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Andi & Alex im Interview

Andi & Alex im Interview

Andi & Alex – das ist Hip Hop aus der Stahlstadt Linz. Das ist Hip Hop von zwei Brüdern mit einer gemeinsamen Leidenschaft. Wir trafen die zwei sympathischen Oberösterreicher in ihrer Heimatstadt, um über ihr erstes Album zu sprechen.

Es ist Sonntagvormittag in der schönen Linzer Innenstadt. Auch dieses Jahr hat der Urfahraner Markt wieder all die Leute auf einen Haufen versammelt, die man eigentlich gerne möglichst nicht um sich haben möchte. Doch das ist schnell vergessen, wenn man – wie in meinem Fall – schon am frühen Vormittag so nett von Andi, seines Zeichens fünfzig Prozent von Andi & Alex, empfangen wird. Wenig später gesellt sich dann auch die jüngere Hälfte des Brudergespanns – Alex – zu uns und man spricht mit Blick auf den Linzer Hauptplatz über das gemeinsame erste Album, die eigene Geschichte und (un-)gewollte Namensgleichheiten.

Dass Brüder sich gut verstehen, ist ja nicht immer selbstverständlich. Dass diese dann auch noch eine gemeinsame Leidenschaft verbindet, der sie mit so viel Hingabe nachgeht, erinnert an andere Brüderpaare aus Box- und Motorsport. Als „Goidgruabn“ wird ihr gemeinsames Tonstudio betitelt, in welchem das erste Lebenszeichen der beiden Brüder Andi & Alex entstand. Diesen Namen trägt das kleine Studio allerdings nicht aufgrund falscher Erwartungshaltungen bezüglich der anstehenden Albenverkäufe, sondern schlüssiger Weise aufgrund des Berufes des gemeinsames Vaters, der die oberen Räumlichkeiten seines Goldschmied-Ateliers zugunsten des Hobbyraums des Nachwuchses aufgeben musste.

Alex, die jüngere und noch studierenden Hälfte, kennt bis dato nur der besonders aufmerksame Hörer, der sich Alben noch physisch kauft und beim Hören von Alben auch brav das Booklet liest. In eben jenen Booklets der österreichischen Crew Hinterland und dem Soloprojekt von Die AU-MC Average tauchte der unscheinbare Name Alex zuletzt auf, ja dieser Alex. Den älteren Bruder Andi kennt der geneigte Ösi-Rap Fan da vermutlich schon eher. Beispielsweise von seiner Crew Da Staumtisch, mit der er seit 2004 die Fahne für klassischen Battlerap auf Boombap Basis hochhält, jedoch „…nicht verkrampft, sondern immer mit einem Augenzwinkern…“, wie er selbst betont. Allzu tief blicken ließ er im Rahmen der Staummtisch-Veröffentlichungen allerdings nicht, das soll ihr erstes gemeinsames Album „Wir & Ihr“ jetzt allerdings ändern. Zeit für ein Gespräch unter sechs Augen.

Was hat es mit der Namensgleichheit mit den „Frisch gekocht“-Köchen Andi und Alex auf sich?
Andi:
Diese Frage kommt jedes Mal. (grinst) Natürlich war das am Anfang mit etwas Berechnung geplant, das Andi & Alex-Projekt war ja anfänglich eher ein Spaß-Projekt. Den Anfang machte unser Lied „Schmeckt ma ned“ für den FM4 Protestsongcontest und da hat der Name mit dem Bezug auf die Köche einfach gepasst. Ich hab die auch immer gefeiert und oft gesehen, aber mittlerweile möchten wir mit diesem Vergleich eigentlich nichts mehr zu tun haben. Das Einzige, was davon noch übrig geblieben ist, ist die Anspielung darauf in unserem Logo. Aber der Name ist ja authentisch, schließlich heißen wir ja wirklich so. (lacht)

Euer erstes gemeinsames Album trägt den Titel „Wir & Ihr“. Was hat es mit diesem Titel auf sich?
Alex: Der Titel des Albums entstand durch den gleichnamigen Song „Wir & Ihr“, der auch unsere erste Single ist. Wir haben in unserem Album einerseits die persönlichen Songs, die unser Leben und unsere Probleme beleuchten, daher „Wir“. Auf der anderen Seite haben die politischen Songs und gesellschaftskritischen Ansätze auch Platz am Album gefunden, daher „Ihr“. Dieser Gegensatz „Wir & Ihr“ soll aber auch ausdrücken, dass jeder Einzelne die thematisierten Erlebnisse schon einmal mitgemacht hat oder vielleicht machen wird.

