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Parov Stelar im Interview

Parov Stelar im Interview

Parov Stelar zählt zu den bekanntesten Exports, die Österreich in der letzten Dekade hervorgebracht hat. Wir trafen den sympathischen Linzer und plauderten über seine Amadeus Nominierung, sein neues Album und peinliche Tour Erlebnisse.


Gleich mal zu Beginn eine Frage, die dir bestimmt in jedem Interview gestellt wird: Warum der ungewöhnliche Name Parov Stelar?

(lacht) Weil Hansi Hinterseer schon vergeben war. Nein, jetzt mal ernsthaft: Ich verstehe nicht, warum da jeder Wert darauf legt. Es ist einfach ein erfundener Name und hat keine Bedeutung.

Du giltst als Pionier des Elektroswing. Wie kam die Idee, Jazz aus den 20ern und 30ern mit elektronischen Beats zu mixen?

Die Idee war ja nicht komplett neu. Es gab damals schon einige Songs aus dieser Richtung, aber es hat eben niemand diesen Stil weiterverfolgt. Bei mir war das eher ein Unfall. Ich komme eigentlich aus dem Minimal Bereich und habe damals einen Billie Holiday Sample gelooped, während nebenbei eine Platte von Studio One lief und das hat irgendwie geil zusammengepasst. Ich habe da nichts geplant und „Kiss Kiss“ wurde dann ein super Erfolg. Danach hatte ich ein Interview für eine französische Zeitung, die nach dem Genre fragten. Ich sagte, das sei eine Mischung aus Swing und Electronic und ein Jahr später kam eine Compilation namens „Electroswing“. Vielleicht hätt ich den Namen schützen lassen sollen. (lacht)

Warum hast du dich dazu entschieden, ein eigenes Label zu gründen?
Ich habe meine Tracks zu verschiedenen Labels geschickt, doch keiner konnte etwas damit anfangen. Also hab ich dieses Label aus einer Not heraus gegründet. Ich musste viel Geld investieren und viel lernen.

Hat sich aber ausgezahlt. Wie entsteht bei dir ein Song?
Ich bin kein klassischer Songwriter. Bei mir ist das eher wie bei einem Maler: Man hat eine Grundidee, aber ich baue auf Beats und Samples auf. Da kann es schon passieren, dass ich über mehrere Wochen kein passendes Sample finde. Wenn ich dann mal einen gefunden habe, dann weiß ich noch immer nicht, wo die Reise hingeht. Es ist nichts geplant. Würde mir aber auch nicht gefallen.

Du bist dieses Jahr zum dritten Mal für den Amadeus Award nominiert (Kategorie Electronic/Dance). Eine Ehre, oder ist dir das eigentlich egal?
Natürlich ist das eine Ehre, denn anscheinend gibt’s da draußen Menschen, die diese Musik mögen. Ich find das großartig. Schauen wir mal, was dabei herauskommt.

Am 20. April kommt deine neue Platte „The Princess“ auf den Markt. Bei deinem letzten Album „Coco“ hast du alles aufgeteilt. Auf der einen Seite „Listening“- und auf der anderen „Club“- Tracks. Der erste Vorbote des neuen Albums „Jimmy’s Gang“ geht Richtung Club, doch wie wird das Gesamtwerk dann aussehen?

Es ist vom Ansatz und Konzept her ähnlich wie „Coco“, denn es hat sich gut bewährt, diese zwei Stilrichtungen zu trennen, aber in einem Werk zu präsentieren. Live performen wir ja eher CD2, also die Clubsongs. CD1 ist der ganz alte Parov Stelar, der auch abseits vom Club funktioniert. Die Woche hat sieben Tage und davon sind nur zwei Tage Wochenende. Doch auch für die anderen Tage gehört Musik geschrieben. Außerdem mache ich auch gerne Musik für Bilder oder Filme. Meine Musik wird auch immer mehr für Werbungen verwendet.


Wie zum Beispiel für das Casino „Cosmopolitan“ in Las Vegas, die für eine ihrer Werbungen deinen Song „Booty Swing“ verwenden. Also wie man sieht, habt ihr international einen wahnsinnigen Erfolg. Es heißt ja immer, dass man es als österreichischer Musiker ziemlich schwer hat, im Ausland etwas zu erreichen. Wie hat das bei dir funktioniert, dass du weltweit so beliebt bist?

Ich denke es ist auch schon schwer genug, als österreichischer Musiker in Österreich bekannt zu werden. Wir haben irgendwie das Glück, das wir nicht als österreichische Band gesehen werden. Wir bekommen sogar ab und zu von heimischen Booking Agenturen Anfragen auf Englisch, weil die einfach nicht wissen, dass wir eh Österreicher sind. Ich hab von Anfang an versucht, Parov Stelar in einer Internationalität zu bewegen und das hat irgendwie gut funktioniert.

Was würdest du jungen Musikern aus Österreich, egal welchen Genres, raten, um musikalisch weiterzukommen?
Man sollte sich schon an anderen Acts orientieren, allerdings sollte man, wenn man wirklich weiterkommen will, in seiner eigenen Musik etwas finden, was einzigartig ist. Man braucht einen Wiedererkennungswert. Das ist zwar das Schwierigste am Musik machen, doch es war letztendlich das, was mir weitergeholfen hat, weil es dieses Genre noch nicht gegeben hat. Im Endeffekt solltest du einen Scheiß darauf geben, was gerade modern ist und darauf hoffen, dass deine Musik in zehn Jahren noch immer erfolgreich ist.

Da ihr ja ziemlich viel auf Tour seid, zum Schluss noch: Was war dein peinlichstes Tour Erlebnis?
Das peinlichste Tour Erlebnis? Puh…  Ich wollte mal winkend nach einem Auftritt von der Bühne runterspringen und hab übersehen, dass genau dort eine Glaswand dazwischen war. Tja, und da bin ich direkt reingesprungen. War sicher keine schöner Abgang, aber das zählt sicher zu den peinlichsten Sachen (lacht).

Die letzten Worte gehören dir:[audio: http://www.enemy.at/wp-content/uploads/2012/04/parovstelar.mp3]

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