No Head On My Shoulders – MMXX

Aylin Izci 26. September 2011 0

Wir haben das zweite Album von No Head On My Shoulders angehört und können hier bereits verraten: Sowas habt ihr noch nie gehört. Und gesehen auch nicht. Garantiert! Warum? Findets raus!

„Einzigartig.“ „Individuell.“ So könnte man No Head On My Shoulders mit einem Wort beschreiben. Nicht nur, dass die Band aus neun Musikern besteht. Sie haben neben der üblichen Gitarre und dem Schlagzeug auch diverse Blasinstrumente und Latin Percussions am Start.
Ihr zweites Album trägt den Namen „MMXX“. Ein Konzeptalbum, das ein düsteres Bild von Wien im Jahr 2020 (MMXX!) zeichnet. Jedes Lied ist eine Kurzgeschichte aus dem Leben einer der verschiedenen Personen, die Kerngeschichte ergibt sich aus der Gesamtheit der Songs. Doch bevor ich näher auf die Musik eingehe, komm ich nicht drum herum etwas über das Gesamtpaket zu erzählen.

Denn auf diese Platte wurde mehr als nur ein Gedanke verwendet. Sowohl musikalisch, als auch optisch. Wer sein Geld investiert, bekommt nicht nur eine CD mit einem Booklet. Das hat sich die Band komplett gespart und schickt stattdessen ein 50seitiges Comicbuch auf den Weg. Darin enthalten sind neben der Songtexte dazu passende Comics. Gestaltet von neun verschiedenen Comiczeichnern aus Österreich. No Head On My Shoulders wollten ihren Songs eine zusätzliche Dimension geben, was ihnen gelungen ist.

Doch nicht nur für die Hülle holte sich die Band Unterstützung: ihre eigenen neun Leute waren für den Longplayer nicht genug. Es wurden noch zehn Gastmusiker ins Boot geholt. Gebraucht wurden die für ziemlich alles: von weiteren Blas- und Streichinstrumenten, über zusätzliche Gitarren und Female Vocals. Insgesamt waren also 19 Musiker am Werk, um die Platte so klingen zu lassen, wie sie ist: aufregend, anders. Jeder Song ist wie ein kleines Theater. Für manche Ohren vielleicht jedoch etwas zu hektisch.

No Head On My Shoulders auf ein Genre festzunageln ist nicht nur schwierig, sondern unmöglich. Die Stilrichtungen wechseln nicht nur von Song zu Song, sondern fast von Minute zu Minute. Man springt zwischen Big Band, Ska, 80er Jahre-Elektropop, Salsa, Techno und Blues (um nur einige zu nennen). Gesanglich geht’s von A wie AC/DC über, E wie EAV, zu V wie „verdammt hoch“. Ein bisschen Reggea-Rap à la Skindred ist auch dabei. Und noch einiges mehr, die Liste wäre wohl einige Meter lang.

Stirnrunzeln beim ersten Mal durchhören ist also vorprogrammiert. Wer an dem Stilmix gefallen findet, wird es lieben. Auch nach dem hundertsten Play drücken wird man neues entdecken können! Sich daran satt hören ist schlicht unmöglich, dazu klingt jedes Lied zu unterschiedlich. Ein Album für die Ewigkeit also.
Wer nach dem ersten Hören nicht begeistert ist, wird es wahrscheinlich nicht mehr werden. „MMXX“ lässt einem wenig Zeit zum durchatmen. Höchstens die Fade Outs am Ende eines jeden Songs geben einem die Gelegenheit sich zu entspannen. Sie bereiten stilistisch auf den folgenden Song vor. Das der schon angefangen hat fällt teilweise nicht Mal auf, so unhörbar sind die Übergänge. Im Comic werden diese Pausen übrigens zum Fortführen der Geschichte genutzt.

Doch so sehr dieser Abwechslungsreichtum einen auch freut; die aufwändige musikalische Untermalung hindert eher daran, die durchaus wichtigen und ernsten Texte zu verstehen. Zumal der Gesang stellenweise durch die Identifikation mit den Figuren von Hause aus schwer zu verstehen ist. 

Obwohl musikalisch gesehen eigentlich für Jeden etwas auf „MMXX“ dabei ist, werden No Head On My Shoulders wohl keine Mainstream-Band und bleiben eher etwas für Kenner. Ob ihre Musik einem gefällt oder nicht; man muss jedoch anerkennen, was für hervorragende Musiker hinter der Band stecken. Was anfangs wie bunt zusammengewürfelt klingt, stellt sich schnell als gut durchdacht dar. Egal wie viele unterschiedliche und gegensätzliche Genres in ihren Songs verpackt werden. Die Übergänge sind so fein und gut gespielt, dass man denken mag, es passt zusammen. Obwohl das normalerweise ganz und gar nicht so ist.

Für nächstes Jahr hat die Band schon eine Bühnenversion von „MMXX“ angekündigt, es wird bereits fieberhaft dran gearbeitet. Kostüme, Video/Visuals und Schauspieler sollen enthalten sein. Und auch das Publikum soll nicht nur zuschauen, sondern mitmachen. Wir sind schon gespannt wie das aussehen wird und werden euch zu gegebener Zeit auf jeden Fall davon berichten!

 

In aller Kürze:

No Head On My Shoulders
“MMXX”
VÖ – 15.07.2011

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