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Emilie Autumn im Interview

Emilie Autumn im Interview

Im Gammellook, aber schon mit Mordsirokesen auf dem Kopf trafen wir Emilie Autumn vor ihrem Konzert. Wir sprachen unter anderem über das neue Album und wie schwer es ihr fiel, ihre Biografie zu veröffentlichen. Reinlesen lohnt sich!

 

Hat eine Weile gedauert, seit du hier warst – das letzte Konzert wurde wegen Krankheit abgesagt, dann kam deine Kieferoperation. Bist du jetzt vollkommen genesen oder hast du noch Probleme?
Nein, mir geht es hervorragend. Meine Stimme ist stark wie Stahl, heut Abend wird alles gut gehen – kein Absagen in letzter Minute! Das war wirklich tragisch das tun zu müssen! Ich hoffe, alle die damals hätten kommen sollen haben mir vergeben und irgendjemand taucht heute Abend auf. Es sind nur mehr wenige Stunden bis zur Show.

Welche Rolle spielen die Bloody Crumpets für die spektakuläre Bühnenshow? Wie lang braucht ihr zum fertig werden?
Die Musik ist schon fertig zu dem Zeitpunkt, an dem wir zusammenkommen, um zu proben, das mach ich vorher allein. Wir überlegen dann gemeinsam, wie wir die Geschichte auf der Bühne am besten erzählen, denn darum geht es bei unserer Show. Die Mädchen sind unglaublich gut trainierte Tänzerinnen und deshalb unbeschreiblich wichtig beim Entwickeln der Choreografie und Aufbau von allem! Sie helfen mittlerweile auch mit den Kostümen.
Wir sind sehr schnell geworden dabei für die Show fertig zu werden, weil wir in unseren Anfangszeiten gut Üben konnten. Das waren damals sehr kleine Hallen, die Größe der Couch hier im Backstage war manchmal alles, was wir an Platz zur Verfügung hatten. Vier Mädels, die auf dem Raum versucht haben all diese Verrücktheit in einem kleinen Spiegel oder nur einem Taschenspiegel zu kreieren..! Mittlerweile haben wir das drauf und können in einer halben Stunde fertig sein und rausgehen, um unseren Job zu machen, aber es hat sehr lange gedauert, so organisiert zu sein!

Nicht nur ihr habt tolle Outfits, auch die Fans bei Emilie Autumn Konzerten sind unterschiedlich gestylt. Hast du schon Mal was gesehen, das sogar dich noch überrascht/fasziniert hat?
Absolut! Ich bin froh, dass euch das aufgefallen ist, denn das ist eins der Dinge, auf die ich am stolzesten bin. Sie sehen nicht gleich aus, es gibt keine Altersgruppe und sie kommen offensichtlich als Fans von unterschiedlichen Musikrichtungen und stehen zusammen bei den Konzerten; da sind die Metalfans, Fans klassischer Musik, da sind die Jugendlichen und deren Eltern usw.!
Ich bin wirklich inspiriert davon, wie sie zu den Shows kommen und sich selbst präsentieren in Outfits, die sie meist auch noch selbst machen! Sie sind erstaunlich! Oftmals wünschte ich, ich hätte einen Moment um jemanden zur Seite zu nehmen und zu fragen, wie zur Hölle er sein Outfit gemacht hat! Vor allem bei den Meet & Greets macht es dann Spaß das mal aus der Nähe unter die Lupe nehmen zu können. Meine Fans sind überwältigend kreativ!

Du inspirierst also deine Fans und deine Fans inspirieren dich..
Auf jeden Fall! Auf der ganzen Welt kommen Sie zusammen und haben was sie „Muffin-Meet-Ups“ nennen, sogar in Ländern wo wir noch nie waren! Das Schönste daran ist, dass es dabei nicht nur um mich geht. Ja, es geht um die Asylum-Welt, aber dabei geht es um mehr als ein Mädchen dass auf eine bestimmte Weise aussieht, Songs singt, performt. Ich bin nur ein kleiner Teil dieser Welt. Das ist alles so viel größer geworden und die Fans haben darin einen richtigen Platz gefunden, ein zu Hause. Wenn sie sich also treffen spielen sie vielleicht Lieder von mir, aber das Wichtige ist, dass sie eine Teaparty haben, zusammen backen, Bilder zeichnen… Dann schicken sie mir Fotos davon, ich schau sie an und denke „Ich wünschte ich wäre da!“.