Inwiefern unterscheidet sich euer Soloalbum von den bisherigen „Da Staummtisch“-Releases?
Andi:
Das neue Album ist einfach unsere eigene Geschichte und viel persönlicher als meine bisherigen Veröffentlichungen. Thematisiert werden meine gesellschaftspolitischen Ansichten, es gibt viel Storytelling und die gesamte Grundstimmung ist eher ernster. Das Album ist weniger partytauglich, sondern sehr inhaltstark.
Alex:
Es gibt schon einige emotionale Augenblicke auf der Platte, aber nicht, dass man jetzt zu weinen anfangen müsste. (lacht) Es arbeitet einfach unsere Geschichte auf, wobei der Andi als Rapper auch für mich spricht.

Wie klingt das neue Album auf musikalischer Ebene?
Alex:
Ich sample relativ wenig Soul und Funk, sondern entnehme meine Samples eher aus dem weiten Feld der Rockmusik, vor allem aus dem Progressive-Rock-Bereich. Und obwohl meine Lieblingsproduzenten alle aus dieser Soul-Sample-Ecke stammen, versuche ich, dass ich meine Samples aus anderen Genres entnehme, meine Songs aber trotzdem diesen Vibe einfangen. Mittlerweile arbeite ich aber auch oft ohne Samples.
Andi:
Wir arbeiten ja auch oft mit Live-Musikern im Studio zusammen. Eigentlich ist Andi & Alex ja schon fast ein Dreiergespann, denn Matthias Burghofer, ein begnadeter Musiker, hat bei fast jedem Stück mitgewirkt.
Alex:
Das ist auch der Weg, den ich als Produzent eingeschlagen habe. Ich versuche mittlerweile, das Sample auf ein Minimum zu reduzieren und das Ganze mit live eingespielten Sachen auszuschmücken. Das wird man auch verstärkt mit dem nächsten Album zu hören bekommen, an dem wir derzeit schon werkeln. Das schlägt noch extremer in diese Kerbe. Ich habe auch glücklicherweise viel Unterstützung von Musikern aus meinem Umfeld bekommen, die mir viel gezeigt haben. Das ist mir sehr viel wert.

Was waren eure musikalischen Vorbilder und was hört ihr privat gerne?
Alex:
Flip (Mitglied der Gruppe Texta, Anm. d. Verf.) hat das mal gut gesagt: „Ich pendle zwischen Apollo Brown und Pete Rock“. Das sind natürlich auch Helden von mir. Eigentlich ist aber Ant (Produzent der Gruppe Athmosphere, Anm. d. Verf.) mein Lieblingsproduzent. Auch Exile und Whizz Vienna finde ich super. Und natürlich die ganzen Jungs aus Linz. (lacht)
Andi:
Die klassischen Producer/MC Kombinationen auf Albumlänge wie letztens Fashawn & Exile oder Blu & Exile fand ich super. All-time-Heros sind für mich natürlich Dilated Peoples, Gangstarr, Atmosphere oder Brother Ali.

Was sind jetzt nach Albumrelease eure Pläne für die Zukunft?
Andi:
Wir arbeiten ja schon am Nachfolger und haben schon wieder sechs Tracks fertig. Ich will mir zwar selbst nicht auf die Schultern klopfen, aber es wird schwierig „Wir & Ihr“ zu toppen, denn die Resonanz bis jetzt war super. Dadurch, dass wir mit unserem Album wieder bei null angefangen haben, waren wir bis jetzt super zufrieden. Wir haben jetzt ja das Glück, mit „Ink Music“ ein tolles Management aus Wien an Land gezogen zu haben, die die Promotion für uns erledigen. Auch die Tatsache, dass wir mit unserem Video auf GoTV liefen und mit unserer Linz-Antihyme „Big L“ auf der FM4 Soundselection vertreten waren, ist eine tolle Sache. Außerdem haben wir ja mit Tonträger Records (Label der Gruppe Texta, Anm. d. Verf.) auch eines der wichtigsten österreichischen Labels hinter uns. Jetzt aber Schluss mit der Selbstbeweihräucherung. (lacht)

Also gleich mal die zwei Videos zu zum Titeltrack „Wir & Ihr“ und „Ois in Butter“ mit Wenzel Washington ausschecken und bei Gefallen das dazugehörige Album in gepresster Form käuflich erwerben oder neumodisch digital via iTunes laden.

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