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Hannes Tschürtz

Hannes Tschürtz

Velojet, Ja Panik, Garish – sie alle sind Teil von Swimming Pool, der neuen Synch-Agentur, die österreichische Musik an Filme oder Werbespots vermittelt. Hannes Tschürtz, der Gründer, im Interview über seine Aufgabe und nationale Musik in internationalen Filmen.

 

O.C. California, Grey’s Anatomy und Twilight – kaum eine Serie oder ein Film aus dem englischsprachigen Ausland, verzichtet heutzutage auf gute, unbekannte Musik und bringt somit frischen Wind in die Independent-Szene. Phantom Planet, Kasabian, Imogen Heap – alles Namen, die einen Beigeschmack von „Filmmusik“ tragen. Genau so soll es in Österreich nun auch werden.
Das ist die Aufgabe der neuen Firma von Ink Music Gründer Hannes Tschürtz, Swimming Pool. Swimming Pool ist eine Synch-Agentur, die kurz gesagt Musik an Filme und Werbespots vermittelt. Für euch haben wir Hannes Tschürtz zu dem Thema interviewt:

 


Hannes Tschürtz im Interview mit enemy.at

 

Hallo Hannes! Zuerst mal: Wie geht’s dir – vor allem in Hinblick auf deine neue Firma Swimming Pool? Was tut sich?

Danke, ausgezeichnet. Wir siedeln gerade um und nach viel geistiger Arbeit, Konzeptentwicklungen und Businessplänen ist ein bisschen Möbel schleppen und Regale zusammenbauen eine erfrischende Abwechslung. Wir treten gerade langsam aber sicher in Phase 2 unseres Plans ein – weswegen wir ja auch dieses Gespräch führen: Wir gehen an die Öffentlichkeit und erzählen den Menschen, was wir so tun.

 

Swimming Pool – eine Sync-Agentur. So richtig bekannt ist der Begriff ja noch nicht wirklich. Was macht eine Sync-Agentur und: Was macht deine Sync-Agentur?

Hinter dem ganzen Musikgeschäft stecken viele komplexe rechtliche Vorgänge. Eine Sync-Agentur vermittelt Sync-Rechte, das ist beispielhaft gesprochen das Verknüpfen von Musik mit anderen Medien – Filmen, Werbespots, Games. Damit ein Regisseur in seinem Film ein Stück Musik dazuschneiden darf, benötigt er das Einverständnis der Rechteinhaber dieses Stücks. Das sind mehrere Teile – das Recht an der Aufnahme (das meist einem Label „gehört“) und das Recht an der Komposition (das wiederum meist von einem Verlag verwaltet wird). Wir verfügen über ein großes und wachsendes Repertoire an einschlägiger Musik, für das wir die Rechtsfragen vorab geklärt haben. Wir finden also einerseits die richtige Musik aus unserem Repertoire – je nach den Anforderungen des Kunden – und können dafür auch die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, sodass das alles klappt.

 

Welche Musiker oder Labels vertretet ihr momentan mit eurer Agentur?

So ziemlich alles, was derzeit Teil des „Wiener Popwunders“ ist. Wir arbeiten eng mit den Labels schoenwetter, Siluh, Seayou, Wohnzimmer oder Asinella zusammen; von CLARA LUZIA über GARISH, PAPER BIRD, JA PANIK, KREISKY, A LIFE A SONG A CIGARETTE, VELOJET, BAUCHKLANG bis hin zu BILDERBUCH ist vieles vertreten. Nach und nach kommen auch internationale Namen dazu – einerseits solche die in Österreich gut vertreten sind wie Trouble Over Tokyo oder Ezra Furman, andererseits auch mit spannenden Labels etwa aus Dänemark.

 

Welche Songs habt ihr schon an die Werbung oder an Filme vermittelt?

Demnächst kommt „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ ins Kino. Der gesamte Film wurde mit österreichischer Musik bestückt, darunter CLARA LUZIA, FRANCIS INTERNATIONAL AIRPORT und andere aus unserem Pool. Es gab auch schon ein paar internationale, kleinere Geschichten. Wir bewegen uns gerade außerhalb der österreichischen Grenzen auf einem Terrain, wo für eine einzige Szene „Greys Anatomy“ bis zu 1000 Songvorschläge an die Produzenten heran getragen werden.

 

Sehen die Bands, die ihr mit Swimming Pool vertretet, das Ganze als eine gute Sache oder kamen schon mal Widerworte wie, dass Werbung ja natürlich auf kommerziellem Boden herumspaziert und Kunst wie Musik da nichts zu suchen hat?

