April 12 – Electron

Jürgen Oberhauser 29. März 2012 0

Letztes Jahr erreichten sie den dritten Platz beim Local Heroes Bandcontest, heuer im April bringen sie ihre erste EP “All Lights On The River” auf den Markt. Grund genug Electron zu unserer Band des Monats zu machen!

 

Für alle, die euch noch nicht kennen, wie würdet ihr eure Musik bzw. Electron beschreiben?
Diese Frage ist für uns ganz ehrlich gesagt kaum zu beantworten und wenn man unsere EP anhört, weiß man auch warum. Allgemein versuchen wir interessante, neue und teils ausgefallene Sounds in einem stimmigen Gesamtkontext zu vereinen. Das Ergebnis daraus ist dann eine Mischung aus vielen Genres, eine Zuordnung fällt sehr sehr schwer. Klar, manche Einflüsse sind unüberhörbar. Muse wären an dieser Stelle wohl ganz klar zu nennen. Das Bandprojekt allgemein ist ganz sicher keines der alltäglichen Sorte. Wir wohnen schließlich alle ziemlich verstreut (Innsbruck, Reutte, Köln).

Wie beeinflusst die wunderschöne Tiroler Bergidylle euer musikalisches Schaffen?
Man kann nur Positives berichten. Das duftende Heu bringt die Seele stets in Einklang mit der Natur und der ratternde Traktor, das knirschende Scheunentor und die furzende Kuh bringen einen auf neue Soundideen. Nein, Spaß beiseite. Unser Proberaum (ein aufgelassenes Tonstudio) liegt gute 10 Meter unter der Erdoberfläche. Ob Stadtlärm oder Almabtrieb – da unten haben wir ohnehin unsere Ruhe.

In wenigen Tagen ist es soweit, da erscheint eure erste EP „All Lights On The River“, was darf man sich vom ersten Werk erwarten?
Wie bereits vorhin kurz angedeutet, die EP ist unglaublich vielseitig, obwohl nur fünf Songs drauf sind. Neben drei „normalen” Electron-Songs haben wir nämlich noch eine wunderbare Akustik-Version eines Songs auf die CD gepackt. Außerdem haben zwei Freunde aus Wien einen sehr sehr feinen Remix von „The River” gebastelt, der es auch auf die Scheibe geschafft hat. Von Streichern und Akustik-Gitarren über klassische Synthie-Sounds, verzerrte Gitarren und Bässe bis hin zu Kalkbrenner-Beats – man lernt ganz sicherlich alle Facetten von Electron kennen und es dürft wirklich für fast jeden was dabei sein. Versprochen.
Außerdem war es uns wichtig, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu veröffentlichen. Wir wollten auf keinen Fall eine „bessere” Demo-CD veröffentlichen. Deswegen haben wir von Anfang an Nägel mit Köpfen gemacht und das Endprodukt kann sich jetzt schon sehen lassen…

Wie haben sich die Aufnahmen zu eurer Platte gestaltet bzw. wie funktioniert das Songwriting bei Electron im Allgemeinen?
Da wir uns bedingt durch Arbeit, Studium bzw. Wohnort nur alle paar Wochen sehen, mussten wir natürlich alles weit im Voraus planen. Schlussendlich haben wir dann nach Weihnachten bzw. über Neujahr in der Music Factory in Kempten (D) das Ding aufgenommen. Die Chemie mit dem Produzenten hat von Anfang an super gepasst, weshalb wir dann auch stressfrei und zügig alles einspielen konnten. Vor allem für unseren neuen Drummer Jan war die Situation sicherlich nicht einfach, da er die Songs im Detail noch gar nicht so genau kannte. Aber wie man unschwer hören kann, hat er’s dann sehr gut hinbekommen.
Das Songwriting generell läuft bei uns eigentlich im Kollektiv ab, direkt bei den Bandproben. Da wird dann auch mal drauflos gejammt und dann etwas Brauchbares davon abgeleitet. Andererseits schreibt unser Keyboarder Benjamin viele Grundstrukturen, auf denen wir dann aufbauen können.

