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Graveyard – Arena Wien

Graveyard – Arena Wien

Rock ‘n‘ Roll! Besser lässt sich der Abend am 13.12.2012 in der Arena Wien nicht beschreiben. Da bewies nämlich die schwedische Band Graveyard in unglaublich guter Manier, dass die 70er im Jahr 2012 doch noch am Leben sind.

Die fast ausverkaufte Arena bot den zahlreichen Besuchern einen nahezu perfekten Schauplatz, die trotz der herrschenden Kälte draußen sehr guter Dinge waren und sich schon im Vorhinein für das ein oder andere Luftgitarrensolo aufwärmten. Das Publikum war überraschend bunt gemischt – vom bärtigen Lederjacken-Metaler bis hin zum Hipster war alles vertreten und in freudiger Erwartung auf den Hauptact vereint.

Richtig Feuer fing die Menge dann zum ersten Mal als Spiders die Bühne betraten und mit unglaublicher Motivation ihrem Handwerk nachgingen. Die Power die die vier Schweden ausstrahlten, schwappte ohne Umwege auf die Anwesenden über und für viele gab es jetzt schon kein Halten mehr. Hervorzuheben ist hier vor allem ihr Gitarrist John Hoyles der nahezu perfekt spielte und nicht einmal kurz eine zweite Gitarre vermissen ließ. Selbst kleinere technische Probleme konnte diese Truppe nicht bremsen und so haben sich Spiders mit Sicherheit an diesem Abend einige neue Fans hinzuverdient.

Schade nur, dass man durch eine unverständlich lange, 45 minütige Umbauphasen die eben hergestellte ausgelassene Atmosphäre fast schon grob fahrlässig zum Erliegen brachte. Der Unmut stand nach einer halben Stunde vielen Gästen schon ins Gesicht geschrieben und die Ungeduld wurde von Minute zu Minute größer. Es sollte aber zum Glück der einzige größere Wermutstropfen bleiben.

In dem Moment als dann die Sirenen ihres Opening Tracks „An Industry Of Murder“ des letzten Albums „Lights Out“ ertönten und diese moderenen Giganten des Heavy/Hard Rock die Bühne enterten war alles Negative sowieso vergessen. Graveyard beeindruckten von der ersten Minute an. Den Fokus legten sie zwar eher auf ihre jüngeren beiden Alben, das störte dank der außergewöhnlichen Qualitätsdichte ihrer Werke aber in keinster Weise. Spätestens beim zweiten Song „Hisingen Blues“ musste man sich dann selbst immer mal ertappen, wie man genussvoll die Augen schloss. Die Soundqualität war sehr stark davon abhängig, welchen Platz man im Veranstaltungsraum innehatte. Das reichte von ausgezeichnet bis übermäßig Bass-lastig. In manchen Fällen wie zum Beispiel beim sehr schweren, bluesigen „Hard Times Lovin‘“ erzeugte aber gerade dieser Sound eine unglaublich intensive Atmosphäre.

Eigentlicher Höhepunkt des Konzerts war die erste Nummer der Zugabe „The Siren“. Vor allem das Spiel mit Lautstärke und Intensität, das viele moderne Bands leider nicht mehr beherrschen, war beeindruckend gefühlvoll. Überhaupt musste man sehr oft aufhören zu hören und einfach nur mehr fühlen. Obgleich alle Akteure brillant spielten, stach insbesondere Schlagzeuger Axel Sjöberg heraus der an diesem Abend seinem Instrument wahrlich Leben einhauchte.

Insgesamt gesehen fällt es bei diesem Auftritt sehr schwer, irgendetwas zu bemängeln. Einzig die relativ kurze Spielzeit von nur einer Stunde und fünfzehn Minuten waren etwas enttäuschend. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Ausnahme-Band bald wieder nach Österreich kommt.

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David Hametner

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.“ – Friedrich Nietzsche

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