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Broken Ego im Interview

Broken Ego im Interview

Gerade erst gegründet, schon steht uns Frontman Chris von Broken Ego Rede und Antwort zu seinem Bandprojekt. Geprägt ist seine Initiative von starken Werten, klaren Wünschen und vor allem eiserner Entschlossenheit.


Zuerst mal zum Namen BROKEN EGO. Was hat es denn damit auf sich?

Da diese Band noch am Anfang steht, werde ich diese Frage ausführlicher beantworten. BROKEN EGO ist eine vielschichtige Konzeptband. Ich hatte verschiedene Ideen, bis ich genau zu diesem Namen und genau zu diesem Konzept gekommen bin. Zuerst sollte das Projekt „Alter Ego“ heißen, aber da es schon einige Künstler mit diesem Namen gibt und ich auch nicht so sehr zufrieden damit war, suchte ich nach einem anderen Namen. Durch die letztendliche Konzeptänderung kam es zu BROKEN EGO.
Für mich steht BROKEN EGO für die Möglichkeit, seine Persönlichkeit zu ändern. Das heißt nicht, dass man eine andere Person wird, sondern dass man sich selbst besser kennenlernt und Anteile findet, die schon immer da waren, aber nicht an die Oberfläche gekommen sind. Manchmal braucht es dazu ein schwerwiegendes Erlebnis, um sich ändern zu müssen. Menschen sind nun mal Gewohnheitstiere und nehmen wunderbare Dinge schnell als selbstverständlich hin. Und einfach so denkt man sich nicht: “Ab sofort lebe ich jeden Tag so intensiv, als wäre es mein letzter!“.
BROKEN EGO bedeutet, dass das Ego veränderbar ist und man doch innerlich eine Konstante bleibt. „Broken“ beschreibt eine Sollbruchstelle, die uns einen Zugriff in unser Inneres erlaubt.
Ich will darauf aufmerksam machen, dass man nicht immer so bleiben muss, wie man ist. Das wäre ja auch Stillstand. Leben bedeutet für mich Veränderung. Wenn man weiterkommen will, muss man in Bewegung bleiben und sich auf neue Situationen umstellen. Oft ist man sich selber im Weg, weil man negativ denkt. Das ist ja totaler Blödsinn, weil man so nicht weiter kommt und sich neue Erfahrungen verbaut.
Und ja, auch ich musste einige schmerzhafte Erfahrungen machen, um mich zu ändern. Ich musste wohl auf die Schnauze fallen, sonst hätte ich mich nicht weiterentwickelt.

Chris, dein Bandprojekt hast du ja allein gestartet und dann Musiker gesucht. Worauf hast du bei der Auswahl besonders geachtet.
Ja, ich habe die Musik von BROKEN EGO lange Zeit nur für mich gemacht. Aber nach ein paar Soloauftritten dachte ich mir, wie es sich wohl mit einer ganzen Band anhören würde. In Graz waren leider keine Leute zu finden, also bin ich nach Wien gezogen, weil hier angeblich mehr Musiker sind. Hier sind auch mehr, aber nicht wesentlich mehr, die sich für meinen Electronic Rock interessieren. Ich habe in Proberäumen Zettel aufgehängt und Postings ins Internet gestellt. Immer mit dem Verweis, welche Bands meine Einflüsse sind und dass ich Leute suche, die sich für mein Projekt engagieren wollen. Ich will eine ambitionierte Band und keine Hobbyband. Die Band soll die Musik live so umsetzen, wie sie am Album klingt. Das sind schon zwei Punkte, bei denen sich die Spreu vom Weizen trennt. Was soll ich mit einem Schlagzeuger, der die Time nicht halten kann oder einem unzuverlässigen Bassisten, der ständig die Lieder verwechselt und falsch spielt? Ich habe mich auf mein Bauchgefühl verlassen, wer in die Band passt. Zurzeit bin ich sehr glücklich mit Claus an der Gitarre.


