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Killerpilze im Interview

Killerpilze im Interview

Früher: Teenie-Band mit Vertrag bei einer großen Plattenfirma. Heute: ernstzunehmende Punkrockband mit eigenem Label. Vor ihrem Konzert im B72 sprachen wir mit den Killerpilzen über ihr neues Album, die aktuelle Tour und die alten Zeiten.

Ihr seid schon drei Wochen auf Tour im Ausland, wie geht’s euch?
Jo: Sehr gut! Wir haben eine lange Autofahrt hinter uns, aber alles gut. Wir waren in Frankreich und haben dort gestartet, dann drei Konzerte in der Türkei und jetzt Österreich heute und morgen. Nächste Woche geht’s in Deutschland weiter, da freuen wir uns drauf. Aber heute erst Mal das B72 rocken.
Fabi: In Wien fühlen wir uns immer beheimatet.
Jo: Wir waren vor einem Jahr im gleichen Club und das war sehr cool.

Wie waren die Konzerte in der Türkei?
Mäx: Abgefahren! Das war mit dem Goethe Institut, wir haben an zwei Schulen gespielt und am Abend in einem Club. Wir waren direkt in Ankara, haben uns die Stadt angeschaut, Tee getrunken und Gewürze mitgebracht. Es war echt ein schöner Aufenthalt.
Jo: Die Leute sind auch geil abgegangen! Wir hätten uns das gar nicht gedacht, aber es war echt fett. Wir hoffen natürlich, dass wir irgendwann wieder hinfahren dürfen, wär ganz cool.

Haben die Leute eure Texte denn verstanden?
Jo: Wir haben an einer deutschen Schule gespielt, da gings so. Da war englisch die Hauptsprache trotz allem, aber ich glaub Musik verbindet. Die Schüler sind abgegangen und das war das Wichtigste.
Fabi: Die wenigstens kannten irgendwelche Songs, aber die sind ganz unvoreingenommen angekommen und am Ende war der halbe Pausenhof in Bewegung. Wir haben an einer Privatschule gespielt, alle waren mit Uniformen da und am Schluss haben die sich die Krawatten runtergerissen und in der Luft geschwenkt.


Die Shows in Frankreich waren sicher anders?
Jo: In Frankreich haben wir eine große Fanbase. Wir spielen da seit vier Jahren regelmäßig, das ist immer großer Spaß. Da lernen die Leute deutsch, können unsere Texte mitsingen. Wir wissen auch nicht wie das passiert ist, dass wir da so viele Fans haben, wahrscheinlich übers Internet. Dass dann die Konzerte so voll sind, ist halt geil! Wir genießen das sehr und freuen uns solang wir das haben.

Nicht nur, dass ihr das Ausland unsicher macht. Es hat sich die letzten beiden Jahre viel getan, zum Beispiel das eigene Plattelabel „Killerpilze Records by Südpolmusic„. Hat der Alleingang euch als Band verändert?
Jo: Auf jeden Fall! Das hat uns einen großen Schritt nach vorne gebracht! Wir sind künstlerisch viel freier und können uns den Traum verwirklichen, alles selbst unter Kontrolle zu haben, was natürlich viel Arbeit ist.
Fabi: Aber der do-it-yourself-Weg ist für das Bandgefühl auch was anderes. Wir hätten uns das damals in dem großen Hype nicht vorstellen können, dass wir mit dem PKW selber sechs Stunden hochfahren um am Abend einen Auftritt zu spielen. Aber das ist jetzt normal geworden. Das andere war ein Hype, jetzt fangen wir praktisch von vorne an und gehen den langen Weg. Uns macht es viel Spaß, dass wir uns selbst ausprobieren können. Auch mit der neuen Platte, die wir zum ersten Mal selbst produziert haben. Das ist eine Freiheit, die wir total ausnützen.

Wie war es damals für euch zu hören, dass der Vertrag beim Major-Label Universal nicht verlängert wird?
Jo: Das kam auf jeden Fall überraschend!
Mäx: Wir sind in ein Loch gefallen. Anfangs waren 50 Leute um uns herum, die alle mit uns gearbeitet haben und plötzlich, von einem Tag auf den Anderen, waren nur wir drei übrig. Da hat sich gezeigt was die Basis von dem ganzen Projekt KILLERPILZE ist, und das sind wird drei. Das hat uns super zusammengeschweißt und deswegen wissen wir; wir können das auch zu dritt stemmen
Jo: Es ist zwar mehr Arbeit, aber dafür echter: Alles was wir machen ist von uns gesteuert, keiner redet uns rein. Man merkt, dass sich da publikumsmäßig und von der öffentlichen Wahrnehmung unserer Meinung nach viel ins Positive verändert, weil wir nicht die Band sind, die vor fünf Jahren in der Bravo so gepusht wurde. Das war eben der Teenie-Hype. Für die Zeit war das auch okay, wir waren jung und haben das zu schätzen gelernt, aber wir als Band haben immer ein anderes Ziel gehabt. Wir wollen Musik für ein normales, cooles Publikum machen und bei jeder Tour wird’s normaler, das freut uns sehr. Wir machen keine Musik für kreischende kleine Mädels, sondern freuen uns wenn normale Menschen kommen und zu unserer Musik tanzen. Das ist halt ein Prozess, der mit der Zeit passiert. Wir sind trotz allem sehr jung und können immer noch weit nach vorne blicken.