Es gibt da natürlich unterschiedliche Ansichten und Auffassungen – und wir respektieren die auch. Wenn ein Künstler per se sagt, dass er seine Musik nicht für Werbung passend findet oder eingesetzt haben möchte, dann ist das auch so. Bei allen finanziellen Aspekten ist die künstlerische Integrität und Authentizität immer noch das höchste Gut in dieser Branche – für uns zumindest. Filmmusik wird in der Regel gerne frei gegeben und als prestigeträchtig empfunden, dafür wird Werbemusik deutlich besser bezahlt.

 

Welchen Song hättest du James Cameron für Titanic ans Herz gelegt?

Zum Beispiel „Asthma“ von Kreisky, aber nur weil ich ausgesprochen ironisch veranlagt bin und dieser Film mich akut seekrank macht.

 

Wäre es für dich vorstellbar, einen ganzen Soundtrack eines Hollywood-Filmes mit österreichischer Musik zu bestücken? Ist das allein musikmäßig vorstellbar und passend?

Das kommt wohl sehr auf den Film an, aber wenn ich an größere Independent-Produktionen wie Garden State denke, ist das ein Kinderspiel. Für Titanic hingegen wärs wohl schwieriger geworden 😉

Deinen Namen kennt man ja sonst auch von Ink Music – die Musikszene hierzulande scheint dir ja sehr wichtig zu sein? Wie kam es dazu? Und wieso ausgerechnet diese Musikszene in einem Land, wo man einfach lieber Internationales anstatt Nationaler Musik bevorzugt?

Musik war schon immer eine große Leidenschaft, selber ein öffentlicher Musiker zu sein, hab ich der Welt aber erspart. Ich hab meine ersten Sporen in der großen Zeit der Wiesen Festivals in den 90ern gesammelt und dort wertvolle Erfahrungen gemacht und viele inspirierende Leute und Künstler kennen gelernt. Mich hat aber damals schon genervt, dass alles von „außen“ grundsätzlich für besser und größer empfunden wurde. In den letzten Jahren hat sich hier vieles verändert und mittlerweile würde ich deinem letzten Satz gar nicht mehr so zustimmen wie vor zehn Jahren – was schon zeigt, dass es sich lohnt, hier seine Zeit und sein Herzblut zu investieren. Es gibt eine Vielzahl großartige Künstler hier, man muss ihnen nur zuhören beziehungsweise ihnen eine Plattform geben. Ich hab mit ink music versucht, eine solche zu bauen und bin rückblickend betrachtet sehr froh darüber.

 

Was macht für dich den Unterschied zwischen österreichischen und internationalen Bands aus? Wieso sollte jemand etwas aus unserem Land und nicht beispielsweise aus Großbritannien hören?

Wenn eine Band Musik macht, die mich anspricht und die ich gut finde, ist mir recht egal, ob sie aus Andorra, Kasachstan, dem Senegal oder Venezuela kommt. Beschäftigung mit dem direkten Umfeld, mit den in der unmittelbaren Umgebung entstehenden und aktiven Szenen ist aber einerseits sehr einfach und andererseits enorm interessant und spannend. Der österreichische Minderwertigkeitskomplex der Nachkriegszeit hat leider mit sich gebracht, dass wir grundsätzlich alles einmal schlecht finden, was aus diesem Land kommt. Es gibt unglaubliche österreichische Produktionen auf internationalem Niveau und es gibt natürlich auch hier einen Haufen Schrott – wie überall anders auch.

 

Welche österreichischen Bands hörst du privat sehr gerne?

Im Moment unglaublich gern die neue Platte von FRANCIS INTERNATIONAL AIRPORT – In The Woods. Insgesamt ist praktisch der gesamte Swimming Pool-Katalog eine musikalische Oase und Wohltat für mich. Da gibt’s sehr viele Perlen. Klingt ein bisschen kitschig und aufgelegt, ist aber wirklich so.

 

Was würdest du gern all jenen Leuten sagen, die nichts mit österreichischer Musik am Hut haben wollen, und lieber Importe aus Großbritannien und Co hören?

Scheuklappen ablegen, Vorurteile mal beiseite schieben, sich „trauen“ etwas zu entdecken, was sie für unmöglich gehalten haben. Das tun glücklicherweise immer mehr, die dann positiv erstaunt und schnell fest stellen: „Das ist aus Österreich?“. Im Grunde wünsche ich mir also nichts weiter als eine gewisse Emanzipation. Gerade im Film- und Werbebereich stellen wir das jetzt sehr oft fest, wie erstaunt die Leute sind, dass es hierzulande so viel so gute Musik gibt.

 

Danke!

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Anna Obermeier

„Dance Like Nobody Is Watching.“

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