Was nimmst du jetzt gerade, in den Anfängen deiner Band, als größte Schwierigkeit wahr?

Ich würde sagen, die größte Schwierigkeit ist, dass es noch keine fixen Bandmitglieder gibt und wir dadurch auch kein Booking machen können. Aber ich nutze die Zeit, um meine EP fertig zu machen und an den Songs zu feilen. Dazu kommt noch, dass ich finde, Wien ist nicht der ideale Standort für meine Musik. Es gibt hier eine viel zu kleine Electronic Rock oder Industrial Szene.

Reden wir mal über Werte: Welche vertrittst du persönlich? Was ist dir wichtig?
Ich bin sozial engagiert. Ich habe in der Wohnbetreuung gearbeitet und finde es wichtig, anderen zu helfen, wenn man kann. In Wien werde ich oft um Geld angeschnorrt. Es tut nicht weh, jemandem Kleingeld zu geben. Aber wenn ich das Gefühl habe, ich werde nur abgezockt, dann gebe ich nichts, weil ich der Person damit nicht helfe. Viel mehr gebe ich lieber Essbares an Obdachlose, oder empfehle Sozialeinrichtungen an Bedürftige. Denn in Städten wie Graz oder Wien muss niemand auf der Straße leben und betteln. Es gibt genug Essensausgaben und Unterkünfte. Apropos Essen: ich lebe seit vier Jahren vorwiegend vegan und vertrete die vegane Lebensweise. Ich mache das nicht nur aus Tierschutz und meines Karmas wegen, sondern auch, weil wir als Konsumenten eine von uns unterschätzte Macht auf den Markt haben. Wir haben auch eine Verantwortung, die wir ergreifen sollten. Würden wir aufhören, Fleisch zu essen und nur Bio-Lebensmittel einkaufen, könnten wir gegen sämtliche Missstände, die Mensch und Tier betreffen, ankämpfen. Wir sind oft zu sehr mit unseren eigenen Kleinigkeiten beschäftigt, als das wir uns zusammenschließen würden und die Probleme gemeinsam angehen würden. Veränderung beginnt in einem Selbst.
Eine andere Sache, für die ich mich einsetze, ist die Krankheit AIDS. Es gibt jedes Jahr im Vergleich zum Vorjahr mehr Infizierungen-auch in Österreich. Aufklärung und Safer Sex sind ganz wichtig. Ich bin auf Gesprächssuche mit der AIDS-Hilfe und Ärzte ohne Grenzen, um gemeinsam etwas zu organisieren, denn ich möchte etwas zur Bewusstwerdung beitragen.

Hat diese Einstellung/diese Werte Einfluss auf die Musik von BROKEN EGO, auf die Texte zum Beispiel?
Hm, ja, natürlich. Es ist ja alles ein Teil von mir! Aber ich singe nicht explizit darüber. In den Texten geht es um etwas anderes. Vielmehr möchte ich mehr als nur Musik verbreiten. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass jeder bei sich und in seinem Umfeld sehr viel bewegen kann.

Als neue, junge Band seid ihr ja nicht ganz allein. Warum sollten die Leute gerade BROKEN EGO hören.
Nein, es gibt schon seit längerem eine Flut an neuen Bands. Aber in Österreich sind wir mit Electronic-Industrial-Rock eine der wenigen Acts. Das könnte unser Vorteil sein, andererseits gibt es aber nicht so große Nachfrage nach dieser Musik. Hier gelten wir als exotisch und vielleicht bizarr. Außerhalb hätten wir mehr Chancen. Ich möchte ohnehin ins Ausland, sobald es sich ergibt. Die Leute, die uns hören wollen, werden uns finden. Ich weiß für mich, dass ich authentische Musik mache und bin davon überzeugt, dass die Leute das raushören. Ich bin der Meinung, dass sich authentische Musik länger hält, weil sie nicht den Anspruch nach einem Trend hat, sondern eine spezielle Hörerschaft anspricht. Wer bei BROKEN EGO genau hinhört, wird die Musik verstehen und in diese Welt eintauchen können.

