Emilie Autumn – Szene Wien

Aylin Izci 16. März 2012 0

Man konnte eigentlich kaum glauben, dass es an der Abendkassa noch Karten für das Konzert gab. Es war verdammt viel los. Wie gewöhnlich bei einem Konzert der fabelhaften Emilie war das Publikum unterschiedlich denn je. Plague Rats und andere Gestalten der Unterwelt waren aus ihren Löcher gekrochen und hatten sich zurechtgemacht. Und so standen Korsetts neben Springerstiefeln, Haare in Regenbogenfarben erstrahlten neben Lack und Leder.

Auch auf der Bühne setzte sich dieser Trend nahtlos fort. Emilie Autumn, die alle Bühnenoutfits von sich und ihren Bloody Crumpets selbst macht, hat sich wieder selbst übertroffen! Von der 30cm hohen Irokesenfrisur über Korsetts mit Glitzersteinen, kniehohe Strümpfe, etc. Das Auge isst bekanntlich mit. Für die Ohren dagegen gab es viele Songs des anstehenden neuen Albums und Namensgeber der Tour („Fight Like A Girl“) zu hören. Gespannt lauschten die Zuschauer den unbekannten Klängen, die sich sehr vielversprechend, aber teilweise schon fast poppig anhörten. Bei bekannten Songs dagegen war volle Beteiligung da. Die erste Strophe von „Thank God I’m Pretty“ zu Ende des Abends beispielsweise sang die Menge komplett ohne Emilie Autumn, die mehr als begeistert vom Gesangstalent ihrer Muffins war.

The Blessed Contessa, Mistress Maggot und Naughty Veronica sind dies Mal die Bloody Crumpets mit auf Tour und spielten wie gewohnt ihre Rollen sehr überzeugend. Letztere heizte das Publikum mit ihrem Tanz mit zwei riesigen weißen Federn an und flirtete auch sonst was das Zeug hält. Ein weiblicher Fan hatte das Vergnügen von ihr auf die Bühne geholt zu werden, um einen sinnlichen Kuss auf die Lippen zu bekommen. Von Emilie Autumn bekam die nymphomanische Veronica vorher noch einen Kuss-Crashkurs.

Mistress Maggot lies anders als 2009 zwar ihre Stelzen zu Hause, wirbelte dafür aber mit einem brennenden Reifen herum. Sogar zu einem Stagediving und Crowdsurfen quer über die erste Reihe lies sich der Piraten-Captain und Tea-Aholic hinreißen! Um den Wahnsinn perfekt zu machen, artete die gewohnte Tea-Time im Laufe des Abends zu einer filmreifen Essensschlacht auf! Muffins und Kekse flogen durch die Luft und wurden vom exstatischen Publikum aufgefangen.

Ein wenig enttäuschend dagegen war, dass die elektrische Violine wenig Platz im diesjährigen Bühnenprogramm hat. Nur ein Mal griff die kalifornische Gothic Lolita Emilie Autumn zur Geige und spielte das Intro zum Song „Liar“. Gegen halb 11 verabschiedete sie sich dann mit einer bewegenden Rede von ihren Insassen des Asylums (dt: Irrenanstalt), um wenig später noch eine 15-minütige Zugabe zu spielen. An dessen Ende gingen die Lichter an und wie gewohnt dröhnte „Always Look On The Bright Side Of Life“ (Monty Python) aus den Boxen, um die Menge hinauszugeleiten.

So ging der zweistündige Konzertabend voller Witz, Sex, Musik und Kabarett zu Ende. Im Vergleich zu vergangenen Shows war auf der Bühne zwar weniger Action und auch das Bühnenbild war schlichter. Trotzdem waren die vier Damen genauso unterhaltend und boten einen faszinierenden und fesselnden Abend!

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