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Heidenfest 2011

Heidenfest 2011

Die heidnischen Rituale sind beendet, die Piratenflaggen wieder eingezogen und die Trolle zurück in den Höhlen – Das Heidenfest hinterlässt diesmal jedoch weitaus weniger Vernichtung und Brandmale als die Jahre zuvor. Warum, erfährt ihr hier.

Wie schon öfters erwähnt, gehören zu einem erfolgreichen Konzertabend mehrere Faktoren – die zwei wichtigsten (neben genügend Alkohol und viel „besserem Geschlecht“) sind eindeutig eine Band, die voll von Enthusiasmus und Bühnenfreude ist, sowie ein gut gelauntes, motiviertes und energiegeladenes Publikum. Ersteres schien jedoch an diesem Abend deutlich zu fehlen – kaum jemals erblickten wir solch lahme „Energierückkoppelung“. Perfekte Konzerte funktionieren nach einem einfachen und zugleich praktischen und wunderschönen Prinzip. Die Band und das Publikum besitzen ein gewisses Energiepotenzial, welches sich beidseitig auslebt – die Band durch die Show, und die Motivation (selbstverständlich gehört auch das Kennen der eigenen Musikstücke dazu – Vgl. mit Trollfest bzw. Turisas) und das Publikum durch rege Teilnahme am Gezeigten (Moshpits, Headbangen, Bierbecher durch die Gegend werfen, kleine Kinder in die Kamera heben – Vgl. Borat, Anfangsszene im Dorf. So etwas erlebt man heutzutage auch in Österreich auf Konzerten! Kotzen, Singen, Grölen, Johlen, u.s.w.u.s.f.).

 

Alestorm

Alestorm

Die Band „gibt“ Energie frei und das Publikum nimmt diese Kraft auf (Geben – Nehmen) und scheint es durch seine Kraft und Macht zu vergrößern (1 + 1 = 2, kennen manche aus der Schule). Diese gesteigerte Energie wird nun als unsichtbarer Energieball, während dem Applaus und dem Abgehen, an die Band zurückgeschleudert (Geben – Nehmen, Teil II). Die Band empfängt diesen Energieball und kann ihn mit weiterer Energie versorgen (Alkohol, Performance, gute Laune, Berühmtheit der Band, Piratenkostüme, wildes Herumgefuchtel, …). Die Energie steigert sich somit, denn laut Adam Riese ergibt die Summe aus den Summanden 2 und 1 die Zahl 3. Dieser Energieball der Stufe 3 wird wieder ans Publikum zurückgeschleudert (dort wieder vergrößert – Alkohol, Abgehen, Spaß haben, „Hurra, mein größter Wunsch wird wahr, Alestorm steht auf der Bühne, usw.). Dieses ganze Spiel geht dann so weiter, bis der Energieball die Stufe 87 erreicht. Leider wäre die Arena für jegliche weiteren Vergrößerungen ungeeignet (zu wenig Alkohol, zu kleiner Platz, Gremlins am Dachboden). Das Tolle an diesem Perpetuum Mobile ist die Tatsache, dass es ein Perpetuum Mobile ist – einmal in Bewegung gebracht, könnte es unendliche Dimensionen erreichen. Dieses Experiment ist am 21.10. kläglich gescheitert. Die ganze Theorie funktioniert nicht, wenn der Summand „A“ (die Band) bzw. „B“ (das Publikum) nicht mitspielen. Jeder wahrhaftige, „true“ und sich auf’s Heidenfest freuende (fordernde) Fan wurde somit enttäuscht. Der Betrag des Summanden „A“ konvergierte praktisch stätig gegen 0. Das bedeutet eindeutig, dass das Publikum die „Arschkarte“ gezogen hatte. Egal, wie viel Energie sie bereit waren in die Bands zu pumpen – diese johlten und „posten“ (Präteritum von „posen“) nur faul und energieineffizient den ganzen Abend hindurch.

Skálmöld gab sich größte Mühe den Abend erfolgreich zu starten. Leider fehlte ihnen die Kraft und die Erfahrung der Veteranen – Bands. Sie sind jedoch eindeutig zu den Besseren des Abends zu zählen. Die Jungs aus Island präsentierten sich großherzig und mutig. Es ist bestimmt schwierig das Wiener Publikum zu begeistern. Skálmöld haben sich (jedoch eindeutig zu wenig) Mühe gegeben und haben die Leute für den nächsten (enttäuschenden) Act vorbereitet – Trollfest.

Trollfest

Die Jungs bekommen von der Redaktion offiziell den Titel der „Affenkönige des Abends“. Selten haben wir einen so grottenschlechten und peinlichen Auftritt erlebt. Anstatt ihren Comedy-Metal lustig zu präsentieren, haben sie versucht, böse wie der große Bruder Finntroll zu wirken. Die Tatsache, dass jene Idee in die Hose gehen würde, ist sogar einem eingefleischten Trollfest – Fan nach ein paar Minuten Spielzeit klar geworden. Die Musik war viel zu schrill und zu stehend, egal wie viele Musiker sie noch zusätzlich einbauen würden (7! waren es an diesem Abend – keinen hörte man wirklich heraus), jegliche musikalische Idee wurde somit den Orkus hinabgespült. Nicht einmal der sympathische, rundliche, bärtige, trollige Sänger konnte uns dann schlussendlich in seinen Bann ziehen. Ein letzter kläglicher Versuch unsere Sympathie zu gewinnen, mundete in ein trauriges Kopfschütteln. So hatte es jener wirklich gewagt eine Dose „Budweiser“ zu heben und „I Love Austrian Beer“, zu johlen. Wir kannten den Begriff „Fremdschämen“ noch nicht wirklich zuvor. Nach Trollfest allerdings zu sehr.

