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FM4 Geburtstagsfest – Arena

FM4 Geburtstagsfest – Arena

Am Samstag knallten in der Arena die Korken. Es gab Großes zu feiern! FM4 ist 16 geworden und feierte ein rauschendes Fest mit allem, was dazu gehört. Nicht weniger als neun Liveacts, fünf Zirkuslöwen und ein Pferd traten am 22.1. auf.

Schon um 18:00 Uhr beginnt das dicht gestreute Programm auf dem Open Air Gelände der Arena Wien. Wie jedes Jahr versammeln sich nicht wenige kälteresistende Geburtstagsgratulanten bereits zu dieser frühen Stunde, um sich keinen Programmpunkt des Spektakels entgehen zu lassen. Nach einer einstimmenden Filmkulisse treten gegen 19:00 Uhr der erste Liveacts des Abends, BILDERBUCH, auf. Dass sie dabei ihr aktuelles Album Karibische Träume zum Besten geben, tut den Gefrierschranktemperaturen zwar leider keinen Abbruch. Wem dabei aber nicht warm wird, der hat entweder zu wenig Punsch intus oder – und das ist wahrscheinlicher – sollte der schrägen Harmonie des jungen Quartetts mehr Aufmerksamkeit schenken. Die Soundtechnik der Open Air Bühne erledigt das Übrige, um allfällige Gänsehäute in angenehme Zwerchfellvibration zu verwandeln.

Die kurze Umbauphase wird von der Moderation wohl als Aufwärmübung gehandhabt: Schenkelklopfen hält doch schließlich auch schön warm, und wer den Rumkugel-Witz kennt, der weiß, wovon ich spreche. Nichtsdestotrotz betreten pünktlich um 20:00 CHIKINKI gut gelaunt die Open Air Bühne. Hier gibt‘s nicht nur alte Klassiker zu hören, sondern auch Songs vom im Februar erscheinenden Album Bitten. Der Bass dröhnt, die Synthies quietschen, die Bühne dampft. Auch das Publikum ist mittlerweile schön vorgewärmt und mutet schon recht tanzwütig an.

 

 

Recht so, denn jetzt kommen THE GO! TEAM. Gab sich das Team von FM4 sichtlich Mühe, dem heurigen Zirkus-Thema gerecht zu werden, so schaffen es die sechsköpfigen Londoner subtil und doch eindrucksvoll besser. Noch nie waren sechs Musiker so flexibel und multitalentiert. Hier wird die Bühne zur Manege, es wird rotiert, herumgehuscht, Instrumente werden getauscht und das Tanzbein geschwungen. Sängerin Ninja meint hierzu: „Wow, it‘s hot in here!“ Und auch mir wird unter kaum zählbaren Schichten ob der Kopfwackelei langsam warm. Nach dieser genreübergreifenden und äußerst eindrucksvollen Spielfreudigkeit kriecht der Gefrierbrand langsam doch entlang der Gliedmaßen, sodass ich mich für eine Fortführung des Abends in der großen Halle entscheide, welche gerade eröffnet wird.

Hier steht Hermes im Pferdekostüm und kündigt seine Talente als Löwendompteur an, welche er mit den Worten „Zum Glück gibt‘s noch Hörer, die sich für eine Eintrittskarte bedingungslos demütigen lassen!“ kommentiert. Also kriechen fünf armselige Gestalten auf allen Vieren auf die Bühne und …naja, das mit dem Schenkelklopfen eben. Aber wir sind ja schließlich der Musik wegen hier!

Während draußen HERCULES AND LOVE AFFAIR eine volle Ladung Bass verabreichen, werden um Punkt 22:00 Uhr in der Halle I AM CEREALS angekündigt. Die erscheinen schließlich im Einheitslook ala Ärztekittel und sehr feschen Hosen. Das ist aber noch nicht alles: Auch an Galaxy, ihr kürzlich erschienenes Album, hat die St. Pöltner Truppe gedacht. Eröffnet wird allerdings mit dem Klassiker French Parade, auf den der Titelsong des aktuellen Albums folgt. Obwohl die Halle zu diesem Zeitpunkt bereits zum Bersten gefüllt ist, lässt deren Support etwas zu wünsch übrig. I AM CEREALS geben sich sichtlich Mühe, ausgelassene Stimmung aufkommen zu lassen, stoßen aber leider auf manch taube Ohren. Umso enthuisiastischer geben diejenigen, die die Qualitäten der Band kennen und schätzen, ihre Begeisterung kund. Diese äußerst sympathische Combo hat eindeutig mehr Aufmerksamkeit verdient.

