für den Neustadtpunk mit Bandgrößen wie Rentokill, Conny Chaos und die Retortenkinder oder Astpai bekannt. Und für HERBSTROCK – was mittlerweile auch auf Wikipedia verzeichnet wurde.

Seitdem ist viel passiert: ein Vertrag mit Universal Music Austria, das Booking von Teamrider Booking, die Platzierung in den Ö3 Austria Top 40 und der Sieg in der Kategorie Newcomer des Jahres beim Amadeus Austrian Music Award streiten sich darum, was ausschlaggebender für die rapide steigende Laufbahn der Band ist. Aktuell bespielen die vier Köpfe österreichische, deutsche und schweizer Bühnen als Vorband von Christina Stürmer. Nun haben sie sich einen Tag freigenommen um ihr neues Album „Die bessere Hälfte“ im Flex vorzustellen: die neuklingenden Songs nahmen einen ehrwürdigen Start in das endliche Universum der Musik und HERBSTROCK gaben einen kompletten Vorgeschmack darauf, was uns beim Album erwartet.

Doch mit dem Stückchen Ruhm hat sich einiges verändert und HERBSTROCK, so wie sie jetzt auf der Bühne stehen, gleichen der Band von vor zwei Jahren nicht mehr ganz so: neuerlich an der Gitarre steht Paul, der neben Gitarre und Bass auch Triangel spielen kann 😉 Anna hat ihre Gitarre abgelegt und konzentriert sich jetzt auf den Gesang. Einzig und allein der Live-Musiker der Samples (neue Programmings mit Keyboard und Co kommen ebenfalls von Paul – aber eben aus dem Off) fehlt auf der Bühne. Alles ein wenig befremdend wenn man an HERBSTROCK anno 2007 denkt, in fast Lagerfeuer-Manier.

Die bessere Hälfte“ – ein Feuerwerk an bunten Farben, an bunten grellen Farben. HERBSTROCK haben es tatsächlich geschafft,  ihrer Musik ein bisschen Indie, ein bisschen Rock, ein bisschen Pop, ein bisschen Electronica und eigentlich eh ein bisschen von da und dort hineinzumischen. Vor allem die Prise Electronica steht  stark im Gegensatz zu „früher“. Es erinnert jetzt alles ein wenig an New Wave: flotte Nummern mit effektverzerrten Gitarren, viel Bass, rhythmischem Schlagzeug und eingehenden Hooklines. Alles lädt zum Mittanzen und Mitsingen ein. „Spring, spring für dein Leben – damit du fühlen kannst!“  Das machen zumindest die Herren in der ersten Reihe – alle anderen müssen erst einmal hinhören und herausfinden, ob ihnen das so „schmeckt“, was HERBSTROCK da abliefern.
Neben Songs, die textlich an alte Zeiten erinnern, an das Mit-der-Sonne-um-die-Wette-Strahlen und Auch-wenn-du-fällst-ist-alles-gut-Feeling („Lebe wie du – wie du willst“, „Doch du stehst wieder auf, du nimmst die Kratzer in Kauf), gibt es Nummern wie „Sag mir wieviel davon“, die etwas düsterer klingen mit wuchtigen Bässen und dröhnenden Sounds und deren Texte nur so vor Abgeklärtheit und Abschluss strotzen.

Umso später der Abend, desto weniger nervös wirkt die Band – nervös, ob es der Menge gefällt, denn kritisch ist diese auf jeden Fall. Spätestens als die Tester, oder vielmehr die Vorkoster, „Zugabe“ rufen und beim wesentlichen Titelsong des Albums mitklatschen und tanzen, ist klar: ja, es gefällt ihnen.
Die Horde der Zuhörer begibt sich zum Merch, kauft fleißig die besseren Hälften und stellt sich hoffentlich so wie ich die Frage: Was ist mit den alten Songs geschehen? Werden die bei Konzerten jetzt noch so frühsommerlaunig gespielt oder wurden sie umgearbeitet?
In Hoffnung, diese trotzdem mit altem Geplänkel und mit einer von Anna bespielten Gitarre zu hören, verschlinge ich in Gedanken die letzten übrig gebliebenen Osterschokohasen und denke  an weiße Schokolade und HERBSTROCK – entweder man mag sie, oder eben nicht.

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Anna Obermeier
"Dance Like Nobody Is Watching."
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