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Es kann nur einen geben!

Es kann nur einen geben!

Livebericht Local Heroes: In der legendären Arena in Wien kämpften am 29. Mai 13 Bands um den Titel: local heroes Österreich. Die Musikstile waren so bunt und unterschiedlich, abwechslungsreich und auf hohem Niveau wie ein Stück der berühmten Sachertorte.

 

In der früheren K u.K Monarchie Österreich erfreut sich der Wettbewerb immer größerer Beliebtheit, so dass es für Bürgermeister Michael Häupl eine Ehre sein könnte, local heroes Schirmherr zu werden. Und so hieß es für die Veranstalter um Jasmin Fuchs und Fritz Zimmermann: Etappenziel geschafft, die Arena Eintrittskarten sind: Ausverkauft!

1300 musikbegeisterte Österreicher aus fast allen Bundesländern der Bergrepublik besuchten den ehrwürdigen Ort der Arena und fieberten mit ihren Bands, ähnlich der Fans im fernen Salzwedel bei local heroes.
Beide Orte verband an diesem Abend, an dem die Band aus Tirol – Mother’s Cake – als Bundessieger gekürt wurde, genau wie Bobbyka in Sachsen-Anhalts Salzwedel, der Leitspruch des Wettbewerbes: “ Ihr spielt die Musik!“.

Aber ich möchte wohl doch von vorn beginnen. Endlich schaffte ich es mal, nach mehreren Einladungen der agilen österreichischen Veranstalter von local heroes, diese auch wahr zu nehmen. Mit dem Flieger durch dicke Wolkendecken ging es ins ferne Wien und so manche Frage schwirrte durch den Kopf des Schreiberlings. Wien, 21 Grad, Sonnenschein, das Haar liegt, 68% Luftfeuchtigkeit.
Was für Musik wird gehört im Herzen der Hauptstadt von Wiener Schnitzel, Ottakringer (Bier aus dem 16.Bezirk), Golatschen (Linzer Gebäck) und dem Eitrigen (Käsegebäck). Wie ist das Niveau der Bands, spielen sie mit dem Kopf oder mit dem Herzen ihre Musik? Eines vorweg, ich wurde nicht enttäuscht, die Österreicher wissen, wie man die Katze kämmt und kollektiver Frohsinn zelebriert wird.
Da schlugen dem Hörer hammerharte Soundcollagen um die Lauschlöffel, dass es nur so eine Freude war. Die hatten Lust auf Musik machen, das war kein affenbrunzlert Zeug (abgestandenes Bier), da war radio- und fernsehtaugliches Liedgut der Extraklasse serviert worden. Doch es war nicht leicht beim Publikum des Abends sogleich ein Tor zu erzielen. Da landete der sprichwörtliche Ball auch mal im Abseits, wie bei Petty Minded aus Kärnten. Aber nicht so wild, das ist zwar die Champions League, aber Dabeisein ist alles. Pallawatsch! (Kuddelmuddel,Durcheinander) Die Aufführung beherbergte drückende fast schon chaotische doch brodelnde Monotonie des Punkrock, die aber auf Dauer ihre Wirkung auf das Publikum leider verfehlte.
In der Baumgasse, wo die Arena mit Dreiraum, Beisl und riesiger Freiluftbühne seit mehr als 30 Jahren eine verlässliche Institution für alternative Musik ist, trafen 13 unterschiedliche Musikformationen den Nerv der Zuhörer. Hohes technisches wie auch spielerisches Niveau genährt durch bedingungsloses Proben und Üben, tüffteln und feilen am Programm und die Bands spielten als würde es kein Morgen geben. Lautstarke und charismatische Sänger wie von Biedermann (3.Platz). Der greint, wimmert, schreit schrill, dass aller Text aus dem Hals zu sprengen scheint. Was sich als angenehm berührender Eindruck stimmlicher Überforderung festigen will und aus dem akustischen Nebel des Sounds drängt. Zappelnd, gestikulierend, springend wirbelt er über die Bühne, als würde ein riesiges Erstickungstuch über der Szene liegen. Ja, fast flehend doch voller unbändiger Energie, wurde das Pubilkum von Biedermann erobert.
Wilde Schlagwerker wie bei Machine Zoo (4.Platz) oder Flying Age (11.Platz) aus der Steiermark, versunkene Gitarrenmänner von Mother’s Cake aus Tirol (Sieger).
Alle einte eines, der unbedingte Wille zum Sieg, die Kraft des frenetisch feiernden Publikums und der Gedanke an handgemachte Musik, fernab vom Seelenlosen Castingalarm und Plastikpopshows als es hieß: Ihr spielt die Musik!

 

 

Und hinter den Kulissen, im sagenumwobenen Backstage, trafen sich die local heroes Landesveranstalter Janoz Szebeni (local heroes Ungarn), Dieter Herker (local heroes Deutschland) und Jasmin Fuchs (local heroes Austria) um Einzelheiten für das local heroes Finale Europa in Pecs zu besprechen.
Dann findet das erste Finale im Rahmen eines dreitägigen Popularmusik-Kongresses in der ungarischen Kulturhauptstadt Pecs statt. Die Siegerband erhält neben anderen Preisen den Titel “local heroes europe”.
local heroes europe ist eine Initiative der großen nichtkommerziellen Newcomer Band-Wettbewerbe aus Österreich, Deutschland, Dänemark und Ungarn, Belgien, Kroatien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei,und den königlichen Niederlanden. “Mit dem jährlichen Europa-Finale und dem angeschlossenen Popularmusik – Kongress soll die europaweite Vernetzung der jungen Musikszene zu neuer internationaler Dynamik verholfen werden”, erklärt Herker das Ziel dieser neuen Ausrichtung. “Was 1989 mit dem Zusammenwachsen der beiden Teile Deutschlands so erfolgreich begann, kann jetzt folglich auch auf europäischer Ebene fortgesetzt werden.” Mehr als 100 deutsche Initiativen, Veranstalter und Verbände gehören dem Netzwerk mittlerweile an. Was hier in Deutschland auf Bundesländerebene seit Jahren erfolgreich praktiziert werde, jedes Bundesland führt föderal unter Beachtung weniger, einfacher Spielregeln, sein Projekt durch und arbeitet dem Gesamtprojekt zu, lasse sich nach gleichem Prinzip auch auf Europa übertragen, ist er sich sicher. “Der starke Wille der Jugend nach Austausch lässt über das Medium Rock/Pop-Musik Sprachbarrieren in den Hintergrund treten. Im Gegenteil, der musikalische Ausdruck wird durch Einflüsse regionaler melodischer und rhythmischer Eigenheiten bereichert.”
Ein Anfang zur weiteren Verständigung der verschiedenen Nationalitäten sei jedenfalls gemacht.

Und so wird es auch künftig heißen: “Ihr spielt die Musik!”
(Bernd Zahn)

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