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Nova Rock 2010

Nova Rock 2010

Brot-Golf im Gatsch, Spinneninvasion im Zelt, Feinstaubbelastung, Hitzestau, Autostau, Tee-Bier, Pavillionsfetzen, Trockeneisbomben, Heißwasserduschen vs. Kaltwasserduschen. Alles nur nebenbei erwähnt beim Abenteuer an der pannonisch-erdigen Ostlage im Burgenland.

 

Mal ganz ehrlich – das Line-Up des heurigen Nova Rock hat mich nicht von Anfang an überzeugt. Aber einen wahren Festivalfan stört das nicht. Zu gerne fährt man zusammengedrängt mit Ruck- und Schlafsäcken in das hitzige Nickelsdorf um einen Ein-Stunden-Marsch zum Zeltplatz hinter sich zu bringen. Denn wer direkt hinter der Red Stage campiert, hat den perfekten Platz – kühles Bier in der Nähe, Duschen in passabler Reichweite und nicht zu vergessen ist man trotz der Distanz auch noch im Campingsessel Live-Zuseher der Shows von Slayer und Co.

 

 

Ich brauch‘ kein Solarium – ich geh‘ auf’s Nova Rock

Wer am Freitag Punkt 12:30 vor der Bühne stand, hat meinen großen Respekt – die Hitze weckte uns um eine unheilige Zeit auf und sich zum Gelände zu bewegen war unmöglich. Wer Bands verpasste, holte sich einfach schon mal den ersten Hautanstrich für den Sommer.
Band Nummer Eins für das Nova Rock 2010 waren SUBWAY TO SALLY, die den feurigen Tag – in Betracht auf den Headliner – einleiteten. Die „Meister, Meister“-Mitsing-Songs sind noch von vor zwei Jahren im Ohr.

Anstatt so mancher Band gab es für das Groß der Festivalbesucher WM-Geschrei, Wasser, Bier und kalte Duschen. Ähm, pardon, Warmwasserduschen.

Eine erfrischende Performance gab es bei den herzerwärmenden SPORTFREUNDE STILLER. Die drei Fast-Österreicher aus Bayern geigten mit ihrer Unplugged-Show auf, die alles umfasste, was der 0815-Festivalbesucher kennt: „54, 74, 90, 2010“, „Ich Roque“, „Lass mich nie mehr los“ und natürlich „Ein Kompliment“.

Im Gegensatz dazu wuselten DEICHKIND über die Bühne und mit Schlauchboot über die Fans. Ein verdienter Headliner-Platz für die Müllsack-Hamburger und ihre Hüpfburg-Federschieß-Remmidemmi-Show.
Explosion-Feuerinferno-Peng von der Blue Stage – das können doch nur RAMMSTEIN sein. Eine minutiös durchgeplante Show samt Feuer-Stunts – und eine etablierte Besamung durch die Schleuderkanone in Geschlechtsteilform.

 

Headliner am ersten Tag – DEICHKIND

 

 

 

We are the band – and you are not! Oder: Begebt euch zu euren Zelten! Der Sturm kommt!

Wer ein „12:30 bis 00:30 bei den Stages“-Festivalbesucher ist, hatte am zweiten Tag so seine Schwierigkeiten, seinen Tätigkeiten nachzugehen. Der Großteil der Meute verbrachte Vor- und Nachmittag im kühlen Nass samt Jolly oder Twinni. Nachdem mit FLYLEAF eine weitere Band absagte, wurde der Tag buchstäblich in den Wind geschossen. Denn ENTER SHIKARI waren, anders als sonst, drucklos und fehlerbehaftet. Man nimmt es bei dieser Hitze aber auch niemandem übel – es wurde einfach das falsche Wetter bestellt…

Keine Ruhe vor dem Sturm – THE HIVES machten wie immer großes Aufsehen, brachten viel Geklatsche und gute Stimmung. „Now clap your hands! Stop! Now scream!“

The Mamas and the Papas – wer vorsichtige Eltern hat, weiß schon vor dem Sturm, dass die Pannonia Fields noch am selben Tag der Hades-Zuflucht ähneln werden. Die blanken, mit Bier gefüllten Bäuche wurden hinter die Absperrungen versetzt. Wer sein Zelt noch nicht verankert hat, braucht jetzt auch nicht mehr losgehen. Zeltstangen fliegen durch die Gegend – so leicht wie auch der Staubtornado. Kaputte Pavillions werden zum Kollektiv-Regenschutz für sechs Personen plus Campingsessel umgebaut. Nach zehn Minuten ist alles vorbei – JOAN JETT röhrt wieder „I love Rock’n’Roll“ herum und mit Verspätung betreten die Headliner die Bühnen.

Die Pyrotechnik von RAMMSTEIN blieb gewissermaßen stehen – GREEN DAY schossen noch mehr Feuerwerk in die staubigen Lüfte. Gezwungenerweise sah ich diese Show (sie sind ja nicht unbedingt meine Lieblinge) – unspontan aber sehr sympathisch!

 

Der lustige HIVES-Sänger mit dem lustigen Namen, Pelle Almqvist

 


Without you we would be nothing – oder so ähnlich

Endlich wird es kühler – endlich darf ich überlegen, ob ich die kurze oder die lange Hose anziehen werde. Der letzte Tag Rosinenstriezel mit Cola Rum zum Frühstück. Das letzte Mal Zähneputzen im Bierdosen-Feuchttücher-Müllberg.

Nach dem Abbauen ging es zu A DAY TO REMEMBER, die gut und gerne einen späteren Slot bespielen könnten. Viel Stimmung obwohl aufgrund des Autofahrens weniger Bier konsumiert wird.

Der Weg zur Blue Stage und BELA B. war zu weit und so war die Mischung AS I LAY DYING + Mega Burger eine gute Alternative.

Mit „Rose of Sharyn“ stiegen KILLSWITCH ENGAGE in ihren Festivalauftritt ein. Nach dem Hoffen und Bangen war auch Sänger Howard Jones wieder mit von der Partie – ebenso wie „Holy Diver“, der Pflicht-Finalsong, dem vor kurzem verstorbenen Ronnie James Dio gewidmet.

Schon langsam begann der Wehmut – keine Nacht mehr im stickigen Zelt, keine Spinnen, die einem über den Arm laufen, und vor allem keine schmerzvolle Nacht auf dem buckligen, burgenländischen Boden. Doch die BEATSTEAKS trösteten uns mit meinen All-Time-Favourites „Jane became insane“ und „She was great“ und einer wunderbaren Show.


Ein Feuerwerk beendete das erdige, verschwitzte Bier-Spektakel und Blitze und Regen ließen uns wieder in die Zivilisation einziehen…

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Anna Obermeier
"Dance Like Nobody Is Watching."
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