Alvin Zealot im Interview

Aylin Izci 13. Oktober 2011 0

Gerade erst haben wir in ihr Album reingehört und unseren Senf dazu kundgetan. Jetzt waren wir noch so frech und haben die Schweizer Alvin Zealot ordentlich gelöchert. Das fantastische Interview mit dem sympathischen Quartett lest ihr hier!

Stellt euch mal vor! Was sollte man über euch wissen? Wie habt ihr euch kennengelernt?
Drei von uns wuchsen im selben Ort auf. Bei einem Dorf von zweitausend Einwohnern ist es kein Wunder, dass wir zusammen Geburtstage feierten oder uns einfach sonst hübsche Spiele ausdachten. Eines davon wurde in einem dunklen Keller gespielt mit dem Sinn, so lange einen Gymnastikball durch die Dunkelheit zu kicken, bis man selbst oder jemand anders damit zu Boden rammte. Es kam, wie es musste, inmitten des Gefechts stießen drei von uns ihre Köpfe aneinander. Als diese Köpfe und deren Körper wieder zu sich kamen, gaben sie sich Tiernamen. Sie bastelten Steinschleudern und fühlten sich wohl als heldenhafte Geschöpfe des Waldes. Auch der Vierte von uns war von Fabelwesen und dergleichen geprägt – tauschte er doch mindestens einmal im Jahr sein wahres Gesicht gegen eine fremde Maske.
Doch es kam der Tag und die Vier fanden sich im Zoo wieder. Ihre Tierhelden waren in Wirklichkeit verletzlich und so wuchs das Verlangen, nicht länger Teil einer sich vorgespielten Illusion zu sein. Sie warfen ihre Tierrollen ab wie eine Hülle. Zum Vorschein kam die Idee, endlich selbst Geschichten zu erzählen und Rollen zu erfinden.

Was hat es denn mit dem Namen “Alvin Zealot” auf sich? Die Beschreibung auf eurer Homepage ist ja sehr kreativ.
Alvin Zealot ist eine erfundene Inspirationsquelle. Er ist ein fiktives Bandmitglied und gleichzeitig Zugang zu unserer Fantasie. Er bekam die Rolle eines fanatischen Reisenden mit schwarzem Frack, Zylinder und Koffer. Er erlebt die Geschichten, die wir uns ausdenken, die uns wiederum seinetwegen zufliegen. Aber die Namensgebung ist eine Weile her. Unsere Antwort auf die Entstehung von Alvin Zealot ist heute bloß Repetition von etwas, das wir ein Mal auswendig gelernt haben. Vielleicht gibt es ein neues Album ohne Alvin.

Apropos Homepage: Wenn man die besucht, erscheint zunächst groß das Cover eurer EP “The Wolf”. Interessiert ihr euch für gemalte Kunst?
Ja. Natürlich mögen wir schöne Bilder, aber wir besuchen nicht regelmäßig Galerien. Das Cover hat ein Freund von uns gemalt.

Wenn man an die Schweiz denkt, fallen einem spontan, außer DJ Bobo natürlich, nicht viele Musiker ein. Woran glaubt ihr liegt das? Wie stehen die Chancen für junge Musiker wie euch, in der Schweizer Musikszene Fuß zu fassen?
Ein Grund könnte sein, dass Schweizer Musiker nicht gezwungen sind, alles auf ihre Musik zu setzen. Es gibt etliche andere Möglichkeiten, einfacher zu leben und sein Brot zu verdienen. Wenn die Musik als Nebenbeschäftigung vor sich hin plätschert, wird sie selten bekannt.
Weiter entsteht in der Schweiz kaum Euphorie für eine Band, die im eigenen Land erfolgreich ist. Schafft sie den „Sprung“ aber über die Grenze, mit welchen Mitteln und in welchem Ausmaß auch immer, zieht sie Aufmerksamkeit auf sich.
Mit unserer Musik in der Schweiz Fuß zu fassen ist aber nicht das Ziel. Wir sind der Meinung, dass der Großteil des Schweizer Publikums weniger Ecken und Kanten erträgt, als in unserer Musik steckt.

 

Was hört ihr privat für Musik?
Jeff Buckley live at Sin-é, Warpaint, Tame Impala, Bon Iver, Nina Simone, Department of Eagles…

Wie entsteht ein Song bei euch?
Oft ist es so, dass eine Idee vom Kopf in den Proberaum gelangt. Dort wird sie mit Englisch-Kauderwelsch versehen und solange durchgekaut, bis sich die erste Akkordfolge doch als die Beste erweist. Dann schreibt Beni seinen Senf dazu und fertig ist die Songwurst!

Die Fertigstellung für euer Album hat ziemlich lange gedauert. War das ok für euch, weil ihr euch auf das perfekte Endergebnis gefreut habt, oder wurdet ihr teilweise schon ungeduldig?
An dieser Stelle zitieren wir gerne unseren Produzenten Tobi: „Fürs erste Album hat man ewig Zeit. Für das Zweite vielleicht ein Jahr.“
Zurzeit befinden wir uns im Zweiten und es wird noch ein Drittes daraus. Unsere nächste Platte erscheint im nächsten Jahr. Von einem perfekten Endergebnis kann beim Debüt allerdings nicht die Rede sein. Jedenfalls hören wir die Songs kaum mehr selbst.

Trotzdem hat “Tears Of St. Lawrence” sowohl uns als auch vielen Anderen gut gefallen. Spürt ihr dadurch eine Art Druck für das zweite Album?
Ja. Uns ist bewusst geworden, wie viel vom zweiten Album abhängt! Direkt damit im Zusammenhang steht die Frage, wohin wir überhaupt wollen und wie ernst uns dieses Projekt wirklich ist.
Die Suche nach solchen Antworten hat jeden Einzelnen von uns erschüttert, zeitweise sogar unseren Zusammenhalt gefährdet. Es entstehen Ängste, im Proberaum keinen gemeinsamen Nenner zu finden. Unsicherheit hemmt unsere Kreativität.
Was tust du, wenn du alles darauf setzt, es dadurch immer wichtiger wird und es einmal nicht so gut läuft? Zu Hause sitzen und schwarzmalen, dass die Probe wahrscheinlich scheiße wird? Oder eben zur Probe fahren und merken, dass es so und so nicht geht.
Immerhin ist man auf diese Weise dabei, etwas in Bewegung zu setzen. Und darum geht es uns: Viel proben, viel Zeit zusammen verbringen, damit wir uns in Zukunft als Menschen gegenüberstehen und nicht als Mittel zum Bandzweck. Das ist kein Erfolgsrezept, sondern unser Versuch, endgültig wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.

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