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The Gaslight Anthem im Interview

The Gaslight Anthem im Interview

Für ihre letzten drei Alben sind die Jungs aus New Jersey von Kritikern hochgelobt worden. Am Nova Rock trafen wir zwei von ihnen zum Interview und erfuhren einiges über ihr neuestes Werk, das am 24. Juli erscheint.

Ihr spielt heute am größten Rockfestival Österreichs auf der Main Stage. Wie geht’s euch damit?
Alex: Es ist toll, wieder hier zu sein. Vor drei Jahren waren wir ja schon einmal hier. Das letzte Mal war es auch schon ein Riesenspaß.

Letztes Jahr wart ihr ja auch am Rock am Ring/Rock im Park. Was gefällt euch besser im Vergleich zu hier? Wo seht ihr die Unterschiede?
Benny: Naja eines davon ist in der Mitte einer riesigen Auto-Rennbahn. (grinst) Da weiß man gleich, wo man ist. Jedes Mal wenn wir da mit dem Bus reinkommen, will ich einfach nur Gas geben und so schnell fahren wies nur geht.
Alex: Ich bin die Strecke letztes Jahr sogar abgelaufen.
Benny: Du bist die Strecke abgelaufen?
Alex: Ja, am ersten Tag des Festivals gleich in der Früh, bevor alles angefangen hat.
Benny: Nicht schlecht. Wie lang ist das?
Alex: Ich bin’s ja nur einmal gelaufen – nicht 250 mal oder so. Ich schätze so 5 km.

 

 

Habt ihr nach eurem Auftritt schon was vor?
Alex: Wir werden leider nicht sehr lange hier bleiben können, weil wir gleich zum nächsten Festival müssen. Also keine Party oder Ähnliches.
Benny: Bevor wir losfahren, werde ich versuchen, mir Refused anzuschauen und dann auf der anderen Bühne noch Rise Against, bevor wir fahren. Da kann ich mir wohl noch 30 Minuten anschauen und dann müssen wir schon nach Münster fahren.

Also keine Party heute. Macht ihr überhaupt Party und wenn ja, wie?
Alex: Wir sind eigentlich nicht so die Party-Tiere. Normalerweise hängen wir nur bei ein paar Bier ab.
Benny: Wir sind jetzt nicht wie Mötley Crüe mit wilden dekadenten Partys und dergleichen …

… keine Fernseher aus dem Fenster also?
Alex: Naja ein, zwei Fernseher hab ich schon zerstört in meinem Leben. (grinst)
Benny: Ich werde da immer extrem sauer auf alle, wenn so etwas passiert. Ich geb’s zu, ich bin die Spaßbremse in der Band. (grinst)

Jetzt mal eine ernste Frage. Wie zufrieden seid ihr mit eurem Präsidenten Barack Obama? Glaubt ihr, er wird wiedergewählt?
Alex: Ich für meinen Teil interessiere mich kein bisschen für Politik. Mir ist das ziemlich egal.
Benny: Mich interessiert es schon. Ich habe das erste Mal für Obama gestimmt und habe vor, es wieder zu tun. Zugegeben, die Alternativen sind aber auch sehr begrenzt und nicht sehr zufriedenstellend. Wir haben uns als Band darauf geeinigt, solche Themen eher außen vorzulassen, weil die eher dazu neigen, die Leute auseinander als zusammenzubringen. Uns geht’s aber genau darum, mit der Band die Leute zusammenzubringen und zu bewirken, dass sie Spaß haben. Jeder von uns hat seine eigene Ansicht zur Politik, aber ich werde nicht über meine Musik versuchen, andere Leute von meiner Meinung zu überzeugen. Dasselbe gilt natürlich auch für Religion. Das sind die zwei besten Themen, um eine Unterhaltung zu ruinieren. (grinst)
Alex: Ich glaube, das sind aber nicht die Themen, die die Unterhaltung zerstören, sondern sture und intolerante Menschen, mit denen man sich darüber unterhält.

Wie ihr sagt, geht’s euch darum die Leute zusammenzubringen. Ist es das, was Rock ‘n‘ Roll für euch ausmacht?
Benny: Witzig, dass du mich das gerade heute fragst. In der Früh erst hab ich eine Nachricht von einem Freund bekommen, der gerade mit seiner Arbeit sehr frustriert ist und mir geschrieben hat, dass ihn nur die Musik durch den Tag bringt. So etwas bewegt mich immer besonders, denn Musik hat viel Kraft. Ich war in der Schule ein dickes Kind mit Zahnlücke und hab mich immer ein bisschen wie ein Ausgestoßener gefühlt, bis ich Rock ‘n‘ Roll und Punk Rock entdeckt habe. Das hat mich alles Schlechte vergessen lassen. Mir hat Rock ‘n‘ Roll eine Art Zuhause gegeben.
Alex: Musik hat viel Macht. Sie kann bei dir die komischsten Gefühle auslösen. Sie bringt die Leute zusammen und schafft es, dass sie, wenn auch nur für kurz, innehalten und gemeinsam etwas Wundervolles genießen. Etwas Mystisches haftet immer noch an Musik. Das ist der Grund, warum ich diese europäischen Festivals so liebe. Unzählige Genres von Rock ‘n‘ Roll sind hier vertreten und alle haben die Gelegenheit, was Neues kennenzulernen.

 

Euer neues Album heißt Handwritten. Ist es mehr „handgeschrieben“ als die Anderen?
Alex: Irgendwie schon. Brian hat alle Songs in ein kleines Notizbuch geschrieben und es Monate lang mit sich herumgetragen. Außerdem gibt’s einen Song auf dem Album, der Handwritten heißt. Macht also Sinn.
Benny: Man kann den Titel durchaus wörtlich nehmen. Schlagzeug-Noten hab ich allerdings keine geschrieben. Weiß ich gar nicht, wie das geht. (grinst)

Also, was wird uns erwarten, wenn wir es uns anhören?
Benny: Ich würd‘ mich schlecht fühlen, wenn ich dir jetzt sagen würde, es ist das Beste, das wir jemals gemacht haben. (grinst) Aber im Ernst, ich finde es ist ziemlich gut geworden. Andererseits kaufen auch 20 Millionen Menschen Justin Bieber Alben, also wer bin ich zu sagen, was gut oder schlecht ist. (lacht)
Alex: Ich bin ziemlich stolz auf das neue Album. Ich finde auch, dass es das Beste bis jetzt ist. Das neueste sollte aber auch immer das Beste sein, da man sich weiterentwickeln sollte. Vielleicht wird es nicht das beliebteste Album, aber ich finde es ist jedenfalls das Beste.

Angenommen, die Welt geht wirklich im Dezember unter, wie einige glauben. Was wäre der letzte Song, den ihr hören wollt?
Benny: Mann, das ist eine ziemlich schwere Frage.
Alex: Ich nehme „Do You Realize“ von The Flaming Lips. Der Song trifft‘s einfach genau. Alles ist relativ und jeder stirb halt einmal. Das würde gut zum Weltuntergang passen.
Benny: Dann nehme ich „Immigrant Song“ von Led Zeppelin. Einfach eine massive Rock ‘n‘ Roll Nummer. Ich würde nicht zu viel nachdenken, sondern abgehen bis zum bitteren Ende. Was sollte man da auch noch groß herumdenken? (grinst)

Danke für das Interview und viel Spaß bei eurem Auftritt später.

Ab 20.7. im Plattenladen deines Vertrauens!

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David Hametner

„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehen, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird.“ – Friedrich Nietzsche

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