Ihr habt jetzt die Bravo angesprochen. Wenn von der Seite eine Anfrage für ein Interview oder Ähnliches kommen würden, würdest ihr das noch mal machen, oder ablehnen?
Jo: Das machen wir seit drei Jahren nicht mehr.
Mäx: Es kommt schon immer mal eine Anfrage, aber wir lehnen ab. Das ist nicht mehr unsere Plattform.
Jo: Wir distanzieren uns auch davon, was damals geschrieben wurde. Das Meiste war Unsinn! Leider lesen die Leute das und glauben es stimmt, weils in der Zeitung steht. Das hat uns geschadet und leider auch viele Türen verschlossen. Wir arbeiten dran, dass das Image umgekrempelt wird, Schritt für Schritt und das ist der größte Kraftakt. Ich denke, es scheitert nicht dran, dass wir keine gute Musik machen oder Musik, die bei den Leuten nicht ankommt, sondern dass viele uns noch mit dem Image verbinden.

Wie denkt ihr heute über eure ersten beiden Alben? Macht es immer noch Spaß die alten Songs live zu spielen?
Fabi: Bei einigen Songs denken wir uns schon nach etlichen Touren; die sind ausgelutscht.
Jo: Die spielen wir dann auch nicht mehr.
Fabi: Wir spielen speziell bei der Tour nur Songs, die uns Spaß machen und auch live funktionieren. Da sind von den alten Alben noch welche dabei, aber hauptsächlich von dem Album und vom Letzten. Wobei das nicht heißt, dass wir auf die ersten nicht stolz wären.
Jo: Das war für die Zeit genau richtig.
Fabi: Es war auch gute Musik! Ist vielleicht nicht mehr die Musik, die wir jetzt schreiben würden; wär ja auch schlecht, wenn wir uns da nicht weiter entwickeln würden. Aber deswegen sind wir trotzdem stolz, und spielen den einen oder anderen Song.
Jo: Die Alben sind damals in der Öffentlichkeit ja gut angekommen, sonst hätten wir nicht knapp 200.000 verkauft. Ist jetzt nicht so dass wir sagen, wir distanzieren uns davon, aber wir haben als Band eine Entwicklung gemacht und die geht weiter. Wir merken in jedem Jahr, in dem wir zusammen Musik machen, gibt’s neue Einflüsse, man will musikalisch was Anderes machen… Es ist ganz gesund, so wie das läuft.

Euer neues Album trägt den Titel Ein bisschen Zeitgeist. Welche drei Worte beschreiben es am besten?
Mäx: Drei Worte sind ein bisschen wenig!
(überlegen)
Jo: Genreübergreifend!
Mäx: RockMusikVomFeinsten!
Fabi: Soundgeil!


Welches Lied der Platte mögt ihr am liebsten und warum?
Jo: Das ist schwierig! So ein Album ist ja immer als Ganzes angelegt. Vor allem bei dem Album haben wir Wert auf die Übergänge gelegt, und das man es als Gesamtes sieht. Klar, die Singles die ausgekoppelt werden sind immer ein bisschen Favoriten wo man denkt; die kommen bei anderen Leuten am besten an. Es gibt aber viele gute Nummern drauf. Einer meiner Lieblinge ist Albtrauma, der Punksong.
Mäx: Der geht auch live richtig gut ab!
Fabi: Mein Favorit ist Wenn Blicke treffen. Zumindest einer davon. Es sind viele Songs drauf, jeder gibt seine persönliche Farbe ins Album, aber der macht mir vor allem live Spaß.

Jo, du hast Mal einen Song auf Marcus Smallers Soloalbum mitgesungen. Warum gabs bei euch noch niemanden auf einer CD zu hören? Gibt’s keinen, mit dem ihr gern zusammen arbeiten würdet?
Jo: Klar haben wir da ein paar Leute. Bei dem Album hatten wir das auch ins Auge gefasst, aber das ging leider zeitlich nicht! Wir haben schon ein paar Aspiranten, mit denen wir gern einen Song aufnehmen würden, wenn nicht beim nächsten Album, dann eben beim Übernächsten. Wir werden auf jeden Fall mal was mit Anderen machen. Aber das müsste was sein, das eine interessante Farbe gibt. Zum Beispiel aus dem Hip Hop-Bereich oder Elektro; etwas, das ein bisschen Gegensatz hat.

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Was wollt ihr noch erreichen?
Fabi: Wir wollen noch viel, aber für dieses Jahr wollen wir die Tour überleben (lacht). Im Sommer spielen wir dann Festivals, es sind schon geile Hochkaräter bestätigt. Zum Beispiel spielen wir auf dem Open Flair mit RISE AGINST und BULLET FOR MY VALENTINE. Das ist mein persönliches Highlight!
Jo: Wie es danach weiter geht wissen wir nocht nicht. Ob wir gleich am neuen Album schreiben, uns nach drei Jahren intensiver Arbeit eine Pause gönnen oder uns ganz auflösen. Man muss ja immer die Karten neu mischen. (lacht)
Mäx: Wir würfeln dann einfach; Auflösen oder neues Album machen? (lacht)
Jo: Unser Ziel ist, noch lange Musik zu machen. Wir sind ja noch jung, wenn wir uns Bands ansehen, zu denen wir aufschauen; die sind in den 40ern. Da haben wir noch 20 Jahre, da kann sich viel tun. Wir wollen auf jeden Fall viel live spielen und uns stetig weiter entwickeln.
Mäx: Und nächstes Jahr unser Zehnjähriges feiern!
Jo: Genau! Das können nicht viele Bands behaupten, mit 19 oder 22 schon zehnjähriges Jubiläum zu feiern. Das werden wir auf jeden Fall celibrieren!

Wir finden die Jungs echt sympathisch und wünschen weiter viel Erfolg!

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