So wie es aussieht, wird der Ehrenbergkeller bei eurer Releaseparty aus allen Nähten platzen! Wie sieht’s mit der Tiroler Musikszene aus? Euer Bundesland ist ja doch eher für seine sportlichen Vorzüge bekannt.
Das stimmt. Es wird eng, aber das wollten wir auch ganz bewusst so haben. Wir wollen bei unserer Release-Party wirklich nur Leute dabei haben, die sich aufrichtig für unsere Musik interessieren.
Die Tiroler Musikszene zu analysieren fällt einem echt verdammt schwer. Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass es sehr viele Metal-Bands gibt. Das ist uns beim Local Heroes schon aufgefallen. Da ist die Dichte sicherlich sehr hoch. Bezogen auf andere Genres gibt’s noch genug Luft für neue Bands. Also Jungs und Mädels – ran an die Instrumente.
Wir persönlich finden auch, dass es einige sehr sehr gute Bands aus Tirol gibt. Allen voran natürlich die phantastischen Jungs von Mother’s Cake. Das ist ganz großer Sport, um auf eure Frage zurückzukommen.

Die nächste Frage richtet sich an Sophia. Es sicher nicht das erste Mal, das man diesbezüglich fragt, aber wie lebt es sich als einziges Mädchen Band immer auf Achse mit vier Jungs an deiner Seite?
Es lebt sich ausgezeichnet. Wenn man sich im Bandgefüge wohlfühlt, fällt einem der Geschlechterunterschied irgendwann gar nicht mehr auf. Eigentlich merke ich den Unterschied nur unmittelbar vor Auftritten, wenn die Jungs noch gemütlich ein Bierchen zwitschern, während ich mich noch in Schale werfen muss. Tja, das Leben ist hart.

Seit nicht mal zwei Jahren mischt ihr die österreichische Musikszene auf, habt schon den dritten Platz beim „Local Heroes“ eingeheimst, etliche Fernsehsender und Zeitungen berichten fleißig über eure Erfolge. Wie fühlt es sich an so schnell, so große Lorbeeren zu ernten?
Allzu viele Lorbeeren haben wir gar nicht geerntet. Klar, das Local Heroes war ein riesen Push für uns und hat uns als Band auch sehr weitergebracht. Kaufen konnten wir uns von der ganzen Aufmerksamkeit aber leider auch nichts. Es ist schön so präsent zu sein, aber man muss immer versuchen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das ist nun mal das Musik machen. Wir haben immer gewusst, dass sehr viel harte Arbeit notwendig ist, um im Musikbusiness mal halbwegs Fuß fassen zu können. Das haben wir uns immer zu Herzen genommen und „All Lights On The River” ist jetzt ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Wenn ihr jetzt nicht Musik machen würdet, was wäre euer „Traumberuf“ gewesen?
Nachdem wir von der Musik auf keinen Fall leben können, sind wir ja alle berufstätig bzw. in Ausbildung. Glücklich sind wir damit aber alle nicht, weil wir alle ursprünglich Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau (Bogi, Sophia, Benjamin, Fabian) bzw. Rindermasseur (Jan) werden wollten.

Man findet in eurer Konzerthistory sehr interessante Gigs wie zum Beispiel als Supportband von Papa Roach! Es ist sicher eine riesige Ehre sich als junge Band mit solchen sich die Bühne zu teilen?
Das kann man schon so sagen, ja. Diesen Tag werden wir alle nicht mehr so schnell vergessen. Da hat von vorne bis hinten eigentlich alles gepasst. Die Dimensionen dieses Gigs waren einfach irre für uns und die Jungs von Papa Roach waren echt alle sehr chillig drauf. Musikalisch haben wir ganz ehrlich gesagt nicht so ganz in das Konzept des Abends gepasst, aber mit Marrok war ja noch eine grandiose österreichische Band dabei, die dann schon besser dazugepasst hat. Ein fetter Tag!

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus? Bei eurem märchenhaften Start ins Musikbusiness ist die Weltherrschaft sicher schon geplant?
Wenn Pinky und Brain diese Idee nicht schon vorher gehabt hätten, wäre das sicher eine Option. So überlassen wir das aber lieber den Mäusen und beschränken uns darauf, einfach ganz in Ruhe weiterzuarbeiten und dabei Spaß zu haben. Wir sind eine Band, die für alles drei Mal so lange braucht wie andere Bands, weil wir uns einfach nur ganz selten sehen und jeder von uns neben der Musik noch zig andere Sachen zu tun hat. Das ist uns alles bewusst und deswegen lassen wir uns durch nichts aus der Ruhe bringen, auch wenn’s mal etwas länger dauert. Obwohl… So eine Weltherrschaft wäre schon was feines…

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