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Bonaparte im Interview

Bonaparte im Interview

Bonaparte – Kopf Tobias hat sich kurz vor ihrem Wien-Auftritt am 30.10. unseren Fragen gestellt. Was er von Spotify hält, was er als Kaiser machen würde und welche verrückten Abende er in Österreich erlebt hat, lest ihr hier.

Was unterscheidet das aktuelle Bonaparte-Album von den alten? Warum sollte man es sich kaufen?
Wie meine Großmutter so schön sagt: „Man sollte es sich kaufen, weil dann hat man es nicht gedownloadet!“. Das Leben nach dem Kauf des Albums wird (wie auch nach dem Besuch eines Bonaparte-Konzertbesuchs) nicht mehr dasselbe sein. Es werden wundersame Dinge passieren, die ihr euch nach dem gegewärtigen Stand der Metaphysik nicht erklären könnt, die sich jedoch unglaublich toll anfühlen werden. Unter anderem werdet ihr unwiderstehlich besser aussehen, je öfter ihr das Album anhört – besonders beim Duschen. Sorry, We’re Open – it’s a life changer!

Bald steht euer nächstes Wien-Konzert an. Was war euer verrücktestes Erlebnis in Österreich?
Österreich ist ja im guten Sinne immer ein wenig verrückt – aber das wisst ihr ja selber am besten. Ein Land mit Bergen und Flüssen und Falco und diesem ewigen Dreivierteltakt – das ist schon ein spezieller Flecken Land. und dann noch „The Sound Of Music“ on top, für das ihr zwar nicht wirklich was könnt (und ich kucke mir das zu Weihnachten auf LSD auch gerne mal an und singe nackt im Schnee sitzend „Edelweiss“). Zurück zur Frage: das letzte Mal im PPC in Graz, als wir nach dem Konzert noch in diese Tabledance-Bar gingen und es bald nicht mehr auszumachen war, ob die Mitglieder von Bonaparte nun fest zum Etablissement gehörten oder doch nur Kunden sind…

Tobias, welche österreichischen Musiker oder Bands kennst oder magst du?
Ich war ja mit Stefan Weber einer der Mitbegründer von Drahdiwaberl. Das war meine erste Band, in die ich mein ganzes Herzblut reinsteckte. Aber als 1978 Falco dazukam, da ging es bergab. Ich und Falco, das hat immer so ein wenig geclasht – die Egos, weißt du. Da bin ich ausgestiegen und habe Bonaparte gegründet. Da war Falco ganz lange sehr neidisch drauf und hat deshalb auch sehr viel mehr Drogen konsumiert.

Kannst du dir vorstellen, auf Kostüme und Show zu verzichten und ein ganz reduziertes Konzert zu spielen?
Aber natürlich! Es wäre genauso toll – nur anders. Ich habe oft auch nur solo mit Gitarre und Laptop oder als Trio gespielt. Gerade in den frühen Jahren in Neuseeland und Berlin. Die Kraft dieser Musik, das Parolenhafte mit den dreifachen Deutungsmöglichkeiten und die komplexen Voodoorhythmen, welche bei genauerem Hinhören an der afrikanischen Polyrhythmik und nicht der Wiener-Karnevalsmusik angelehnt sind. Aber da der Mensch auch gerne was zu sehen kriegt während er sich spaßlich vergnügt, nehmen wir meistens zwei Jumbo-Packungen Tänzer mit.

Welche Musiker bewunderst du? Welche Musik hörst du selbst gerne, wenn du nicht gerade an deiner eigenen bastelst?
Da ich ja meistens an meiner eigenen Musik am Herumfummeln bin, komme ich viel zu wenig dazu, mit einem Glas Cognac auf der Veranda oder hinten im Pferdewagen zu sitzen und einfach mal ein paar nette Alben in die Sommernacht abzufeuern. Aber es gibt die Musik, die ich unbedingt mal hören „muss“ und die Berieselung im Einkaufzentrum, die ich „freiwillig“ höre. Letztere hat eine Bandbreite, welche von frühem NY-Punk beim Erwachen über eine kurze Country-Nummer wenn ich das Ei anschneide und persische Musik während dem Nachmittagsgedöns. Etwas Dub-step wenn ich mir den ersten Cocktail mische und verbotene Hits im Chor mit den Tänzerinnen.Musik, du Elixier der Freude!

Was hältst du von Bewegungen wie Spotify? Musik für alle zugänglich – ist das aus der Sicht des Musikers von heute etwas Gutes?
Der Grundgedanke, dass Kunst und Wissen für die Menschen möglichst jederzeit ohne grössere Risiken einzugehen zugänglich sind, ist sicher ein sehr guter. Der Gedanke, dass nur Leute mit 300 Trilliarden Klicks daran noch etwas verdienen, ist ein problematischer Zustand. Als Konstument und Mensch will ich eigentlich genau das Lied hören können, das ich mir gerade wünsche – und dafür ist Spotify unglaublich toll. Gleichzeitig empfinde ich es um welten romantischer, in der über Jahre wie ein exotischer Gemüsegarten herangezüchteten Schallplattensammlung zu stöbern. Hand auf’s Herz, wenn sie einen zuwendungsträchtigen Besuch im Hause haben, sagen Sie da „Baby, ich mach mal Spotify an, ja?“. Nein! Sie kramen den richtigen Wachsteller aus dem Regal und setzen die Nadel in die Rille.

Was ist das schwierigste heutzutage als Musiker?
Ich finde, das Schwierigste daran ist das „heutzutage“. Aber das war es wohl auch als die Bigbands starben und als das Radio plötzlich aufkam oder die Kassetten-tapes oder Elvis zum ersten Mal seinen Hüftschwung vollbrachte. Wir müssen uns anpassen, weiterentwickeln, nie aufgeben und in den härtesten Zeiten an uns glauben und weiter angreifen. Wäre ich als Barde am Hofe eines Königs glücklicher als heute? Eher nicht. Würde ich mir genauso verrückt die Nächte um die Ohren schlagen, wenn ich ein Grundeinkommen hätte? Bestimmt. Sollte ich mal wieder einen fetten Bonaparte Top10-Hit schreiben? Wäre wohl bald wieder so weit.

Was würdest du als Präsident der Welt als erstes verbieten? Welche Regeln würdest du einführen?
Jeder Mensch muss mindestens alle Sprachen lernen, die in seinem Land und allen an sein Land angrenzenden Länder gesprochen werden. Einfach um schon mal von Klein auf zu verstehen, dass es auch noch andere Realitäten und Normen gibt. Verbieten würde ich Beer-Bikes. Dann müsste es natürlich im wesentlichen mehr Sex und weniger Krieg geben. Und jeder Erstgeborene müsste einmal im Leben eine Pilgerreise zu meinem Strandhaus machen und mir den Bart kraulen. Ach, es gäbe recht viel zu tun, merke ich gerade. (Anm. d. Red.: Der Kaiser erhebt sich, rumort im Nebenzimmer und kommt mit einem seltsamen grünen Cocktail zurück. Er trinkt und gibt dann ein Zeichen, dass das Gespräch nun weitergeführt werden kann.)

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Anna Obermeier
"Dance Like Nobody Is Watching."
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