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Slipknot im Interview

Slipknot im Interview

Zehn Jahre nach dem legendären “Iowa” Album ist Slipknot älter, geläutert und hat jede Menge Geschichten zu erzählen. Grund genug, mit Shawn “Clown” Crahan über “Iowa”s Re-Relase, Erinnerungen und die Zukunft von Slipknot zu sprechen.

Mit einiger Verspätung geht Mister Crahan persönlich drüben in New York ans Telefon. Kein Grund, verärgert zu ein, vor allem bei dieser sympathischen Entschuldigung gleich zu Beginn:
Es tut mir leid! Ich habe gerade mein erstes Interview heute gegeben und das startete ein bisschen zu spät. Das Interview hat die letzten dreißig Minuten gedauert, deshalb konnte ich leider nicht früher abheben. Aber besser spät als nie, es tut mir leid… jetzt bin ich bereit!

Zuallererst: Glückwunsch zum 10-Jahres-Jubiläum von “Iowa”. Am 28. Oktober wird es re-released. Ist es für dich als Musiker ähnlich aufregend, wie ein völlig neues Album herauszubringen oder fühlst du dich eher relaxed?
Diese Re-Releases sind ziemlich seltsam weil du gezwungen bist, in die Vergangenheit zu schauen. Auf viele verschiedenen Levels bin ich sehr glücklich mit dem Album. Ich durfte das ganze Artwork dabei machen. Und ich wollte richtig gefährliches Zeug machen. Dass, wenn du es in die Hand nimmst, die Leute denken “Wow, das ist von Shawn”.
Ich bin sehr aufgeregt, weil das ganze Album remastered wurde, denn das bringt ganz neue Töne drauf, auch durch neue Technologie, die Jahre früher so noch nicht erhältlich war. Es können gewisse Töne zum Vorschein gebracht werden für ein besseres Hörerlebnis.
Und ich finde es großartig, dass wir die Audiospur von “Disasterpieces” ebenfalls herausbringen. Das Video gibt es ja schon, wie ihr wisst, aber wir haben viel Zeit mit der Tonspur verbracht, sie ist unglaublich geworden. Sie folgt nicht dem typischen Weg, aber sie ist richtig gut, wirklich wert, sie zu haben.
Zugleich ist das Ganze aber auch ein Wieder-Aufwärmen. Du schaust zurück und es war eine so harte Zeit, eine böse Zeit im Leben und es ist richtig hart, dass all diese Erinnerungen wieder hochkommen. Ich liebe diese damalige Periode [rund um 2001 und “Iowa”, Anm. d. Red.], sie war die schwerste, die wir je hatten, der dunkelste Ort, an dem wir alle je waren. Ich würde nichts daran ändern, aber ich würde auch nie wieder dahin zurückkehren.

Der zweite Release von “Iowa” geht nun Hand in Hand mit einem ganzen Haufen Specials. Auf CD 1 findet sich zum Beispiel ein Remix von “My Plague”. Hat der Song eine spezielle Bedeutung, weil er auf das Album kam?
Hm, nein, um ehrlich zu sein, wusste ich das nicht einmal. Ich denke, dass „My Plague“ für einen Filmsoundtrack verwendet wurde, „Resident Evil“ glaube ich. Man wird den Song wahrscheinlich für diesen Film gemixt haben und auf das Album gepackt haben, weil er gut in den Kontext passt.
Wisst ihr, alle Songs haben eine besondere Bedeutung für eine Band. Dass „My Plague“ auf dem Album ist, war mir gar nicht klar, aber mein erster Instinkt würde sagen, dass es was mit dem Film zu tun hat.

Die Livetracks der „Disasterpieces“ DVD hast du ja schon erwähnt. Erinnerst du dich noch an das Konzert in London 2002, als das Ganze aufgenommen wurde?

Aber sicher, ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen weil ich sehr sehr sehr sehr involviert war. Ich war Co-Regisseur der DVD. Ich habe wirklich viel Zeit damit verbracht, habe auch beim Editing mitgemacht. Dafür bin ich extra nach London geflogen, weil beim ersten Edit Ton und Bild nicht richtig zusammenpassten. Es war richtig schwer, uns alle neun zu zeigen und gleichzeitig auch auf die Musik zu achten.
Der Film hat mich sehr gefordert: Wie viele Kameras sollen wir nehmen, so sollen sie sein und all diese Sachen. Was ich daran mag ist, dass, wenn du so etwas Großes machst, die Erwartungen immer sehr hoch sind. Und bei der Durchführung machst du dann vielleicht Dinge, die gar nicht notwendig gewesen wären, so im Sinne von Überperfektionismus. Ich weiß noch genau, wie es war, dort zu sein, wie verschiedene Dinge schief gingen und so weiter. Heute, so viele Jahre später, schaust du zurück und denkst: Das war ein großer Tag in unserer Karriere.

