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Haudegen im Interview

Haudegen im Interview

Am 08. November spielte Haudegen im Wiener Chelsea. Wir ergriffen die Chance und baten Sven & Hagen zum Interview. Woher sie ihre Inspiration nehmen, wofür sie sich engagieren und was man sich tätowieren sollte, erfahrt ihr hier!

Was können sich die Leute von euch erwarten? Warum sollten sie zu eurem Konzert kommen?
Sven: Weil sie bei uns Wahrhaftigkeit bekommen. Das heißt, wenn sie zu uns kommen, wird ihnen nichts vorgespielt, sondern sie bekommen unser Leben auf dem silbernen Tablett serviert.
Hagen: Sie bekommen halt mehr als nur Musik. Musik ist ja nur Teil der Unterhaltung, es ist sonst sehr viel Emotion, viel Charakter von uns beiden, viel aus unserem Leben und die Titel unterstreichen das eigentlich nur doppelt, was wir da so erzählen.

Muss man bereits Fan von Haudegen sein, um euch zu verstehen?
Sven: Wir haben’s oft mitbekommen, dass Leute, die unsere Musik noch nie gehört haben und einfach mitgenommen wurden oder einfach vorbeigekommen sind, dass wir die von uns überzeugen konnten. Es ist auch schön Leute im Publikum zu haben, die uns noch nicht kennen.
Hagen: Es ist schon so, dass wir gerne mal überraschen!

Ihr spielt heute im Chelsea. Das letzte Mal in Österreich war am TDAW Festival. Was ist euch lieber – die großen Bühnen oder eher die Clubgigs?
Hagen: Beides. Wir spielen auch mal gerne in der Straßenbahn oder in der S-Bahn oder singen dem Taxifahrer etwas vor. Für uns ist die Darbietung unserer Musik völlig frei von kleinen oder großen Bühnen. Wir spielen gerne groß, wir spielen gerne klein. Die Tour, die wir jetzt spielen, ist eine Clubtour und die macht Spaß, weil halt der Kontakt zu den Menschen, die deine Musik mögen, einfach direkter ist.


„Freundschaft“

Eure Texte sind emotional, tiefsinnig und auch philosophisch. Woher nehmt ihr eure Inspiration?
Hagen: Wir haben ja eine gemeinsame Vergangenheit, wir kennen uns sehr sehr lange, seit etwa 1983. Wir waren kleine Steppkes, haben zusammen unsere Jugend und auch Teile der Kindheit verbracht. Wir haben sehr viel erlebt in unserem Leben und ziehen viel Inspiration aus unserer Vergangenheit, aber auch aus der Gegenwart. Wir kommen viel herum, und wenn wir uns jetzt da draußen hinsetzen würden und Menschen beobachten, würden wir wahrscheinlich auch inspiriert werden, auch wenn man den Menschen nicht kennt. Wenn du in der Lage bist in Blicke oder in Augen zu schauen und dir da was raus zuziehen, dann inspiriert dich das. Meistens sind’s aber autobiografische Geschichten, die wir halt erlebt haben oder die wir immer noch erleben. Teilweise ist es auch so, dass wir mal gerne von der Zukunft träumen.

Wie kommt so ein Song zustande?
Hagen: Das ist unterschiedlich. Manchmal haben wir eine Aussage, zum Beispiel haben wir vor ein paar Tagen einen Song geschrieben. Der heißt: „Ich wünsche wir von dir, dass du mich etwas mehr vermisst“. Das ist ein Satz, der eigentlich alles sagt. Auf diesen Satz bauen wir dann einen Refrain auf und dann fangen wir an in den Strophen das Gefühl zu umschreiben – und so entsteht ein Song.

Erfolg und Bekanntheitsgrad werden immer größer. Wie fühlt sich das jetzt für euch an?
Hagen: Fakt ist, dass du dich als Mensch veränderst, wenn dein Leben sich offensichtlich verändert. Wenn du aber nicht vergisst, wo du herkommst und wir wie gesagt zu zweit sind und diese lange Vergangenheit haben, können wir’s halt nicht vergessen, wo wir herkommen. Das ist auch Teil unserer Inspiration – wir können nur die sein, die wir sind, wenn wir die bleiben, die wir sind.
Sven: Erst dann macht Haudegen Sinn!
Hagen: Wir sind bodenständige Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben und genau wissen, dass es so bleiben sollte, damit Haudegen auch so bleibt, wie es ist!


„Rock’n’Roll“

Das Herz am rechten Fleck“ – Ihr engagiert euch gern für wohltätige Zwecke, deshalb habt ihr auch „Haudegen SOS (Sei ohne Sorgen)“ ins Leben gerufen. Erzählt mal, was ihr da so macht.
Hagen: Wir haben einen Titel „Ein Mann, ein Wort“, das ist unsere Lebenseinstellung. Diese Einstellung bedeutet nicht weniger als, rede nicht nur, sondern mach auch etwas oder stehe dazu, was du sagst! Wenn wir jetzt beispielsweise sagen, dass wir Veränderung wollen, dann können wir’s nicht nur sagen und nichts tun, sondern müssen auch anpacken. Da wir die Augen der Öffentlichkeit auf uns haben, haben wir die Möglichkeiten zu sagen, da können wir was verändern. Dann haben wir angefangen in Jugendclubs zu arbeiten, mit Kids zu kochen und wir machen jetzt zu Weihnachten eine Spendenaktion für Obdachlose. Wir engagieren uns halt, wenn es die Zeit erlaubt und versuchen unserer Vorbildfunktion gerecht zu werden. Wir wollen einfach machen, statt zu quatschen.

Bei jeder eurer Shows kann man sich euer Logo tätowieren lassen. Wie seid ihr auf diese außergewöhnliche Idee gekommen?
Hagen: Das war eine fixe Idee. Wir waren vor zwei Jahren auf Tour und wir beide waren die Ersten, die sich’s stechen lassen haben. Immer mehr Leute wollten es dann auch haben und irgendwann haben wir aus Jux und Tollerei einen Tätowierer mitgenommen, der ihnen dann das Haudegen Logo tätowiert hat. Mittlerweile sind es Tausende von Menschen, die unser Logo in ihrer Haut tragen, was auch nicht mal was mit der Musik zu tun hat, sondern mit der Symbolik an sich. Die Flügel für die Freiheit und das Schwert für den ewigen Kampf. Das kommt derart gut an, dass wir immer unsere Tätowiererin mit dabei haben und nächstes Jahr unseren eigenen Tattoo-Laden in Berlin aufmachen.

Was macht für euch einen perfekten Moment aus?
Sven: Abends im Bett zu liegen und glücklich zu sein. Mehr ist es nicht für mich.
Hagen: Ich bezieh’s jetzt mal auf die Tour. Jeden Abend das Privileg zu haben, in Augen schauen zu können, die genau so fühlen wie du und dann noch applaudieren. Die größte Ehre ist es, wenn dann vielleicht auch noch Tränen rollen – aus Freude oder aus Schmerz, ist eigentlich egal, aber es ist die ehrlichste Emotion, die ein Mensch zeigen kann. Das ist für mich ein perfekter Moment.


„Haudegen“

Eure letzten Worte?

[audio: http://www.enemy.at/wp-content/uploads/2011/11/Haudegenlw.mp3]
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Alexander Blach
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