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Frequency 2012: Part 1

Frequency 2012: Part 1

Am 15. August startete wieder die Völkerwanderung nach St. Pölten zum FM4 Frequency. Das Line Up war grandios, die Erwartung hoch und die Vorfreude gigantisch. Hier die Erfahrungen vom Welcome Day und Tag 1.

Welcome Day

2012 wurde das Frequency um einen Tag erweitert und es spielten zum ersten Mal auch Bands am „Welcome Day“. Kaum hatte man sich durch die ewig lange Schlange am Eingang gekämpft, um sein Bändchen abzuholen, schon wurde auch das Festivalgelände betreten, denn Cro begann pünktlich um 16:15 Uhr. Die Stimmung war gleich ab dem ersten Song spitze, doch die Technik im Arsch. Cro versuchte mit einem Witz, der so alt und schlecht ist, dass er schon wieder witzig ist, die Wartezeit bis die Techniker die Mängel behoben haben, zu verkürzen. Nach ungefähr zehn Minuten ging’s weiter und alles war wieder in Ordnung. Was folgte waren epische Tanzbattles zwischen Panda und Gorilla, Entkleidungen und Umarmungen unter den Fans und Cro’s Superhit „Easy“.

Ed Sheeran bewies später im Alleingang, dass man auch mit einer akustischen Gitarre extrem abgehen kann. Danach waren The Black Keys aus Ohio drauf und dran dem Publikum einzuheizen. Der Sound war einmalig, vor allem bei den schwer verzerrten Riffs von Dan Auerbach. Headliner des Welcome Day waren The Killers, die wirklich all ihre Hits, wie „Mr. Brightside“, „Human“, „For Reasons Unknown“ zum Besten gaben. Auch wurde die Alphaville Hymne  „Forever Young“ gecovert und klingt – ja, das wage ich zu behaupten – mit Brandon Flowers Stimme beinahe sogar besser als das Original. Nach knappen zwei Stunden beendeten The Killers mit „When You Were Young“ ihren fulminanten Auftritt und hinterließen ein hochzufriedenes Publikum.

Donnerstag

Schweißgebadet und nach Luft ringend wird man morgens von den Treibhaustemperaturen im Zelt geweckt und fragt sich als erstes wer wohl diese Person ist, die da neben einem liegt, bis man irgendwann realisiert, dass man gar nicht im eigenen Zelt liegt. Man sammelt seine sieben Sachen, versucht irgendwas gegen die fortgeschrittene Mundaustrocknung zu unternehmen und findet Hilfe in Form eines Gerstensaftes und der Spaß beginnt wieder von vorne. Ein typischer Morgen auf einem Festival. Spätestens gegen Mittag haben die meisten Besucher ihre Motivation wieder gefunden und auf dem Campingplatz ist wieder Party angesagt.

Um halb zwei eröffneten Friends vor geschätzten fünfzig Leuten den ersten offiziellen Tag des Festivals und stellten mit ihrem ersten Österreich Auftritt ihr Debut Album „Manifest“ vor. Ganz besonders faszinierend ist die Stimme von Frontfrau Samantha Urbani: Egal ob mit ihren „Shh“ Lauten oder den unglaublich hohen und kurzen Schreien, die perfekt zu diesem Mix aus Indie und R&B passen. Diese Band sollte man unbedingt im Auge behalten. Die Besucheranzahl wurde immer größer und bei Kraftklub war der gesamte Wavebreaker schon komplett gefüllt. Wer Kraftklub noch nicht live gesehen hat, sollte dies so bald als möglich nachholen. Unglaublich, wie viel Spaß diese Band live macht. Die Leute sprangen, tanzten, schrien mit bei Texten wie „Ich will nicht nach Berlin“ oder „Scheißindiedisko“.

 

Auf Grund der Hitze versucht man sich in der Traisen abzukühlen, die gesäumt ist mit Festivalbesuchern in Campingsesseln und Bierdosen. Die einen nehmen fette Boxen mit, um auch abseits der Bühnen musikalisch versorgt zu sein, andere unterhalten die Menge indem sie den „Buckelwal“ vorführen, den ich jetzt nicht unbedingt genauer erläutern möchte, aber man kann sich schon ein Bild von der „Fontäne“ machen. Doch die meisten chillen einfach, weil genau dieses Gelände und diese Möglichkeit zum Abschalten das Besondere am Campingplatz des Frequencys ist.

Während die Sonne langsam unterging, ging Jan Delay so richtig auf und spielte, bei einer komplett durchchoreographierten Show, ein Gute-Laune-Medley mit bekannten Songs von Duck Sauce, Deichkind, Backstreet Boys und noch anderen bekannten Bands. Klar, dass bei Jan Delay alle Leute abgingen, auch wenn es eigentlich seit einer geraumen Zeit keine neuen Werke mehr gegeben hat. Auch besonders gut war der Auftritt von Lykke Li, die vor allem durch den Song „I Follow Rivers“ große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Gleich am ersten Tag gab es dann auch schon eine riesige Enttäuschung als Placebo nach nur einem Song („Kitty Litter“) auf Grund von gesundheitlichen Beschwerden von Brian Molko abbrechen mussten. Der Bassist Stefan Olsdal wusste zunächst nicht, was gerade passiert ist und sagt „I think I’ve lost my singer.“ Auch der Drummer Steven Forrest war darüber sehr überrascht, denn er improvisierte, während der Sänger von der Bühne stürmte. Die anderen Bandmitglieder folgten ihrem Frontmann und für zehn Minuten war Totenstille. Der Bassist Stefan Olsdal kam nochmal auf die Bühne, um in einem etwas gebrochenem Deutsch zu erklären, dass „sein Bruder und Sänger leider sehr krank sei und deshalb nicht spielen kann“. Mit dem Versprechen dies in einem Jahr wieder gut zu machen, verließ auch er die Bühne. Interessant war aber, dass Brian in kein Krankenhaus wollte und die Band gleich weiter in die Schweiz fuhr, wo sie einen Tag später spielten. Logischerweise buhten die meisten Fans, waren extrem enttäuscht und suchten Trost bei Paul Kalkbrenner. Hier ein großes Lob an das Sicherheitspersonal, denn die riegelten mit einer Menschenkette sehr schnell den Bereich um die Green Stage ab und verhinderten somit ein mögliches Chaos. Aber auch die Festivalbesucher verhielten sich in diesem riesigen Menschenstau sehr zivilisiert und so konnte der erste Tag friedlich, aber eben enttäuscht beendet werden.

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