Gisbert zu Knyphausen – Szene

Luis Pasching 19. März 2012 0

Gisbert zu Knyphausen machte auf seiner aktuellen Tour mit seiner Band in Wien Station. Diesmal nicht in den intimen Gürtelklubs, wo er bis dato gastierte und sich seine stetig wachsende Zuhörerschaft erspielte, sondern in Simmering, in der Szene.

Der Meister des kultivierten Weltschmerzes, in Worte und Musik gefasst, gastierte an einem lauschigen Sonntag in einer vollen Szene. Gisbert zu Knyphausen, der auf den klingenden Namen Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen getauft wurde, und dessen Herkunft von ostfriesischem Uradel zeugt, vermochte es, mit nur zwei Alben sich tief in den Herzen seiner Hörschar zu verwurzeln. In seinen intimen und offen hinaus getragenen Songs, unter anderem über Liebe und deren Vergänglichkeit, schafft er es ein Sprachrohr für eine alternde Jugend zu sein, die sich in seinen Melodien und seinen Texten wieder findet.

Den Anfang des Abends gestaltete Herr Steffen, seines Zeichens Leadsänger der Kieler Band Staring Girl. Steffen Nibbe, die meiste Zeit nur mit Gitarre und Mundharmonika bewaffnet, ginge eigentlich fast als Gisberts Zwillingsbruder durch. Akustikgitarre, graues H&M Hemd, sparsam instrumentierte Songs. Staring Girl konnte sich an diesem Abend bestimmt über eine neue Anhängerschar freuen.

Pünktlich um 21.30 stand dann der eigentliche traurige Held des Abends auf der Szene Bühne gemeinsam mit seiner Altherrenkombo. Der Sticker auf Gisberts Akustikgitarre verkündete „Musik ist Scheiße“ – davon war an diesem Abend nichts zu merken. Präsentiert wurden vorwiegend Songs aus dem 2010 erschienenen zweiten Album „Hurra! Hurra! So nicht“ die vom Publikum besonders anfangs zwar wohlwollend aber doch zurückhaltend registriert wurden. Der Funke mochte gerade zu Beginn der Show noch nicht ganz auf den vollen Saal überspringen. Doch bei Zeilen wie „Wir fühlen uns trostlos, gelangweilt und oh so verprellt von der Liebe und den tanzenden Menschen“ gab es dann kein Halten mehr, man konnte förmlich die Emotionen im Saal riechen und sogar die eine oder andere Träne würde im Augenwinkel zerdrückt.

Nach dem letzten Song gab es minutenlangen Applaus der die Band zurück auf die Bühne zwang. Und selbst damit war nicht genug, als die Lichter schon fast angingen betrat Gisbert noch mal die Bühne und sang den letzten Song des Abends allein mit Gitarre – wohl der musikalisch reduzierteste und deshalb magischste Moment des fast zweistündigen Sets.

Gisbert zu Knyphausen hat es geschafft sich seinen bubenhaften, scheuen und kauzigen Charme zu bewahren – man nimmt ihm einfach ab was er sagt. Vor ein paar Jahren fragte ich ihn mal nach seinem Auftritt im B72 wie er es schaffe einen Soundtrack zum Leben so vieler ihm unbekannter Menschen zu verfassen, mit Songs die passender nicht sein könnten. Er blickte nur schüchtern lächelnd auf den Boden und raunte ein „Danke“.

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