Home   /   Interviews  /   Travis Pastrana im Interview

Travis Pastrana im Interview

Travis Pastrana im Interview

Kaum stand der Termin für die erste Nitro Circus Live Show in Wien fest, war er schon wieder ausverkauft. Travis Pastrana und sein Team sind heiß begehrt! Grund genug für uns, den sympathischen Amerikaner vorab mit Fragen zu löchern.

 

Von 2006 – 2009 gab es Nitro Circus im TV, mittlerweile ist es eine Liveshow. War das alles deine Idee?
Travis: Nitro Circus war schon immer eher eine Mentalität als alles andere. Wir sind ein Haufen von Leuten, die sich selbst vorantreiben, Spaß haben wollen, die Welt bereisen. Über die Jahre sind wir zu einer immer größeren Familie gewachsen. Angefangen hat das alles bei mir zu Hause aus reinem Spaß. Dann kam die DVD, dann die Serien im Fernsehen – es hat sich alles aufgebaut und wurde immer größer.

Wie kam es dann zur Live Show?
Die Live Show wollten wir erst machen, als wir das Gefühl hatten, etwas Einzigartiges auf die Beine gestellt zu haben. Wir bringen so viele verschiedene Sportarten in eine Arena! Wir haben also angefangen mit der Gigant-A-Ramp zu arbeiten, mit Dreirädern, rollenden Kühlboxen, Barbiejeeps, bis wir dachten; ‚okay, der Zirkus kommt ins Rollen‘. Der Name Nitro Circus war eigentlich eher ein Witz, anfangs haben wir ihn nicht wirklich gemocht. Aber es ist halt genau das. Und jetzt ist es wahrhaftig ein reisender Zirkus aus den weltbesten Stuntfahrern und Mechanikern!

Musstest du die Crew denn erst von der Live Show überzeugen?
Travis: Wenn in unserer Gruppe jemand mit einer neuen Idee ankommt, sagen wir erst mal “ja Mann, was auch immer”. Aber wir geben einander Chancen, denken über alles nach. Wenn wir mehr miteinander abhängen können, freuen wir uns!

Du hast natürlich viel Erfahrung mit Stunts vor Publikum. Fühlt es sich trotzdem anders an, als beispielsweise bei den X-Games, weil es „deine“ Show ist – du mitreden kannst, wie alles aufgebaut wird?
Travis: Auf jeden Fall! Bei den X-Games mach ich mir nicht über die Show Gedanken. Da denk ich nur darüber nach, wie ich mein Bestes geben kann mit dem, was ich habe.
Bei Nitro Circus Live können wir die Bedingungen ändern, um die Show besser zu machen! Wenn jemand einen triple Backflip auf einem Fahrrad machen will, schieben wir halt die Rampe zurück, damit er mehr Platz hat. Wir können mit so viel arbeiten. Sind wir bei einem Trick nicht sicher, ob wir landen, bringen wir halt noch mehr Polsterung. Es nimmt etwas vom Risikofaktor, aber wir können der Menge zeigen, was möglich ist! Wir wollen alles sicherer machen, aber auch größer und besser!

Wie ist die Stimmung backstage, bevor die Show losgeht?
Travis: Es herrscht absolutes Chaos! Jeder sagt, das ist als würde man einen Sack Flöhe hüten! Alle sind aufgeregt, rennen wild herum. Mir tun die Stadien dann immer leid, alle fahren Skateboard und machen wallrides. Aaron (Fotheringham, Anm. d. Red.) folgt mit seinem Rollstuhl und versucht, die Stufen runterzukommen… überall ist unser Spielplatz.

