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Two Days A Week Festival 2012: Part 1

Two Days A Week Festival 2012: Part 1

Ein Nachruf auf die Festivalsaison 2012. Und für diesen hat sich wie jedes Jahr alles angesagt was Rang und Namen hat. Unter anderem Social Distortion, In Flames oder Flogging Molly und enemy.at.

Auch der Wettergott zeigte sich rührselig ob des jähen Endes der Festivalsaison, sandte Regen über Regen und hinterließ eine schlammige, nasse Fanschar. Dave King, der Sänger der als Hauptact am Freitag spielenden Flogging Molly, bemerkte treffend: „It´s like fucking Ireland!“

Doch was wäre ein Festival ohne ein wenig Gatsch im Zelt und ohne versautes Schuhwerk. Und für die Akteure auf der Bühne hat Regen natürlich einen unbestreitbaren Vorteil: Die Leute sammeln sich alle zwangsläufig vor dem überdachten Bühnenareal und können auch von den früh spielenden Acts zwangsbeglückt werden. Hauptsache trocken, Hauptsache Bier.

So durften an beiden Tagen, gleichsam als Feigenblatt für die sonst spärlich vertretene österreichische Musikszene auf Festivals dieser Dimension, heimische Acts die Festivaltage eröffnen. Schade, dass hier auf Lokalmatadore zurückgegriffen wurde, die mit bierschwangeren und oftmals peinlichen Ansagen kein gutes Spiegelbild der heimischen Musiklandschaft abgaben. („Jetzt greift euchre Menscha auf die Töpf“ – Originalzitat Unavoidable). Da konnten auch die hübschen Jungs von Thirteen Days wenig retten, die am zweiten Tag bewiesen, dass nicht nur Schrott in heimischen Proberäumen gedeiht.

Der erste Festivaltag lieferte bereits um 15 Uhr sein erstes Highlight ab: Die mittlerweile seit knapp 20 Jahren im Geschäft tätigen Donots rissen Wiesen aus der Lethargie. Mit einer unglaublich energetischen Show brachte die Band rund um die zwei Knollmann Brüder das Gelände zum Kochen, das Publikum war nicht wieder zu erkennen und sang frenetisch jede Zeile mit. Um das Quintett musikalisch zu unterstützen, borgte man sich kurzerhand den Tastenmann von den H-Blockx aus, der sogar ein paar Zeilen mitsingen durfte. Mit ihrem beschrittenen Wandel zu einem eher poppigeren Sound haben die Donots einige ihrer Fans aus alten Tagen verloren, an diesem Freitag konnten sie bestimmt einige neue dazugewinnen.

Genauso positiv wie die Donots zu überraschen wussten, schafften es die H-Blockx innerhalb weniger Songs das Publikum zu enttäuschen. Musikalisch von jeher ein Abklatsch amerikanischer Vorbilder schafften es die Mannen rund um Sänger Henning immer mit ihrer unglaublichen Live Präsenz zu Überzeugen. Vom alten Zauber war leider wenig zu spüren, mit weißen Haaren und deutlichem Bauchansatz kämpfte sich Sänger Henning durch das 50 minütige Set und war sichtlich erleichtert als sein Job an diesem Tag erledigt war.

Als nächstes standen die Broilers auf der traditionsreichen Bühne in Wiesen, die erste Band des Two Days a weeks mit deutschen Texten. Und die erste Band die man am ehesten in die Punk-Schublade stecken konnte. Mit einem Bläsersatz, einem Gitarristen mit Irokesen Frisur und mit einer Frau am Bass kann eigentlich wenig schief gehen. Das textsichere Publikum in den ersten Reihen war wieder versöhnt.

Kaum Zeit zum Durchatmen, denn als nächstes stand eine Punk Allstar Band auf der Bühne – Me First and the Gimme Gimmes. Mit verpunkten Coverversionen von Klassikern der Musikgeschichte die zum Mitsingen faktisch zwingen, ekelhaften Haweihemden, wie gerade eben bei Kik erstanden, und weißen Flanellhosen blödelte man sich souverän durch das Programm und hinterließ eine fröhlich lachende aber heisere Menge.

Genug Tribut der Spaßfraktion gezollt, es folgte ein Generalumbau der Bühne, die Installationen zweier Keyboardburgen am Bühnenrand und ein erstes Kreischkonzert der Mädels in der ersten Reihe. Es war Zeit für Angels and Airwaves, die Band rund um  Sänger Tom DeLong, seines Zeichens Urgestein der Helden von Blink 182. Anders als bei seiner Stammband setzte man bei Angels and Airwaves stark auf Atmosphäre. Undurchdringliche Nebelschwaden durchzogen die Bühne, die in blaues, dunkelblaues und –  wenn der Lichtler mutig war –  sogar in hellblaues Licht getaucht war. Man verzichtete Großteils auf Ansagen und Gitarrist David Kennedy hatte frisch gewaschene Haare die er Karl Heinz Grasser mäßig im Wind wehen ließ. Trotz guter Songs und einer starken Performance kam nach einiger Zeit trotz einer beeindruckenden Show eine gewisse sphärische Fadesse auf, zu sehr ähnelten die Songs einander und erst bei ihren Hits wie „Everything´s Magic“ sangen wieder alle mit.

Dann war es Zeit für all die jungen Hüpfer die Bühne zu räumen, es war Zeit für ein Stück Punkrockgeschichte. Social Distortion hatten sich angesagt. Vor Verstärkerwänden wurde in Bühnenoutfits die direkt aus dem Film „Bonnie und Clyde“ stammen könnten gerockt was das Zeug hielt. Der Sound war großartig und zum ersten Mal wurde es richtig voll vor der Bühne. Gewinner des Abends war übrigens der verblichene Johnny Cash, dem sowohl Social Distortion als auch die H-Blockx mit einer Coverversion seines Klassikers Ring of Fire Respekt zollten.

Und dann fehlte nur noch der Stimmungsgarant Flogging Molly um den Festivalsack zu zu machen. Mit ihren irisch-amerikanischen Hymnen, unzähligen Musikern auf der Bühne und einem zu groß dimensionierten Backdrop rissen sie das Publikum mit sich und beendeten den ersten Festivaltag als würdiger Headliner.

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Luis Pasching

äähm, mir ist grad ein bisi schlecht

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