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Nova Rock – Pannonia Fields

Nova Rock – Pannonia Fields

Geruch nach Bier und Schweiß mit Sonnencreme vermischt und mit einem Hauch Dixiklo über Zelten und Caravans – wenn von allen Seiten die Boxen dröhnen, kann das nur eines bedeuten: Festivalzeit. Wir eröffneten die Saison mit dem Nova Rock.

Tag 1: Von der einzig wahren Art, technische Probleme zu lösen, Völkerwanderungen und einem nackten Mann

Ist das Zelt aufgebaut und der kürzeste Weg zu den Bühnen ausfindig gemacht – der noch immer seeehr lang sein kann – steht drei Tagen musikalischer Hingabe nichts mehr im Weg.

Wir haben das Festival heuer am Samstag Nachmittag mit den GUANO APES auf der Blue Stage gestartet. Wer klug war, hatte sich bereits zu dieser relativ frühen Stunde ein Plätzchen ganz vorne bei der Bühne reserviert und konnte so im Schatten zur Show der vier Deutschen rocken. Wer doch in der Sonne schmorte, störte sich aber auch nicht groß daran. Gleich anschließend war es nämlich am australischen Import WOLFMOTHER, die Menge anzuheizen.

Als die Sonne später langsam am Horizont verschwand, hatten IN EXTREMO ihren großen Auftritt. Wer bei ihrer letzten Show im Wiener Gasometer mit dabei war, konnte sich an diesem Abend angesichts der Setlist dezent als Hellseher beweisen. Neu waren allerdings die technischen Schwierigkeiten, die nicht lange auf sich warten ließen. Mikro aus, was tun? Ganz einfach, da nimmt man das kaputte Teil und wirft es in hohem Bogen hinter sich. Sehr gut, so gehört sich das. Für diese coole Aktion revanchierte sich das Publikum dann mit begeisterter Mithilfe beim Soundcheck mit dem neuen Mikro. Das Letzte Einhorn: Check, Hallo? – Menge: Haallooo!!!

Wer schon einmal mit der Masse von einem Act zum nächsten gepilgert ist, quer über das Areal von Stage zu Stage, weiß was mit Völkerwanderung gemeint ist. Eine solche in gigantischem Ausmaß gab es dann auch nach IN EXTREMO Richtung LINKIN PARK. Dort wurde über die neuen Songs dann ebenso kollektiv gemault wie bei den älteren mitgegrölt.

Bevor allerdings die geballte Power von LINKIN PARK Tag Nummer eins mit einem Knall zu Ende gehen ließ, haben wir noch einen Zwischenstopp eingelegt. Am Red Bull Brandwagen waren die Hamburger von MONTREAL zu Gange, die das eher kleine Grüppchen vor der Bühne bestens unterhielten: Mit frechen Lyrics, fröhlichen Riffs dem einen oder anderen Hammer Spruch und eine Special Guest, wenn man so sagen will. Ob des nackten jungen Herrn im Publikum waren die drei nämlich so begeistert, dass sie ihn kurzum auf die Bühne holten. Für den Rest des Publikums ein eher zweifelhaftes Vergnügen aber hey, nackten Mann auf Festival sehen – Check!

 

 

Tag 2: Vom perfekten Accessoire, einer Frucht, vier Katzen und einem Grande Finale

Ein guter Tag zwei beginnt mit feinem Rock aus Maryland. Wir haben bei CLUTCH vorbeigeschaut und mit den Kopf zu Blues Einflüssen und funkigen Beats gewippt. Und wer sich bei Accessoire am Köpfchen kratzt: Steht CLUTCH nicht als Tribut an die Band auf einem T-Shirt oder liebevoll auf die Haut gemalt trägt Frau das Täschchen zum Abendkleid.

Versüßt hat uns dann den Tag zuerst die Kirsche aus Kentucky, BLACK STONE CHERRY mit einer energiegeladen Show auf der Hauptbühne. Auch die vier Kitties von KATZENJAMMER konnten danach voll überzeugen. Eine Combo aus vier Frauen, die noch dazu so außergewöhnlich spielt sieht man schließlich nicht allzu oft.

Nach einer kurzen Erholungspause am Campingplatz lag abends dann bereits erwartungsvolles Knistern in der Luft. Schließlich standen für die Mainstage zwei der Highlights des Nova Rock am Programm. Ja, man soll eigentlich nicht zwei Bands in einen Topf werfen, schon gar nicht, wenn sie so verschieden wie KORN und VOLBEAT sind. Aber die beiden Granten waren so gleichauf, was ihre bombastische Show betrifft, dass wir ausnahmsweise mal ein Auge zudrücken. Schließlich will man ja nicht zweimal mit den gleichen Worten um sich werfen. KORN und VOLBEAT zerlegten also das Festivalgelände hintereinander mit spitzen Sound, Musikern in Topform und einer Setlist, die die Fan ausrasten ließ.

Tag 3: Von der großen Wanderung und der perfekten Mischung

Das Line Up von Tag drei stellte für viele heuer das Highlight schlechthin dar. Und ein kleines Ärgernis obendrauf, denn wenn zwei spitzen Bands auf einmal spielen, muss man wählen oder laufen. Auch wir konnten uns nicht entscheiden, bei welchen Acts wir unbedingt dabei sein wollen und haben uns deshalb für die Wanderung entschieden.

Noch früh am Nachmittag hatten die Oberösterreicher von KRAUTSCHÄDL die Ehre, auf der Red Stage zu eröffnen. Da war das Staunen gleich mal groß bei der Anzahl der Fans, die die drei Jungs vor die Bühne locken konnten. Und auch wenn zum Teil sicher gerade erst nach einer durchzechten Nacht erwacht, war das Publikum voll dabei. Relativ unbeeindruckt von den Dimensionen des riesigen Festivals – insgesamt 160.000 Leute, man muss die Zahl einfach nochmal nennen – zeigten KRAUTSCHÄDL wie immer das, was sie ausmacht. Authentizität auf ganzer Linie und einen bodenständigen Charme, der die Sympathiewellen nur so rauschen lässt.

