Asking Alexandria – Arena

Lukas Elzbieciak 11. Februar 2012 0

Girlie-Playbackshow in der Arena Wien! Warum wir um Bands wie Asking Alexandria, Chelsea Grin oder Bless The Fall zukünftig einen großen Bogen machen werden und wir uns das erste Mal richtig alt gefühlt haben, erfährt ihr hier.

Asking Alexandria ist eine sehr bekannte Band und sie war auch eine sehr gute Band. Kennengelernt haben wir sie, wie so viele über YouTube oder iTunes. Ihre Alben knallen und prügeln richtig an vielen Stellen „InDaFace“. Die Musik ist richtig gut produziert und macht in vielen Lebenslagen Spaß. Mit diesem Vorwissen gingen wir am 09.02.2012 in die Arena Wien, um mal wieder ein ordentliches Konzert zu erleben, um mal richtig „die Sau rauszulassen“. Der Support erschien uns eher wenig spektakulär, klassischer Core-Schriftzug, Name, usw., alles passte. Schon auf dem Weg zur Arena kamen erste Verdachte auf – Hie und da versteckten sich kleine Kinder (<15 Jahre) hinter Büschen und in Stiegenhäusern (U-Bahn Station Erdberg!) und konsumierten billigen Wein sowie Tabak. „Hoffentlich gibt es nicht viele von denen am Konzert“ – Ein Satz der im Laufe des Abends immer mehr an Bedeutung gewann.

Bei der Arena angekommen, gab es mal wieder das bekannte Garderobe-Stehen. 20 Minuten verbrachten wir an der Tischreihe, bevor wir unserer Arktis-Klamotten erleichtert wurden. Wir machten Bekanntschaft mit ca. vier Schulklassen (14 – 16 Jahre) und deren Liebes-Techtelmechtel, bevor wir die Halle endlich betreten konnten. Dort angekommen, bekamen wir zum ersten Mal an diesem Abend das Kotzen – Das erste Konzert unseres Lebens, wo mehr Mädchen als Knaben anwesend waren (für unsere jungen Leser eine Erinnerung an die schulischen „Leibesübungen“) – fast keiner war älter als 16. Die letzten Reihen sowie die Galerie wurden bevölkert von Eltern, die geduldig die Jacken ihrer Zöglinge hielten und sich über Kochrezepte und das Wetter, sowie das bevorstehende Sparpaket der österreichischen Bundesregierung unterhielten. Hie und da hörten wir Texte wie: „Ach, natürlich höre ich die Musik von meinem Jonas! Man muss ja mit dem Trend der Zeit mitschwimmen! Vor zwei Jahren hörte er noch Tokio Hotel, wurde aber von seinen Klassenkameraden zu sehr gemobbt, und deswegen hört er jetzt diese böse Musik.“ Das Kotzgefühl steigerte sich – Wir begannen Altersgleiche zu suchen. „Lieber Gott, bitte lass es in dieser Halle einige Leute mit langen Haaren und Bärten geben – oder noch besser: Lass die Halle von 50 Black- und Death-Metallern stürmen und aufräumen!“. Der Schmerz steigerte sich umso mehr, als die Vorbands zum Spielen begannen. Die Mini-Playback-Show war bei den Mädchen und Jungs sehr erfolgreich, sowohl Chelsea Grin als auch Bless The Fall konnten die Kinder herzhaft begeistern. Wenn der Computer nicht aushalf, hörten wir stehende Geräusche und einen japsenden und hechelnden Sänger. Bei beiden Bands.

Inzwischen waren die Kids beim Abgehen: Sie küssten sich, tanzten miteinander und hielten Händchen. Wir kamen uns vor, wie auf einer Emo-Party 2006. Mit japsender Stimme kündigte der Sänger der Band Bless The Fall den Headliner der Emo-Party an: Asking Alexandria. Die Briten kamen richtig evil auf die Bühne – Sänger Danny Worsnop kam ganz lässig mit Zigarette im Mund, sowie Jackett und Hemd on Stage, begleitet von 20 Millionen kreischenden Pre-Teens. Die Aggressionen und die Wut in uns stieg, wir komprimierten sie zur einem lehmigen, dunklen Klumpen aus Gewalt, stießen einen verzweifelten, letzten Kampfschrei aus und stürmten in die ersten Reihen, wo sich so etwas wie ein „Moshpit“ zu bilden versuchte. Die Kids hüpften herum und machten brav Pogo, wie zum Kasperltheater auf ORF 1.

Wir fanden zwei drei gleich gesinnte Bären, denen ebenfalls die Verzweiflung bis zum Hals stand, wir stellten Blickkontakt her und somit war unser nächstes gemeinsames Ziel fixiert: Möglichst viel Töten und glorreich Untergehen. Somit sprangen wir, mit letzter Kraft der Verzweiflung, Wut und Trauer in den Moshpit und begannen unser Werk – Hunderte, Tausende Kids flogen wie Laub durch die Luft, als sie von unserem Berserker-Mosh ergriffen wurden – Durch frisch gewonnene Kraft durch diesen glorreichen taktischen Sieg sammelten wir unsere Kräfte für eine „Wall Of Death“ – Verfolgt von hunderten Glasaugen 14-jähriger Mädchen, die am liebsten ein Kind vom Sänger hätten und ihre Lust immer wieder zur Bühne schrien, bildeten wir die zwei Reihen. Epischer als in Braveheart begann der Sturm in die Mitte, wo sich zufälligerweise einige unwissende Emos befanden – spurlos mitgerissen unter der Wut dieser donnernden Horde. Doch auch hier begannen unsere Kräfte früher oder später zu versagen – Zu viele Kids mit Teddybärmotiven (der neue Trend in der Core-Szene!) und Hello Kitty – Schuhen drückten uns früher oder später zu Boden – den endgültigen Todesstoß versetzten uns die Emo-„Ladies“ (wie niedlich sie doch vom Sänger bezeichnet wurden *hrhrhr*) mit erneutem Kreischen, als der Sänger sie zum Mitsingen aufforderte. Somit gingen wir unter diesem tosenden Lärm unter – den Platz in den goldenen Hallen von Valhalla hatten wir uns mehr als nur reichlich verdient. Somit gingen wir mit müdem Schritt zurück zur Garderobe, holten unsere Siebensachen und begannen den traurigen und müden Marsch nach Hause. Immer wieder hörte man uns fluchen: „Nie wieder… Nie wieder!“

Zu Hause angekommen, öffneten wir ein Dosenbier, legten Slayer ein und löschten die drei Bands des Abends aus unserer Medienbibliothek…

 

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