Arkona

Nachdem der Beginn des Abends gekonnt in die Hose ging, freuten wir uns auf etwas Exotisches. Arkona aus Russland waren da und wollten (endlich!) den heidnischen Teil des Abends offiziell einleiten. Es begann sehr atmosphärisch, Dudelsackmusik, Keybordlines, Fälle am Körper der Sängerin. So wollen wir unsere Heiden sehen. Der erste Song begann. Dann der Zweite. Irgendwann ging dieser in den Dritten über. Gähnen. Ein Blick auf die Uhr. Die ersten „Gehen wir eine Rauchen?“ – Sätze neben mir. Die Halle leert sich – der Raucherhof füllt sich. Arkona kämpft. Und verliert. Was ist schief gegangen? Erstens: Wo sind all die Schwerter, die man sonst aus den Performances kennt? Wo sind die „Slava“ – Rufe? Wo ist (verflucht nochmal) der Met? Die Hörner? Die Atmosphäre des Heidentums? Die Sängerin trommelte zwar ab und zu auf ihrer „Indianer – Trommel“. Das war’s aber auch schon. Der wichtigste Punkt: Die wirklich guten Songs, die schnellen Songs haben gefehlt. Somit gingen nach rund 40 Minuten Arkona unter eher passivem Applaus vom Schlachtfeld.

Danach erschien Alestorm auf der Bühne. „Endlich“, seufzten wir laut auf. „Der Abend ist gerettet“. Alestorm präsentierte sich gut in Form und schön langsam begann die Post abzugehen. Jetzt nahmen die Moshpits und die Circle – Pits auch Form an. Die Band präsentierte uns sowohl alte Klassiker, als auch einige Nummern des neuesten Albums „Back Through Time“. Als sie dann noch „The Sunk’n Norwegian“ spielten und mit „abgetrennten“ Körperteilen um sich warfen, ging endgültig die Post ab. Yohoho, mehr Rum, mehr Alestorm! So wollen wir Piraten – Metal serviert haben. Leider präsentierte sich die Band auch nicht wirklich publikumsfreundlich – somit wirkte einiges eher „gezwungen“ als gewollt. Auch Alestorm bekommt nicht den vollen Summanden „A“ mit dem Wert 1. Jedoch konvergierte die Band sehr stark in diese Richtung. Schade, dass Alestorm nur „kastrierte“ 45 Minuten spielen durften. Der Auftritt hätte bestimmt mehr Potenzial gehabt. Vor allem mit neuem, zusätzlichen Keyboarder an Bord. Wir erwarten uns in Zukunft mehr.

Turisas

Nun zu einem etwas schwierigen Kapitel: Turisas. Viele Anwesende schienen hauptsächlich wegen den Finnen da zu sein. Zu keinem Zeitpunkt war die Halle so voll wie im Zeitraum zwischen 22 und 23 Uhr. Leider war der Auftritt auch nicht wirklich überzeugend – obwohl der Sänger immer wieder die Nähe zum und die Bewunderung für das Wiener Publikum von sich gab (was an diesem Abend wirklich absolut in Ordnung war! Danke an alle anwesenden Fans), fehlte es der Band an Kraft und Druck. Auch die Auswahl der Songs war mittelmäßig. Wirklich Spaß machte das Ganze erst gegen Ende. Mit „Battle Metal“ rettete Turisas was zu retten war. Von der Stimmung und der Energie, die jedoch kurz davor beim Boney M. Cover „Rasputin“ aufschien, war jedoch schnell wieder nichts mehr zu spüren. Schade.

Finntroll

Der Hauptact des Abends, Finntroll schien auch nicht wirklich in Fahrt zu kommen. Statt die Fehler der Vorgänger zu korrigieren und endlich schnelle Nummern zu spielen, begannen sie mit einem langsamen Trio. Die folgenden Songs waren dann (endlich) schneller und auch dann kam die Show in Fahrt. Leider hatte sich die Halle zu diesem Zeitpunkt etwas geleert. Gut 20% der Anwesenden haben (nach Schätzung) dem Konzert schon den Rücken gekehrt. Finntroll spielte gegen Ende selbstverständlich noch einige Klassiker, wie „Trollhammaren“ oder „Jaktens Tid““(mit der Sängerin von Arkona, welche den kreativsten Teil übernahm – also nur das I-A-E-O-A-E-O-A, ansonsten fuchtelte sie nur wild durch die Gegend). Zum Highlight des Abends wird jedoch „Rivfader“ gezählt. Wir waren positiv überrascht, als uns dieses Heiligtum kurzzeitig zugänglich gemacht wurde. Wirklich schön. Eher lächerlich und zähneknirschend nahmen wir den Gastauftritt vom Trollfest – Saxophonisten hin. Den heidnischen Göttern sei Dank schien sein Mikrofon nicht zu funktionieren.

Es gibt noch einiges über den Abend zu sagen – dies würde jedoch eindeutig den gegebenen Rahmen sprengen. Kurz zusammengefasst war dieses Konzert sehr mangelhaft. Das Wiener Publikum bewies Klasse und Stil. Selten gab es auf Metal – Konzerten so wenig „Asoziale“, welche ihre Selbsthilfegruppen verließen, um Aggressionen in Moshpits abzubauen. Praktisch alle Bands enttäuschten. Das Wiener Publikum ist bessere Abende gewohnt. Für 2012 erhoffen wir uns mehr Leistung seitens der Bands! Bis dahin,

stay true,

euer Lukas

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Lukas Elzbieciak

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