Weiter ging es mit den ARCHITECTS, die mit ihrem Metal/Hardcore eine hübsche Wall Of Death sehen wollten. Kein Problem, machten die Fans gerne und was folgte war die obligatorische Wall Of Dust, Schwaden aus feinsten Staubkörnchen die alles und jeden bedeckten. Auch die Pits der darauffolgenden BRING ME THE HORIZON hatten den gleichen Effekt, aber da war dann schon alles egal. Verbringt man den letzten Tag eben in Staub gehüllt, bei dem Line UP nimmt man das gerne in Kauf. Und ein junger Mann wird diesen Tag wohl sein Leben lang nicht vergessen, denn er hatte seinen ganz großen Auftritt. Gemeinsam mit Sänger Oliver Sykes von BRING ME THE HORIZON durfte er auf der Bühne Bangen und Brüllen. Für das nächste mal sollte er allerdings noch ein bisschen an seinen Rhythmus feilen und den Text vielleicht noch ein oder zwei Mal durchgehen.

Und dann IN FLAMES. Was soll man sagen, das war wohl nichts. Ersten Unmut erregte schon einmal die lange Verzögerung zu Beginn. Die wurde durch die technischen Schwierigkeiten danach zwar schnell erklärt, allerdings keinesfalls verbessert. Wenn bei den ersten drei Songs so absolut kein Sound rüber kommt, hilft es den Fans wenig, dass Spaßbär Anders Fidén von seinem super In-Ear Mikrosound schwärmt. Irgendwann ging es dann aber doch richtig los, die Fans waren gnädig und nur wenige verließen die Stage. Das nette „Thank you, thank you, thank you, thank you,…“ mit Fingerzeigern auf die Fans stimmte dann letztendlich wieder versöhnlich. Trotzdem sollte da beim nächsten Mal wieder mehr drinnen sein.

Der nächste Weg führte in das Zelt der Abschalten-Jetzt-Stage. Leider generell etwas stiefmütterlich behandelt, war das Publikumsaufgebot dort auch bei ROOGA nicht wirklich groß. Die störten sich aber gar nicht erst daran und so wie wir es mittlerweile von ihnen gewohnt sind, war ihr Show wieder sehr überzeugend. Die Leute, die da waren, teilten unsere Meinung bis auf den Letzten und kaum einer konnte sich vor dem Ende losreißen.

Zum Verschnaufen kam dann ALTER BRIDGE gerade recht. Die solistischen Feinheiten und kräftigen Riffs, die die flimmernde Luft zerschneiden, konnte man nämlich auch gemütlich hinten sitztend genießen. Und „Yeah!“ auf „Does anybody here love fucking Heavy Metal?“ kann man sowieso von überall brüllen.

Wer den Montag als Abreisetag eingeplant hatte und so – hoffentlich – nichts mehr getrunken hat, konnte sich seinen Rausch ganz einfach wo anders holen. Die Rede ist hier natürlich vom Auftritt von PENDULUM. Kaum erschallte der erste Takt, schoss pures Adrenalin in die Körper aller Anwesenden. Bis in die hinterste Reihen konnte kaum einer still stehen, ein wildes Zucken ging durch die Meute zur elektrisierenden Lichtshow, leicht gedämpft vom aufgewirbelten Staub. Der bildete eine feine Atmosphäre, um die ganz eigene Welt vor der Red Stage, die sich von den Beats von PENDULUM nur allzu gerne erschüttern ließ.

Erschütternd war es dann auch zurück bei der Blue Stage mit IRON MAIDEN und das auf die beste aller möglichen Weisen. Die Band weiß einfach noch immer, wie es geht und zerrockte vor Müllhaldenkulisse und teils kitschigem Sternenzelt Hintergrund alles und jeden, der sich vor ihren Mics befand.

Mit dröhnenden Ohren fand man sich dann zu guter Letzt noch einmal auf der Red Stage ein, um sich ganz Mike Ness und seinen vom Leben erzählenden Lyrics hinzugeben. Zwei Soul Beauties sorgten dann als Backgroundsängerinnen noch für die richtige Portion wohliger Gänsehaut bevor bei Ring of Fire wieder Ausnahmezustand angesagt war.

Als dann das Feuerwerk über den Köpfen der Besucher leuchtete, war schön langsam spürbar, dass sich das Nova Rock dem Ende und gleichzeitig seinem Höhepunkt zuneigte. Wer bisher vielleicht einmal einen leichten Anflug von Jammern auf Grund der Menschenmassen verspürt hat, musste ihn bei SYSTEM OF A DOWN revidieren, denn da war wirklich was los. Der gut gemeinte Versuch, die Leute auf ein extra geöffnetes Feld auf der rechten Seite der Bühne zu lotsen, um für alle Platz zu haben, wurde gekonnt ignoriert. Wer sich erst mal sein Plätzchen erkämpft hatte, wollte es auf keinen Fall mehr hergeben. Warum SYSTEM OF A DOWN bei dem erwartbaren Andrang nicht die Blue Stage bekommen hat, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben. Fest steht auf jeden Fall, dass sie ein würdiges Finale ablieferten, das bis zu den Dächern der Caravans von jedermann verfolgt wurde.

Die perfekte Mischung muss ich jetzt nicht mehr extra erklären, oder? – Nova Rock, wir sehen uns wieder!

Wie gefiel euch das Novarock 2011?

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Alle Fotos zum Novarock 2011 findet ihr hier…

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