Home   /   Live Reviews  /   Eight Legs – B72

Eight Legs – B72

Eight Legs – B72

Am zwölften Tag des zwölften Monats standen nicht nur acht Beine, sondern gleich vierzehn auf der Bühne des B72. Jedoch nicht alle zugleich. Eight Legs erhielten Support von den ebenfalls britischen The Shutes. Ein Getümmel war es trotzdem!

Als rund zwei Stunden nach Einlass THE SHUTES das Podest im B72 betraten, hatte sich das Lokal gerade etwa zur Hälfte gefüllt. Unten junge Mädels, lange Haare, kurze Röcke, vermischt mit dem Stammpublikum. Oben hatten es sich ein paar Pärchen gemütlich gemacht. Die ersten Gitarrenlaute erklangen, alle Augen richteten sich auf drei junge Männer von der Isle of Wight. Die schienen allesamt ein wenig kränklich mit ihren Hauben, Winterstiefeln und Schals, die sie trotz des tropischen Klimas im B72 beinhart bis zum Ende des Gigs nicht ablegen wollten. Nichtsdestotrotz erklang schon nach wenigen Takten die Stimme des Sängers und überraschte mit beeindruckender Klarheit.

Die Gitarren dudelten dahin, auch Bass und Schlagzeug verhielten sich recht unauffällig, und über all das legte sich der locker-leichte Wölkchengesang. Was auf dem Papier nach Gute-Nacht Musik klingen mag, ist in Wahrheit eine psychedelisch anmutende Klangwolke, die einen seltsamerweise an Nacktbaden und Blümchenkränze im Haar denken lässt. Vielleicht auch ein bisschen an Achselbehaarung, Woodstock und Ausdruckstanz. Jedenfalls schmusten die oben erwähnten Pärchen gemütlich weiter, während unten kurze Röcke zu schaukeln begannen. Mit ihnen die dazugehörigen Köpfe inklusive Haare. Mit ihrer sympathisch-verrückten Art brachten THE SHUTES das Publikum in friedlich-fröhliche Stimmung, ohne dabei zu langweilen. Als Höhepunkt borgten sie sich Jack Wharton – Gitarrist bei EIGHT LEGS – für ein Ständchen aus.

 

 

Irgendwann wurde es den Möchtegern-Eskimos dann doch zu heiß und sie übergaben ihren Landsmännern EIGHT LEGS die Bühne. Diese stimmten sogleich Vicious, einen Klassiker ihres 2008 veröffentlichten Albums Searching For The Simple Life, ein. Die schwingenden Röcke begannen zu hüpfen. Die Haare hüpften mit. Dunst vermischte sich mit dampfendem Schweiß und Zigarettenrauch – das wohlbekannte Aroma eines guten Konzerts nahm Gestalt an. Weiter gings mit Auszügen aus dem aktuellen Album The Electric Kool Aid Cuckoo Nest, unter anderem I Understand und Best Of Me. Da hörten sogar die Schmuser zu Schmusen auf.

Wenngleich die obere Etage leider recht leer blieb, so tummelte sich unten eine akzeptable Menge, welche die britische Indie-Combo bestmöglich unterstützte. Und wer nicht tanzte, der wippte zumindest zustimmend mit dem Kopf. Leidenschaftliche Mitsinger kamen bei Blood Sweat Tears auf ihre Kosten. Sehr bewegungs- und einsatzfreudig erwiesen sich die vier Feschaks, die selbst auf der überschaubaren Bühne des B72 schwitzend alle räumlichen Gegebenheiten ausnützten. Übrigens auch zum großen Teil mit Winterstiefeln, dafür aber ärmelfrei. Mit These Grey Days ging der Britische Doppelgig langsam zu Ende. Schwitzend und geräuchert machten sich kurze Röcke sowie Stammgäste früher oder später auf den Heimweg, während sieben Briten in Winterstiefeln weiterreisen. Man kann nur darauf warten, dass es sie bald wieder nach Wien verschlägt – um hoffentlich von mehr Leuten gehört zu werden!

Wie gefielen euch EIGHT LEGS?

{mainvote}

Home   /   Live Reviews  /   Eight Legs – B72
Daniel Kubera
“Life has improved immeasurably since I have been forced to stop taking it seriously.” - Hunter S. Thompson
Related Article