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Billy Talent im Interview

Billy Talent im Interview

Billy Talent – ihr neues Album „Dead Silence“ wurde von vielen schon sehnlichst erwartet. Kein Wunder, denn es könnte einer der interessantesten Releases des Jahres werden. Wir konnten vor der Veröffentlichung mit zwei Herren von Billy Talent sprechen.

 

Hallo. Zunächst mal, wie geht’s eurem Schlagzeuger Aaron? Der hatte ja vor ein paar Monaten eine Herzoperation.
Johnathan: Oh, jetzt gerade hat er die Grippe.
Ian: Ja er hat eine Verkühlung erwischt, aber die Herzoperation hat er sehr gut überstanden. Er ist wieder bei 100 % angelangt. Ich glaube sogar ihm geht’s besser als jemals zuvor, weil er sehr energiegeladen wirkt und auch nach den Shows nicht aus der Puste ist.

Das hört man gern. Die erste Frage ist ein wenig speziell. Ihr als Kanadier und Musiker, wie steht ihr zu Justin Bieber?
Johnathan: Eigentlich gar nicht, da er mich nicht wirklich interessiert. Ich freu mich für den Burschen, weil er’s echt weit gebracht hat.
Ian: So geht’s mir im Prinzip auch. Auf der anderen Seite bin ich auch ein bisschen Stolz, immerhin ist er aus Stratford, Ontario und kann gut singen und Schlagzeug spielen. Das freut mich schon, so ehrlich muss man sein.

Pop-Musik im Allgemeinen. Viele meinen ja sie wird von Jahr zu Jahr immer dümmer und oberflächlicher. Wie seht ihr das?
Ian: Oh ja, das ist wahr. Betrachtet man Pop-Musik mal über die letzten Jahrzehnte, war sie auch mal richtig gut. Leider ist sie an einem gewissen Punkt irgendwie abgestürzt und wird nun immer dümmer und dümmer.
Jonathan: Mittlerweile geht’s mehr um eine „Catch-Phrase“ oder einen „Hook“ als um irgendeinen intelligenten Anspruch. Das ist wirklich Schade, denn dadurch lässt sich zwar sehr viel Geld verdienen und Erfolg haben, aber die Musik verblödet halt.

Gut dann sprechen wir lieber über bessere Musik. Ihr habt im Mai die erste Single „Viking Death March“ aus dem neuen Album veröffentlicht. Was ist die Idee hinter dem Song bzw. was bedeutet er?
Ian: Es ist durchaus ein gesellschaftskritischer Song. Hauptsächlich soll er sich gegen diverse Macht habende Organisationen und Gruppierungen richten, die, die Welt zu kontrollieren scheinen. Als wir den Song geschrieben haben entstand gerade die „Occupy Wall Street“ Bewegung. Das hat uns sehr beeinflusst. Es soll auch ein Weckruf für die Leute sein. Wenn sie nicht ihre Stimmen erheben und nicht gegen das kämpfen, was ihnen nicht passt, wird sich nie etwas ändern. Das müssen sie endlich verstehen.

Ihr findet also, dass die Gesellschaft ein Problem hat. Was denkt ihr ist der Auslöser für diese Probleme?
Ian: Ich glaube Religion ist ein großes Problem. Vor allem wenn Religion und die Regierung sich verbinden und dann gemeinsame Sache machen. Für Menschen, die nicht an diverse religiöse Einrichtungen glauben, ist das eine sehr unangenehme Situation.
Jonathan: Gerade in den USA kann man das immer wieder beobachten…
Ian: …aber auch in Kanada. Unsere Regierung ist sehr konservativ.
Jonathan: Ja aber sie machen es nicht so öffentlich und reden nicht so viel darüber.
Ian: Im Hintergrund stehen aber trotzdem viele religiöse Einrichtungen.
Jonathan: In den USA steht sogar in der Verfassung, dass Regierung und Religion getrennt gehören. Trotzdem glauben die Leute, dass sie quasi laut Verfassung Christen sein müssen. Als hätte man sie einer Gehirnwäsche unterzogen.
Ian: Kein Wunder. Schau dir mal „Fox Television“ an. Vieles davon ist gezielt manipuliert und durchproduziert. Leute sehen das und halten es für Nachrichten und die Wahrheit und werden dadurch kontrolliert.
Jonathan: Man könnte meine, dass die Leute, in einer Zeit in der man Information so leicht beschaffen kann, diese Informationen hinterfragen und doppelt prüfen. Das tun sie aber nicht.

Kommen wir zurück zu eurem neuen Album. Es wird ja nicht „Billy Talent IV“ heißen, sondern „Dead Silence“. Was ist so besonders daran, dass ihr mit dieser „Tradition“ brecht?
Ian: Es hat eigentlich nicht so wirklich einen großen Grund. Wir fanden, dass es einfach an der Zeit war, mal was anderes zu machen. Es war außerdem sowieso die Idee, dass die ersten drei Alben sozusagen eine Trilogie ergeben. Die Neuerung entstand also quasi natürlich…
…beim Hören von „Viking Death March“ hatten wir nämlich das Gefühl, dass ihr eher wieder zurück zu euren Wurzeln kommt im Vergleich zu „Billy Talent“.

Ian: Ja das stimmt auch. Darum haben wir den Song auch als erstes veröffentlicht, da er wirklich repräsentativ für das ganze Album ist.

Ian du bist ja auch der Produzent des neuen Albums. War das für dich mehr Druck und habt ihr jetzt im Allgemeinen mehr Druck auf Grund eures bisherigen Erfolgs?
Ian: Ja ich hatte schon mehr Druck aber ich mag das eigentlich. Ich werde besser, wenn ich Druck habe und liebe so Situationen, in denen ich was Neues lernen kann und mich so fühle als ginge ich wieder in die Schule. (grinst)
Jonathan: Den meisten Druck machen wir uns selbst. Das ist aber positiver Druck. Der treibt uns zu Höchstleistungen und schafft es, dass wir uns als Band weiterentwickeln. Unser Ziel ist es ja, gute Arbeit zu leisten und tolle Songs zu schreiben.
Ian: Ich glaube das ist auch der Grund, warum das neue Album so gut geworden ist.

Hattet ihr eigentlich einen „Plan B“ wenn das mit der Band nichts geworden wäre?
Jonathan: Die Band ist doch eigentlich der „Plan B“! (lacht)
Ian: Als wir damit angefangen haben, ging‘s eigentlich nur um den Spaß. Wir bemerkten allerdings nach einer Zeit, dass die Leute uns mögen, drum wurde dann quasi aus dem „Plan B“ der „Plan A“ und umgekehrt. Vorher haben wir alle aber natürlich an unseren individuellen Karrieren gearbeitet. Das hat sich alles langsam so entwickelt aber wir hatten eben am Anfang nicht wirklich damit gerechnet, dass wir einmal so erfolgreich werden mit der Band.

Angenommen die Welt geht wirklich im Dezember, unter wie einige glauben. Was wäre der letzte Song, den ihr hören wollt?
Jonathan: Puh, also wenn’s das Ende ist, dann nehme ich wohl einen langen Song wie „Stairway to Heaven“ oder so. (lacht) Aber ich entscheide mich wohl trotzdem für „Wild Horses“ von den Rolling Stones.
Ian: Ok dann entscheide ich mich für „Angel Of Death“ von Slayer. Wenn ich schon gehe, dann mit einem Knall. (grinst)

Vielen Dank für das Interview.

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David Hametner

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.“ – Friedrich Nietzsche

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