Das dritte große Special beim Re-Release ist der einstündige Film „Goat“, bei dem du Regie geführt hast. Was dürfen wir denn von dem Film erwarten?
Ich habe immer sehr mit der Band gekämpft um sicher zu gehen, dass jemand dahinter ist, dass alles dokumentiert wird. Und wogegen ich am meisten kämpfen musste, war Folgendes: Die Leute wollten nicht gefilmt werden, die wollten keine Kamera ins Gesicht gehalten bekommen. Es war schwer sie zu überzeugen. „Hey, wir brauchen jemanden, der uns hilft, das alles zu filmen, weil eines Tages werden wir es lieben.“
Heute hatte ich dann 175 Tapes von acht Monaten [ebenfalls um 2001 herum, Anm. der Red.] zur Verfügung. Es ist Material von hinter den Kulissen, Backstage-Material…. Ziemlich interessant daran ist, dass ich mich selbst auf den Videos sah mich absolut nicht erinnern konnte, wer da zu sehen ist. (lacht) Ich bin natürlich viel jünger auf den Aufnahmen, aber ich schaue mich an, die Art und Weise, wie ich mich verhalte und habe keinen Plan, wer die Person da ist. Das erzeugt ein ungemütliches Gefühl, weil so eine bestimmte Energie rund um mich ich, die gruselig ist.
Der ganze Film spielt also hinter Kulissen und wir haben noch ein Interviews von allen dazugegeben, bei denen sie heute über die Zeit damals sprechen.

Die damalige Zeit scheint ja echt heftig gewesen zu sein. Wenn du zurück denkst: Hat es auch Spaß gemacht?
(lange Pause) Ahm, so krank das vielleicht klingen mag: Ja, es hat auch Spaß gemacht. Ich meine, wir waren irgendwie alle gegeneinander, wir hatten eine harte Zeit als Band. Aber da war ein bisschen Spaß daran, schlecht zu sein, denke ich. (lact). Wie ich vorher schon sagte: Ich bin froh, dass ich das alles getan habe, froh, dass es Teil unserer Karriere ist. Ich würde nichts ändern, aber ich würde es auch nie wieder tun. Ja es war böse und dunkel und zornig aber ich denke, genau so zu sein, hat auch ein bisschen Spaß gemacht.

Okay, von der Vergangenheit jetzt weg Richtung Zukunft: Was können Slipknot Fans in nächster Zeit erwarten?
Nun ja, das ist für alle die Frage des Tages. Was ich sagen kann, ist, dass wir ganz offensichtlich eine schwere Zeit durchgemacht haben, indem wir einen wirklich guten Freund verloren. Und Paul war nicht nur ein guter Freund, er war auch ein unglaublich wichtiges Mitglied von Slipknot und ein echt gerissener Kerl. Wir nehmen uns jetzt erst einmal die Zeit, die wir brauchen, bis der Staub sich ein bisschen gelegt hat. Für mich persönlich hat die Phase der Trauer zum jetzigen Punkt schon sehr lange angedauert und ich versuche nun, meinen Frieden damit zu finden.
Im Sommer haben wir bereits wieder eine Tour gespielt und es werden weitere Shows im Februar kommen. Dann, nach einiger Zeit, werden wir vielleicht wieder bereit sein für mehr. Und das nächste Album wird ein Meisterstück, ein richtiges Meisterstück. (lacht) Es wird vollkommen anders sein, ein bisschen so, wie ich damals vollkommen anders war. Und es wird magisch werden, eine Menge Essenz wird drinnen stecken, die Gründe dafür sind offensichtlich.
Wir brauchen also Zeit für uns. Aber wir sind auf jeden Fall noch eine Band und werden weiterhin auftreten. Dafür muss nur jeder von uns absolut so weit sein.

Vielen Dank für deine Zeit, wir wünschen euch alles Gute und die letzten Worte, gehören dir:
Ebenfalls vielen Dank. Bitte sorgt dafür, dass unsere Fans erfahren, dass wir sie lieben. Wir werden zurückkommen! Und wir denken die ganze Zeit an alle unsere Fans auf der ganzen Welt und wissen die großartige Unterstützung zu schätzen.

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