Das Herz unter deinem Auge aufzumalen ist für dich ein Ritual wie bei anderen z.B. das Beten vor jeder Show. Wann hast du damit begonnen und wieso?
Das hab ich schon gemacht, lange bevor ich performt habe wie jetzt. Damals war das Herz für mich ein Symbol für meine Fragilität. Es erinnerte mich daran, dass ich ein Herz habe, das man brechen kann und ich es davor bewahren muss. Mittlerweile weiß ich, dass das nicht ganz normal klingt, aber das war der eigentliche Zweck. Es wurde zu einem schützenden Element, eine Art Glücksbringer. Wenn ich das Herz aufmalte, verbrachte ich morgens ein paar Sekunden allein vor dem Spiegel, um mir bewusst zu machen, dass ich in dieser Welt verletzbar bin. Doch seit ich performe hat sich die Bedeutung komplett verändert. Die Fans sind eine große Kraftquelle für mich, durch sie wurde ich stärker. Inzwischen ist das Herz ein Zeichen von Stärke und ich bin froh, dass sich die Bedeutung in die Richtung geändert hat. Denn das Gefühl sich selbst schützen zu müssen kommt aus der Angst heraus und das lässt einen ängstlich bleiben. Ich handle nicht mehr aus dem Gefühl der Angst heraus, aber es hat mich viele Jahre gekostet darüber hinwegzukommen.
Ein Kämpfer zu sein statt eines Opfers, darum geht es beim Album “Fight Like A Girl” und der Tour! Auch mit dem Buch versuche ich das zu vermitteln, vor allem Frauen. Sie sollten stark genug sein, sich selbst zu beschützen. Es ist nicht okay die ganze Zeit ängstlich zu sein, wir müssen lernen unsere Körper, unser Leben, unser Schicksal selbst zu bestimmen! Wir machen in der Tat 51% der Weltbevölkerung aus. Wir sind keine Minderheit, auch wenn wir immer so dargestellt werden und müssen uns dessen bewusst sein!
Unsere Aufgabe ist es jetzt, dieses Gefühl von Stärke an das Publikum weiterzugeben und zu wissen, dass sie das Wissen mitnehmen und an ihre Freunde weitergeben. Es macht mich stolz zu sehen, dass die männlichen Fans bei Konzerten das verstehen. Wir brauchen keinen neuen Geschlechterkrieg, den gibt es seit Beginn der Zeit und Frauen wurden und werden immer noch attackiert. Doch ich weigere mich das zu akzeptieren! Und wenn wir ein wenig Angst einflößend werden müssen, um das zu ändern, werden wir das tun. Das Wesentliche von “Fight Like A Girl” ist, dabei nicht die Menschlich- und Weiblichkeit zu verlieren!
Das ist mir einfach sehr wichtig, das ist, worauf das alles hinausläuft. Das Herz ist jetzt ein Zeichen für Stärke, viele der Plague Rats im Publikum malen es sich auf und ich weiß sie tun das aus demselben Grund. Es ist etwas, dass uns vereint und es ist schön das zu sehen.

Du spielst schon seit fast 30 Jahren Violine. Wie viel Zeit verbringst du noch mit Üben? Mit zehn Jahren hast du ja den ganzen Tag damit verbracht..
Stimmt, es war wirklich der ganze verdammte Tag!
Momentan habe ich abseits des Soundchecks und der Bühne gar keine Zeit zum Üben. Wir fahren im Bus, kommen an, sind in der Location, führen Interviews, dann kommt der Soundcheck und die Show. Deswegen bin ich so dankbar für die Zeit, die ich damals darin investiert habe, jetzt kann ich gut klingen, ohne vor dem Auftritt überhaupt aufgewärmt zu sein. Wenn ich nicht so hart geübt hätte, würde ich das nicht können!

Du hast immer gerne geschrieben, es gibt bereits zahlreiche Gedichte von dir. Mittlerweile kam die Autobiografie „The Asylum For Wayvard Victorian Girls“ dazu. War die Veröffentlichung für dich ein großer Schritt? Immerhin ist es doch auf eine andere Weise persönlich als deine Songtexte..
Das ist wahr! Hinter Texten kann man sich immer irgendwie verstecken, sagen, dass es nicht so gemeint ist, dass es eine Metapher ist oder gar nicht von mir handelt… Mit dem Buch gab es einen kurzen Moment in dem ich ein wenig Furcht hatte und unsicher war, ob ich das wirklich machen will, so viel preisgeben. Ich wusste ja nicht, wie viele Menschen das Buch kaufen und lesen würden.
Das hielt aber nicht lang an, denn ich hatte nicht das Gefühl, ich könnte etwas verlieren! Ich habe keine Familie, die ich beschützen muss oder beschämen könnte und keinen Ruf zu verlieren. Offiziell gelte ich schon als verrückt, als psychisch krank, da gab es also nichts zu verlieren. Das könnte sowieso jeder leicht herausfinden. Daher war es leicht so offen zu sein, denn nichts ist so wichtig, dass man nicht hundertprozentig ehrlich sein kann. Vor allem mit Kunst, finde ich, profitiert man mehr davon, als dass es einem schadet. Vor fünf Jahren kamen wir das erste Mal nach Europa und waren erfolgreich, lange bevor Amerika sich für uns interessierte. Ich denke der Grund dafür ist, weil alles so aufrichtig und persönlich ist! Die Leute wissen unterbewusst, dass was sie hören sehr real ist, auch wenn sie nicht wissen, dass es hundertprozentig wahr ist.