Nach einer guten Stunde wird die Bühne für den Steirer EFFI geräumt. Der traut sich zunächst ganz alleine mit Gitarre auf die Bühne, nach und nach erhält er dann Unterstützung durch Bass, Schlagzeug, Trompete und Posaune. Dem Charme des Steirers kann sichtlich keiner widerstehen. Das Publikum liegt ihm förmlich zu Füßen und als Höhepunkt gibt‘s Happy, mit der Ukulele geklimpert. Musikalisch sind EFFI die Torte des Geburtstagsfests, süß und unwiderstehlich lecker. Das Publikum bettelt um eine Zugabe.

Punkt Mitternacht sind jedoch FOTOS an der Reihe. Die fallen zunächst leider in ein kleines Publikums-Tief. Dabei haben sie doch so viel Erfreuliches zu bieten! Erst kürzlich brachten sie mit Porzellan Neues zum mitsingen, -schreien, -tanzen, -fluchen und -fiebern unter das Volk. Die Leitung zu den Arena Gästen scheint allerdings recht lang zu sein. Erst bei Nach dem Goldrausch und  Motivationsarbeit von Sänger Tom taut die Menge langsam auf. Es folgt eine Strecke an offensichtlich sehr beliebten, älteren Songs des Debutalbums Fotos; darunter Viele, Komm Zurück und Giganten. Schließlich steigt die Halle doch auf die Bemühungen der FOTOS ein und will am Ende garnicht aufhören, zu singen: „So müssen sich doch die Giganten fühlen“ hängt noch lange nach Ende des Songs in der Endlosschleife an den Lippen der Besucher.

Einen herben Stimmungsumschwung bringen die Londoner CRYSTAL FIGHTERS mit ihrer undefinierbaren Mischung aus Electro-Trash-Alternative-Dub-Grunge. Da wird, ganz in Zirkusmanier, animalisch mit Stöcken auf Bärenfellen herumgetrommelt und auch Sänger Sebastian ist, zumindest was seine Gestik betrifft, ein richtiger Hingucker. Die Idealbesetzung für die Hauptrolle in Jesus Christ Superstar, irgendwie. Der Menge gefällt‘s sichtlich und der eine oder andere Tanzschritt, der bei Follow ausgepackt wird, ist ganz und gar erstaunlich.

Doch auch zur mittlerweile schon vorgerückten Stunde ist noch nicht Schluss in der Arena. FM4 hat sich für den Schlussact ein besonderes Schmankerl überlegt. BEAT! BEAT! BEAT! beehren die Wiener Arena um 02:20. Eva Umbauer wirkt ein bisschen aufgeregt, als sie die jungen „Newcomer“ ankündigt. Wobei – new? – naja, sie machen jedenfalls schon eine ganze Weile gemeinsam Musik, aber jung – ja – das sind sie tatsächlich. Rein geschätzt tendenziell um fünf Jahre jünger, als sie eigentlich sind, aber siehe da! Von uneingespielt kann keine Rede sein! Wie alte Hasen verstehen sich die vier aus Viersen darauf, professionell und ohne mit der Wimper zu zucken Song für Song das Publikum in Erstaunen zu versetzen. Bei We are Waves wird sogar lässig auf eine Glasflasche geklopft, als würde man tagein-tagaus nichts anderes machen. Viele bleiben tatsächlich bis zum bitteren Ende in der großen Halle und lauschen den letzten Live-Tönen des 16. Geburtstags von FM4. Und wer noch immer nicht genug hatte, der begab sich nun in die vibrierende kleine Halle um das rauschende Fest ausklingen zu lassen. Eines steht jedenfalls fest: Bestimmt wird auch der 17. Geburtstag nicht ohne Feier an uns vorüberziehen und wir sind bestimmt wieder mit von der Partie. Denn eines steht jetzt ja wohl fest: Dieser FM4 weiß einfach, wie man Partys feiert…

 

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Daniel Kubera
“Life has improved immeasurably since I have been forced to stop taking it seriously.” - Hunter S. Thompson
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