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Thees Uhlmann – Thees Uhlmann

Thees Uhlmann – Thees Uhlmann

Heute erscheint die mit Spannung erwartete erste, selbstbetitelte Soloplatte von Thees Uhlmann. Wir haben die LP vorab durchgehört, uns ein Bild gemacht und sie in ihre Bestandteile zerlegt. Lest hier, was wir dazu zu sagen haben.

Ja, hier ist von  Thees Uhlmann die Rede, den man bis jetzt, wenn überhaupt, nur als Kopf und Sänger von Tomte kannte. Jetzt schreitet er also auf Solopfaden dahin. „Soloplatte“ – das klingt immer ein wenig nach Selbstfindung, Midlife-Crisis und traurigem Abschied vom Rest. Doch Thees versichert: „Das Ende von Tomte? Auf keinen Fall!“. Und von einer Krise kann, bei seiner Sicht auf die Dinge, sowieso keine Rede sein (lest hierzu unser Interview mit ihm).
Soviel sei allerdings schon jetzt verraten: Wer das sucht, was Tomte mit ausmacht – unterschwellige Melancholie oder elaborierte Gitarrenparts – wird hier nicht fündig werden. Thees Uhlmann hat das Klavier für sich entdeckt, und das ist deutlich zu hören. Es gibt gewissermaßen den Takt vor. Thematisch reiht sich Fröhlichkeit an Zuversichtlichkeit; Euphorie an Optimismus. Und die Welt umarmen. Das alles ist verpackt in eine musikalisch einfach gestrickte Hülle, doch diese Simplizität versteckt sich nicht. Nein, eher reißt sie sich die Kleider vom Leib und schreit laut: „Ich bin der König der Welt! Und zwar elf Titel lang!

Den Auftakt macht „Zum Laichen und Sterben ziehn die Lachse den Fluss hinauf“, zugleich die erste Singleauskopplung. Als Ouvertüre umreißt der Song bereits die immer wiederkehrenden Muster des Albums: fröhlich dahinhopsender Klavierloop, Schlagzeug geradeaus im 4/4 Takt, Backgroundvocals, ein bisschen Gitarren-schramm-schramm. Aber es funktioniert, Fersen wippen, Köpfe nicken und die Melodie bleibt im Gedächtnis.
Als eines der großen Gustostücke entpuppt sich „Und Jay-Z singt uns ein Lied“. Hinter süß geträllertem uuuh und oooh versteckt sich zwischen dem zweiten und dritten Refrain das wohl dichteste Stück Text, das uns auf dieser Platte begegnen wird. Und das stammt von niemand geringerem als Casper, dem es hier nicht nur gelingt, dem Song die nötige Schärfe zu verleihen, sondern mit wenigen Sätzen das gesamte Album auf den Punkt zu bringen.

„Siebzehn Worte“ balanciert textlich gesehen nah am Rand des WTF. „Bring mir die Söhne von einhundert Nutten, bring mir die Fiebrigen und die Kaputten“ Was uns Thees damit sagen will, muss wohl in persönlicher Interpretation geklärt werden.
Bei „Römer am Ende Roms“ zieht Thees noch einmal alle Register des Optimismus, und wer bei „Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)“ nicht seine sieben Sachen packen und mit einer Mundharmonika bewaffnet durch duftende Blumenwiesen springen will; dem sollte spätestens bei „Die Toten auf dem Rücksitz der Knopf aufgehen. Die Botschaft lautet Aufwachen, aufstehen, rausgehen! oder, in Thees‘ Worten: „Die Sonne scheint, und das schon seit Stunden – Schuhe an, es gibt eine Welt zu erkunden“.
Aus dem sonst durchgängigen Muster fallen nur zwei Tracks heraus. Bei „Sommer in der Stadt“ erleben wir Thees gesanglich abseits der ausgetretenen Pfade in ungeahnten Tiefen. Leider wirkt „Paris im Herbst“ mit seinen Trompeten, Streichern und der Ziehharmonika selbst als ausgesprochene Pathos-Hymne noch zu überladen. Schade, denn zeitweise droht hier der ausgedehnte Instrumental-Overkill hörenswerte Textpassagen zu ersticken.
Dafür findet sich unerwartet ganz am Ende der Platte ein Ohrenschmaus mit Lieblingslied-Potential. Bei „Vom Delta bis zur Quelle“ werden die Gitarren fast nach alter Tomte-Manier bespielt; statt Klavier gibts hier Rückkopplung tiefen Bass, und man ist wieder versöhnt.

Zugegeben, musikalisch gesehen bietet Thees Uhlmann keine besonders spannenden Überraschungen. Bei aller instrumentalischer Vielfalt bleibt das Album doch einfach gestrickt und ein Stück weit vorhersehbar. Dennoch: Auch beim 25. mal Durchhören verbreitet das Album statt Langeweile nur gute Laune. Einfach bedeutet eben nicht zwangsläufig schlecht, und Ohrwürmer verstecken sich hier hinter jeder Ecke.
Thees macht eben das, was er am Besten kann: Texte über sich selbst und seine Welt schreiben, die von Herzen kommen. Daher verzeiht man ihm auch die ab und zu durchblitzende, nackte Banalität in den Zeilen, und freut sich um so mehr über Textpassagen, die durch ausgefuchste Genialität überraschen.
Thees Uhlmann ist ein Album für „hohe Himmel in tiefem Blau“. Noch ist Sommer. Also holt euch die Platte und lasst euch von Thees dazu verdonnern, ihn zu genießen.

 

 

In aller Kürze

Thees Uhlmann
„Thees Uhlmann“
VÖ – 26.08.2011

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