Dezember 11 – Roterfeld

Anna Obermeier 9. Dezember 2011 0

Ganz im Zeichen des düsteren und kalten Dezembers holen wir uns den Darkrocker Roterfeld ins Boot der Bands des Monats! Passend zum Kinostart von Twilight: Breaking Dawn Teil 1, bei dem der Vorarlberger eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt!

 


Wie geht’s dir, immerhin wirst du unsere Band des Monats Dezember?
;-)
Der enemy.at – Act des Monats zu werden ist sehr cool. Vielen Dank an die Redaktion. Ansonsten würd ich grad mal lieber auswandern. Was mach ich in einem Land, in dem der Kiddy-Contest die Nr 1 der Albumcharts stellt und sich alle mit Hubert von Goisern verwandt fühlen?

Erklär uns doch mal kurz, was es da mit dir und Twilight auf sich hat!

Den Song “Great New Life” hab ich bereits 2009 geschrieben. Es war eine kalte Winternacht und mir blieb wieder mal die Luft weg, ich wollte hier raus. Also schrieb ich einen Song, in dem es darum geht, aus dem alten Leben auszusteigen und ein neues, besseres Leben zu beginnen. Der Song und der Text gefiel auch den Leuten beim Twilight-Magazin “Vampire Chronicles” und so wählten sie den Song für ihre Kinokampagne. Er löste damit den Song Resistance von Muse ab, der den Trailern rund um die letzte Twilight-Saga unterlegt war.

Wie waren deine bisherigen Auftritte vor den Vorstellungen von “Breaking Dawn”? Mögen die Leute deine Musik auf Anhieb?
Ja das Publikum war echt super. Wir dachten zuerst, dass die Leute vielleicht lieber nur den Film sehen wollen, aber dem war nicht so. Viele haben sich total gefreut uns mal eben so mit 2 Gitarren in der Hand live zu sehen, zumal es für viele auch ziemlich überraschend kam.

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Hast du den vierten Twilight-Film schon gesehen? Was hältst du persönlich vom vertretenen Soundtrack?
Mit dem Soundtrack zu Breaking Dawn I hab ich mich nicht so beschäftigt, aber den Film selber hab ich natürlich gesehen. So viel Hochzeit und Kinder kriegen hätte ich nicht gebraucht. Grundsätzlich find ich aber alle Arten von Vampiren sehr cool. Sei es nun der Underworld-Vampire oder auch die Twilight-Vampire. In Breaking Dawn II wird es sicher auch für Jungs wieder etwas spannender.

Welchem Film würdest du gern deine Musik leihen?
Ich denke zu 300 oder Sin City wären mir sicher ein paar schicke Melodien eingefallen.

Glaubst du, deine Herkunft – Österreich – hatte negativen Einfluss auf deine Musik und du hättest es in einem anderen Land schneller geschafft?
In meiner Musik steckt sehr viel Österreich. Zum einen kann ich darin unsere keltischen Vorfahren erahnen und zum anderen malen die Songs auf “Blood Diamond Romance” auch Bilder von nebelumhangenen Wäldern, Schluchten und Flüssen. Ich bin ein Maler, der mit dem Pinsel nicht umgehen´kann und daher lieber mit Worten und Liedern malt. Dass ich außerdem ständig aus Österreich raus wollte und trotzdem immer wieder zurückkam, ist auch so ein Ding, das meine kreativen Batterien auflädt. Ich hoffe daher sehr, dass nun auch in Österreich viele unsere CD kaufen. Der Erfolg in der Heimat ist nicht nur emotional wichtig, sondern auch das Ausland schielt ja immer wieder über die Grenze.

Ich habe gelesen, dass du als Junge keine Rockmusik hören durftest. Hast du sie trotzdem gehört? ;) Und wie kam es dazu, dass du doch in diese Schiene “gerutscht” bist?

Ich bin “naturally born darkrock”. In Vorarlberg gibt es ja auch keine Gothic- oder Darkrock-Szene. Ich konnte mich also nirgends infizieren, sondern bin einfach so. Bereits in der Volksschule schrieb ich Fantasie-Geschichten vom Krieg der Ratten gegen die Mäuse und schon damals gings manchmal ziemlich finster zu. Auch meine nächtlichen Ausflüge in die Wälder sind ein Teil meiner Prägung. Roterfeld hat sich nicht irgendwann die schwarze Kutte umgehängt, weil es modisch cool war und auch die anderen aus der Gang so drauf waren. Musikalisch war jede Form von Schlagzeug für meinen Vater unerträglich. Rockmusik ging daher nur heimlich unter der Bettdecke und das waren Alice in Chains und Guns N Roses.

Mit der neuen Plattform “Spotify” kommt das Thema Raubkopien wieder einmal an die Medien – was hältst du von “illegalen Downloads”? Bist du auch strikt für die “Verurteilung” von Leuten, die Musik illegal ins Netz stellen oder findest du vielleicht auch etwas Positives am Downloaden?

Die Plattenfirma hat mich gefragt, ob ich der Nutzung meiner Songs durch diese Plattform zustimme, da es ja auch gute Promotion wäre. Ich hab abgelehnt. Diese scheinheiligen Freunde der Musik, zerstören das, wofür sie vorgeben zu stehen. Ich habe in der zweijährigen Produktionszeit zu “Blood Diamond Romance” immer wieder von Bands gehört, die aufgegeben haben. Der einzelne Fan macht sich wenig Vorstellung davon, was nur ein einziges verkauftes Album für einen neuen Act bedeutet. Das sieht die Plattenfirma, das sieht der Vertrieb, der Booker und der Veranstalter. Wer mehr CDs verkauft, bekommt mehr Gigs und wird für die Gigs besser bezahlt. Wer keine CDs verkauft, kann nicht live auftreten und verliert obendrein Vertrieb und Plattenfirma. Früher gaben die Plattenfirmen ihren Acts drei Alben Zeit, sich zu etablieren. Mittlerweile wird eine Band nach einem gescheiterten Album auf den Müll geworfen.

Also gar nichts Positives?

An illegalen Downloads ist nichts Gutes. Wer glaubt, dass er umsonst etwas haben kann, das in der Herstellung zigtausende Euro kostet, der denkt das Ding nicht zu Ende. Man treibt die Band an einen Punkt, wo sie entweder gar kein Album mehr oder nur noch ein qualitativ schlechtes Album produzieren kann. Davon betroffen sind auch sehr gute und scheinbar erfolgreiche Bands, von denen man sich das nie denken würde. Diese Bands sind dann meistens zu stolz, um das zu zugeben. Als etablierte Band willst Du ja nicht im Interview sagen: “Unser Album ist so scheiße, weil wir schon nach 10 Tagen wieder aus dem Studio raus mussten.” Aber genau so läuft es immer öfter und schuld daran sind tatsächlich die fehlenden CD-Verkäufe.

Was wäre dein perfektes 5-Stück-Mixtape für den Winter?
Leonhard Cohen – “Everybody Knows”
Guns N Roses – “Welcome To The Jungle”
Roterfeld - “STOP”
Alice In Chains – “Check My Brain”
Dire Straits – “Telegraph Road”

Klingt zwar auf den ersten Hinhörer ziemlich durcheinander, geht aber überraschend gut zusammen. Außerdem will man ja auch im Winter nicht nur Trübsaal blasen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Zum CD-Review von “Blood Diamond Romance” geht’s hier.

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