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C-60 – Problemfaktor Mensch

C-60 – Problemfaktor Mensch

Das Linzer Elektrorockduo C-60 hat mit dem Album „Problemfaktor Mensch“ eben ihren zweiten Longplayer veröffentlicht. Und – soviel sei hier verraten – der Name ist hier Programm. Teile der Kritik am Mensch haben wir für euch beschrieben.

C-60, was war denn das schnell noch mal? Doch nicht etwa diese altertümlichen Magnetbänder, die sich immer selbst verwurstelten, die nach 30 Minuten einfach zu Ende waren und die nach dem 10. Mal überspielen hauptsächlich Rauschen und Artefakte des ursprünglichen Tonmaterials wiedergaben? Etwa Kassetten? Richtig! Doch nicht nur das, auch wenn die Kassette der Namensgeber war, C-60 sind außerdem ein Linzer Elektroprojekt zweier ergrauter Teenies, die wohl mitunter zu den spielfaulsten Bands des Landes gehören. Ein einziger dokumentierter Live-Auftritt in ihrer 10-jährigen Bandgeschichte – und dies im Rahmen einer verrauchten Labelnacht ihres treuen Wiener Plattenlabels LasVegas Records im Wiener Klub B72 zeugt nicht gerade von einer hohen Live-Affinität.

Doch mal alles der Reihe nach: Angefangen hat alles 2002 im FM4 Soundpark, wo Claus Prellinger und Günter Klinger einen Track von sich reinstellten mit einem äußerst markanten Sample. Semperit. Da da dáa da. Drumherum eine kritische Beobachtung unserer stets auf Wachstum und Ausbeutung aufgebauten Wirtschaft, und fertig war der FM4-Hit „Erfolg“, der es auch auf die FM4 Soundselection Nummer 9 schaffte. Für eine Band, die noch nie live spielte und von der es bloß diesen einen Song gab eine beachtliche Leistung.

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Gut Ding braucht eben Weile, so dauerte es weitere vier Jahre, bis es „Erfolg“ auch physisch zu kaufen gab. Das Album „Mutters kleine Helfer“ – eine Anspielung auf die naive Drogenkultur der 70er – erschien 2006 auf LasVegas Records und konnte mit dem Titelsong neuerlich auf FM4 punkten. Nach weiteren Jahren der Ruhe gaben C-60 2012 endlich ein neues Lebenszeichen von sich. Das Album „Problemfaktor Mensch“ erschien Ende Mai und setzt nahtlos dort an, wo „Mutters kleine Helfer“ endet. Konsumkritik, Botox, die Durchwachsenheit einer perfekt funktionieren wollenden Gesellschaft, Idealmaße im Job und im Designerspiegel. Verpackt sind die Songs in einem knackigen Elektro-Rock Sound, der, obwohl er einen Retro-Eindruck hinterlässt, sehr modern und frisch rüberkommt. Die Texte sind durchwegs in Deutsch gehalten, was bei ihrer Komplexität durchaus sinnvoll erscheint.

Die Songs listen Probleme des modernen Alltags auf, „Every Body is perfect“ beispielsweise besteht einzig aus einer Zitatensammlung diverser Schlankheitswundermittel. Der Titelsong „Problemfaktor Mensch“ behandelt den Menschen als einziges gigantisches Umwelt- und Ressourcen Problem. („Der Mensch ist getrieben von Gier, bremst den Aufschwung, ist nicht schön genug. Der Mensch ist das Problem“). Ein Anspieltipp ist der Song „Mitten im Geschwätz“ mit dem obligatorischen Michael Ostrowski als Gastprediger. Der Text wurde aus standard.at Postings anlässlich des Wiener Popfestes zusammengezimmert und ergibt ein bizarres Stimmungsbild moderner Konzertbesucher und derer Gedanken.

Etwas leisere Töne bietet der Song „Du bist gegangen“ – Geigen umspielen Zeilen über einen verstorbenen Freund der Band.Wenn man der Band etwas vorwerfen möchte, dann wäre dies der erhobene Zeigefinger in fast all ihren Liedern. Probleme werden zwar aufgezeigt, Lösungsvorschläge allerdings keine mitgeliefert. Und das Artwork des Albums, in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten, erinnert eher an eine No-budget Schülerbandproduktion und wird den erwachsenen Inhalten leider nicht gerecht.

In aller Kürze

C-60
„Problemfaktor Mensch“
VÖ – 25. 5. 2012 auf LasVegas Records

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Luis Pasching
äähm, mir ist grad ein bisi schlecht
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