Das ist das erste Mal, dass ihr die Show nach Europa gebracht habt. Habt ihr bestimmte Erwartungen?
Travis: Wir wollten schon immer nach Europa kommen, aber wir wollten auch, dass die Show sich halten kann. Anfangs haben wir viel geredet und den Zuschauern erklärt, was passiert. Wir wussten noch nicht so recht, wie wir die Show am besten aufziehen. Im letzten Jahr haben wir dann ein Format entwickelt, das funktioniert.
Dann war ich wegen der Sprachbarriere etwas besorgt, aber wir haben mittlerweile die richtigen Personen am richtigen Platz. Jetzt haben wir, denke ich, eine Show, die hier gut ankommen wird. Das Besondere und Tolle ist, dass jeder Abend einzigartig ist! Manche Leute machen verschiedene Tricks an unterschiedlichen Abenden, auch neue, die sie nie zuvor probiert haben. Du weißt also nie, was das Highlight sein wird, das ist von der Show abhängig! Wer für die Stürze in die Show kommt, bekommt die und wer die gelungenen Stunts sehen will, bekommt das auch!

Du hast es schon gesagt, ihr springt wirklich mit allem, das irgendwelche Räder hat. Mal ehrlich, gibt es noch was, dass ihr nicht versucht hab?
Travis: Wir haben schon alles ausprobiert. Unser Ziel für jede Show ist es, neue Stunts zu erfinden. Viele von ihnen funktionieren nicht, aber manche schon und das überrascht dann – in jedem Fall ist es Unterhaltung. Auch für uns ist das riesen Spaß!

Neuerdings fährst du in der Nascar-Serie. Siehst du dich langfristig in Rennserien, Nascar oder z.B. der Formel 1, die nun wieder ein Rennen in den USA hat?
Travis: Es ist echt toll, die Formel 1 wieder in den Vereinigten Staaten zu haben! Nascar ist aber so groß in den USA, dass kaum jemand andere Rennserien verfolgt. Es ist echt interessant diesen Blickwinkel hier zu haben und dann wieder zurück zu kommen nach Amerika, wo die Menschen nicht wissen, wer Michael Schumacher ist. Ich denk mir nur, ‚Wie ist das möglich?‘.
Ein Formel 1 Fahrer bin ich denk ich keiner. Die Typen sind Perfektionisten – ich bin Rallyefahrer. Ich versuche das Unkontrollierbare zu kontrollieren, wohingegen die Formel 1 sehr präzise ist.
Für mich ist die große Herausforderung jetzt, mit dem Straßenbelag klarzukommen. Den Dreck bin ich schon von klein auf mit dem Motocross gewohnt. Mit dem Asphalt hatte ich bisher noch zu kämpfen. Aber ich nehme das alles sehr ernst.

Gerade hast du deinen 29. Geburtstag gefeiert. Alles Gute nachträglich!
Travis: Ich habs bis 29 geschafft, das ist gut! (lacht)

Du bist schon lange im Geschäft und hast alles erreicht, was man erreichen kann. Hast du irgendwann das Gefühl zur Ruhe zu kommen?
Travis: Ja und nein. Ich habe die Dinge definitiv runtergefahren. Motorcross und Freestyle fahren ist immer noch ein Teil von mir, wenn ich die Gelegenheit habe, fahre ich jeden Tag. Was das Konkurrieren angeht, werde ich wohl wie Danny Way. Alle paar Jahre arbeitet er auf etwas zu, er baut z.B. eine Rampe, um über die Chinesische Mauer zu springen. Oder so wie Felix Baumgartner, der Jahre an diesem Projekt verbracht hat, um sicherzugehen, dass er alles versteht.
Mein Fokus liegt jetzt auf dem Rennfahren und Nitro Circus, aber irgendwann werd ich mich sicher noch mehr Ausruhen und in der Nase bohren.

Wenn es früher oder später so weit ist, was machst du dann? Hast du andere Leidenschaften?
Travis: Mit dem Nitro Circus 3D-Film schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Es wäre echt toll einen richtigen Spielfilm zu drehen, einen mit Drehbuch. Ich liebe es vor einer Menge aufzutreten, sie zum Lächeln und Staunen zu bringen. Man sieht wie enthusiastisch die Menschen die Nitro Circus Show verlassen, das ist ein großartiges Gefühl! Also sollte ich irgendwann nicht mehr der Beste sein können, der Typ der Leute begeistern kann, dann wären Filme nett.