Neben Sängerin, Songwriterin, Violinistin & Autorin kann man dich nun auch Schauspielerin nennen – du spielst im bald erscheinenden „Devil’s Carnival“ mit. Wie war diese neue Erfahrung für dich?
Es war Wahnsinn! Ich habe nie versucht eine Schauspielerin zu sein, ich bin sehr beschäftigt mit dem, was ich tue und das ist meine Leidenschaft. Aber es hat viel Spaß gemacht und war eine großartige Lernerfahrung!
Es ist ein Musical, das war sehr ansprechend. Darren Lynn Bousman and Terrance Zdunich haben die Welt geschaffen und die Musik geschrieben. Sie sind wahre Künstler und machen all das so wie ich, mit ihrem eigenen Geld, vollkommen unabhängig von irgendjemandes Hilfe. So wurde ich persönlich involviert, weil ich gut nachvollziehen kann, was die beiden versuchen auf die Beine zu stellen. Sie haben einen ganzen Karneval aufgebaut, mit einem riesigen Zirkuszelt und allem Drum und Dran. Wir haben Schausteller und einen großen Zirkusring in der Mitte, in dem ich einen fantastisch-dramatischen Song als meine Figur singen darf, die eine der Hauptcharaktere ist. Sie heißt “The Painted Doll” und es hat eindeutig einen Grund, dass sie in der Hölle ist. Ich darf viele böse Dinge machen! Am meisten freue ich mich jedoch darauf, wenn die Leute sehen, dass ich als Emilie Autumn fast nicht zu erkennen bin! Ich musste meine Haare blond färben und saß jeden Tag ca. fünf Stunden in der Spezialeffektmaske, damit sie mich in diese Puppenfigur verwandeln konnten. Sie hat ein Glasauge und die Hälfte ihres Gesichts besteht aus zerbrochenem Porzellan. Sie ist eine ungeheuerliche Gestalt und gleichzeitig wunderschön, das führt zu komischen Reaktionen.

Die Tour trägt den Titel deines neuen Albums „Fight Ilke A Girl“. Was können die Fans erwarten?
Meine Lieblingsfrage! Denn jetzt kann ich über die Musical Produktion reden, die all das bald werden wird! Meine Musik war nie richtige Rockmusik, aber sie ist es jetzt noch weniger. „Fight Like A Girl“ klingt sehr filmisch und symphonisch und war immer als Soundtrack für das Projekt gedacht, das ich erarbeite, mit dem Ziel 2014 weltweit zu debütieren! Es ist eine große Sache und wird mich sicher anderthalb Jahre kosten, den Rest zu komponieren. Das Album und die Show sind nur ein kleiner Teil eines kompletten Musicals mit drei Stunden Spiellänge und 40 Schauspielern zu dem sich das Buch entwickelt!
Die Show jetzt ist schon wie ein Theaterstück mit einer kurzen Geschichte von Anfang bis Ende. Wir haben den Kampf, das Teaparty Massaker, den Krieg und am Ende steht die Frage, was wir hier machen und wie es weitergeht. Die Antwort ist zur Abwechslung eine sehr positive. Es wird verrückt und ein Heidenspaß, wir haben so viele neue Dinge zu präsentieren!

Ist schon ein Releasedatum festgesetzt?
Es gibt einen Releasemonat und das ist Juni, also kurz, nachdem wir von Tour kommen. Es ist zwar schon fertig, doch ich wollte es diesmal umgekehrt machen; erst touren, dann das Album veröffentlichen. Ein paar Leute kennen die neuen Songs natürlich durch Youtube oder ähnliche Seiten, aber nicht zu dem Grad, zu dem sie die alten kennen. Deshalb hören sie genauer hin und das führt zu einer intensiveren emotionalen Reaktion als in der Vergangenheit. Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist, es ist überwältigend! Ich bin so dankbar für die Plague Rats und jeden, der dieses Projekt zu dem gemacht hat, was es ist und was es bald wird!

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