Im Juni kommt deine erste EP heraus. Erzähl uns doch ein bisschen was darüber.
Die Arbeiten für die EP Love And Decay In 16 Bit laufen auf Hochtouren. Ich habe vor kurzem noch einen Song dafür aufgenommen, bin aber nicht zufrieden damit. Jetzt arbeite ich an einem Remix. Das verschiebt jetzt den Zeitplan. Und dann drängt noch das Mastering und die CD-Pressung. Nebenbei erstelle ich das Artwork für die CD. Dass ich noch die Band caste und mich ums Marketing kümmere, muss sich auch noch ausgehen. Aber ich kann es nicht erwarten, die fertige EP endlich präsentieren zu können. Sie wird fünf Songs beinhalten, die BROKEN EGO am besten beschreiben. Die EP wird übers Internet und in Shops in Wien und Graz vertrieben, sowie von uns bei Konzerten verkauft.

Wenn du dir einen Profi aus dem Musikbusiness aussuchen könntest, der dir zur Seite steht, wer wäre es: Manager, Booker, Produzent, ganz wer anderer?
Also derzeit denke ich an einen Produzenten: Butch Vig. Er hat eine verständnisvolle Art für sensible Künstler und hat auch ein sehr gutes Ohr für eingängige Songs. Mit Nirvana hat er tolle Arbeit gemacht, auch wenn sie nicht zu meinen Vorbildern zählen. Alan Moulder, Flood oder Andy Wallace wären sicher tolle Techniker, da sie einen speziellen Sound für jeden meiner Vorbilder gefunden haben. Auch für BROKEN EGO suche ich einen unverwechselbaren Sound. Sonst gäbe es ein paar Musiker, mit denen ich zusammen arbeiten möchte: Eric Powell von 16 VOLT, oder Chris Corner von IAMX. Trent Reznor von NIN ist natürlich mein Fave, aber dieser hat ja nur Zeit für seine Dinge.

Hast du bestimmte Zielsetzungen, die du mit deiner Band – sagen wir mal in den nächsten drei Jahren – erreichen willst?
Ich möchte touren, viel live spielen, umwerfende und einzigartige Songs machen, eine ganze CD einspielen und eine Nische in der Szene erspielen. Es gibt Material für zwei weitere CD’s, die ich jährlich rausbringen werde. Ich werde der Band ein Image verschaffen, das BROKEN EGO ein intensiver und unvergesslicher Live-Act ist und die Leute zu einer bewussten Lebenshaltung inspiriert. Moment, war die Frage „Wünsche“ oder „Ziele“?

Der Sommer steht ja schon voll in den Startlöchern. Was hast du heuer vor? Urlaub am Meer oder proben, proben, proben?
Bandmäßig gibt es viel zu tun. Nicht nur für Broken EGO. Ich spiele auch in drei anderen Bands und habe noch ein Soloprojekt, das zurzeit auf Eis gelegt ist, aber bald wieder aktiviert wird. In BROKEN EGO werde ich sicher die meiste Energie stecken. Ich möchte noch ein paar Songs umkomponieren, weil ich das Potential der Lieder ausschöpfen möchte. Aus Urlaub wird da nichts, das würde nur Zeit kosten. Aber gegen Proben am Meer hätte ich nichts!

Hast du noch eine abschließende Message an eure (zukünftigen) Fans?
Lebt Euer Leben, als wäre jeden Tag Euer letzter! Geht offen aufeinander zu und vereint Euch! Werdet Euch bewusst, dass Ihr mit Gedanken Eure Stimmung und Eure Situation jederzeit stark verändern könnt. Durch bewussten Einkauf und Ernährung haben wir die Macht, den Markt mitzugestalten und diesen Planeten vor Raubbau zu schützen. Wenn Ihr die Philosophie von uns teilt, dann unterstützt uns mit dem Kauf von unserer Musik und geht auf unsere Konzerte! Wir sehen uns dort!!! Chris Ego

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