Du hast Felix Baumgartner gerade angesprochen. Es ist noch nicht lang her, dass er seinen Sprung von der Stratosphäre gewagt hat. Was denkst du als professioneller Stuntfahrer darüber?
Travis: Das war echt abgefahren! Ich glaube manche seiner Base-Jumping-Sprünge waren wahrscheinlich gefährlicher als der Sprung von der Stratosphäre. Aber so cool daran war, dass er ein Ziel hatte und die letzten Jahre nur das im Fokus hatte! Er und das Team haben so viel entwickelt; die Technologie für den Anzug, Dinge, die vorher niemand gemacht hat. Sie haben alles genau studiert, den Wind und die Atmosphäre und es ist klasse, dass Red Bull das finanziert und so möglich gemacht hat. Es war ein wirklich cooler Stunt!

Hättest du es gemacht, wenn Red Bull dich gefragt hätte?
Travis: Jetzt natürlich, wo er all die Arbeit hineingesteckt hat! (lacht)
Ich bin nicht so jemand, der so lange Zeit an einem Projekt arbeitet. Das ist eher die Ausnahme, nur bei bestimmten Dingen. Aber es war für ihn sicher wahnsinnig aufregend. Ich wäre während der Drehungen wahrscheinlich ohnmächtig geworden. Ich hätte irgendwann genug gehabt und sicher auch in meinen Helm gekotzt!

Vor einem Jahr hast du Lyn-Z
(Adams Hawkins Pastrana, Skateboarderin) geheiratet, Gratulation auch dazu!
Travis: Danke!

War die Hochzeit eher traditionell oder verrückt und wie war das erste Ehejahr?
Travis: Die Hochzeit war eher wenig traditionell. Wir sind eine Riesenfamilie, die Nitro Circus Crew zählt für uns dazu, dann haben sowohl Lyn-Z als auch ich noch einen Haufen Verwandte. Es waren also viele Leute, aber es war trotzdem eine private Feier. Street Bike Tommy stand am Ende nackt auf der Tanzfläche. Von allen Personen ist er wohl der Letzte, den man so sehen will! (lacht)
Es war eine schöne, ziemlich wilde Party und das erste Ehejahr war unglaublich. Alle fragen ständig, wie sich mein Leben verändert hat und ich sag dann immer; das hat es nicht! Denn ich habe jemanden geheiratet, der dieselben Dinge tut wie ich und denselben Lebensstil hat. Mit ihr ist das Verreisen nicht mehr so einsam. Egal wie weit weg du von zu Hause bist, da ist immer jemand, an den du dich kuscheln kannst, das ist eine schöne Sache.

Zu guter Letzt: Wann darf Andy Bell sich den Vokuhila abschneiden?
Travis: (lacht) Na ja, ich sollte zunächst ein Nascar-Rennen gewinnen, das hab ich noch nicht. Aber wenn noch ein weiteres Jahr vergeht, ohne einen Sieg von mir wird er sie wohl schneiden müssen oder seine Frau wird sich vielleicht von ihm scheiden lassen.

Ich glaube seine Frau wird ihn dazu zwingen müssen. Mir scheint ihm gefallen seine Haare mittlerweile sehr gut so!
Travis: Er liebt es! Er liebt es absolut! Er genießt es richtig durch den Flughafen zu laufen, weil er den Menschen Angst macht! Er ist ein großer Kanadier und ein richtiger Kerl dazu.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Shows in Wien. Die letzten Worte gehören dir!
[audio: http://k003.kiwi6.com/hotlink/58i5l1mbd2/pastrana_letzte_worte.mp3]

Am 24. November kommt der Nitro Circus nach Wien. Alle Infos dazu gibt’s hier!

Home   /   Interviews  /   Travis Pastrana im Interview

Tags

Related Article