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Wenn London called…

Wenn London called…

Beim Studieren der Tourpläne der brandheißesten Acts sucht man oft vergebens nach einem Österreich Termin. Frei nach dem Motto „Wenn sie nicht zu uns kommen, kommen wir einfach zu ihnen“ ging es ab nach Amsterdam zu gleich elf Künstlern.

Nicht selten fragt man sich, ob bei der Tourplanung so mancher Acts Europakarten verwendet wurden, die statt unseres kleinen Landes ein Loch zeigen. Tja, wir werden es wohl nie erfahren. Tatsache ist, wer nicht aus Österreich rauskommt, verpasst so einiges. Aber wir haben auch einige Tipps für euch, welche Bands bald auch hier zu bewundern sind.

Das Event

Eine der besten Veranstaltungen, wenn man einen Mix aus relativ unbekannten, gehypten und schon länger für Furore sorgenden Bands genießen will, ist definitiv das London Calling in Amsterdam. Das zweitägige Festival findet zweimal im Jahr im legendären Paradiso statt. Wir waren am 18. Mai, dem ersten Festivaltag, für euch dabei und haben uns Austra, Citizens!, King Charles, Oberhofer, Grimes, BretonKassidy, Zulu Winter, Howler, Foe und Last Dinosaurs angesehen.

Die Bands

 

Wer sich jetzt fragt, wer der Herr in der rosa Kapuzenjacke ist, hat definitiv ein Update nötig. King Charles ist wohl einer der vielversprechendsten neuen Acts, der über kurz oder lang sicher auch in Österreich Anklang finden wird. Zugegeben normalerweise ist der Londoner eher in edlen Bühnenoutfits anzutreffen, aber sein Freizeitlook hat doch auch etwas. Der talentierte Charles fiel mir Ende des letzten Jahres zum ersten Mal auf, als MTV UK den zukunftsträchtigsten Artist bei Brand New for 2012 suchte. Er belegte den zweiten Platz und veröffentlichte am 7. Mai sein lang erwartetes Debütalbum „Loveblood“ – hierzulande allerdings leider nur als Download erhältlich. Auch live konnte er mit seinem Glam Folk – wer das Genre definieren will, sollte sich selbst einen Eindruck davon machen – überzeugen. Mit einer grandiosen Band im Rücken lieferte er den für mich wohl besten Auftritt des Abends.

Die positivste Überraschung des Festivals war die aus Glasgow stammende Band Kassidy, die gleich als Zweites auftrat und dank ihrer unglaublich guten Performance sehr viel Applaus einheimste. Auch wenn der Großteil des Publikums inklusive mir diese Band vorher nicht kannte, begannen viele mitzuwippen und Textteile mitzusummen. Sie legten ex aequo mit King Charles den besten Auftritt des Abends hin und hätten es sich verdient auch hierzulande gekannt zu werden.

Weiter gehts mit einer Band, die es sich zur Aufgabe gemacht hat Kunst und Musik zu vereinen.Bretonnennt sich ein Kunstkollektiv das mehr und mehr durch ihre Musik aufhorchen lässt. Man kann mit Genrebegriffen wie Post Rock, Electro oder einfach Art Rock durch die Gegend werfen, aber Fakt ist, wer seine Augen nicht öffnet und vor allem die Lauscher nicht aufsperrt wird nie erkennen wie wertvoll die Arbeit der BretonLABS wirklich ist. Auch live gibt es keine Kritikpunkte, also anhören.

Eine weitere Band, auf die ich einen Blick erhaschen konnte, war Citizens!. Man bekommt aufmunternden Indie-Rock mit einer gewissen Prise Retro geboten. Ihr Album wurde von keinem geringeren als Franz Ferdinands Frontman Alex Kapranos produziert und die Single „True Romance“ ist ein Internet-Hit. Und auch in Östereich kann man sie live erleben, denn sie beehren schon am 25.5.2012 – dem Tag ihres Album Releases – das Wiener Flex.

Eine andere Band, deren sehr sympathischen Sänger ich ebenfalls vor die Linse bekommen konnte, ist Zulu Winter. Kennt ihr nicht? Wird sich garantiert ändern. Die fünf Londoner werden als eine der Hoffnungen des britischen Indie gehandelt und stehen auf sämtlichen „Next Big Thing“- Listen. Selbst halten sie nicht allzu viel von solchen Titeln, sie machen einfach nur gerne Musik und das merkt man ihnen an. Der kleine Saal des Paradisos ist gut gefüllt, die Masse bewegt sich freudestrahlend zum Song „We Should Be Swimming“ und man hört von allen Seiten nur Wohlwollen. Fazit: Sollte man sich merken! Und Überraschung, Überraschung auch diese Herren werden wir noch dieses Jahr zu sehen bekommen, denn sie sind ebenfalls am diesjährigen Frequency zu finden.

Foe
war die erste Band des Abends und waren extra elf Stunden für ihren Gig angereist. Die Musik ist gut, keine Frage und Frontfrau Hannah Luise Clark besitzt eine schier wunderbare Stimme, jedoch wird man das Gefühl nicht los das hier etwas fehlt, das gewisse Etwas.

Irgendwie ist es schön zu sehen, dass es bei so einem Festival keinen klaren Headliner gibt, aber wenn man nach einem suchen will, ist es definitiv Austra. Die Band rund um Sängerin Katie Selmanis überzeugt mit feenhaften Synthie Pop Klängen und kann bei uns am 28.5. in der Arena bewundert werden.

Die wohl größte Enttäuschung des Abends waren Oberhofer. Die Band rund um den Kompositions Studenten Brad Oberhofer scheint seit ihrer Single „Away Frm U“ regelrecht gehyped zu werden und sie sind auch im diesjährigen Frequency Line-Up zu finden. Natürlich freute ich mich darauf sie schon mal vorab anhören zu können, doch die Freude verging schon nach den ersten Songs. Musikalisch nichts sonderlich Überzeugendes und vor allem die Livequalitäten des Sängers ließen zu wünschen übrig. Dennoch sollte man ihnen wahrscheinlich fürs Frequency noch eine Chance geben aber die Erwartungen eher niedrig ansetzen.

Genau das Gegenteil passierte mir mit Grimes. Anfangs konnte ich den Hype der Electrofans und der Magazine von New York bis Tokyo um die Kanadierin Claire Boucher nicht ganz nachvollziehen. Beim vorab anhören der Songs ging mir ihre immens hohe Stimme derart auf die Nerven, dass ich fast freiwillig darauf verzichtet hätte, sie mir anzusehen. Und genau das wäre mein größter Fehler gewesen, denn diese Frau ist großartig. Steht ganz alleine auf der Bühne, ist ihre eigene Deejane und versetzt die Masse derart in Ekstase, dass der Schweiß schon von der Decke tropft. Das Publikum versucht sich von allen Seiten in den vollgequetschten Raum zu drängen und auch vor den Türen geht die Party richtig ab. Solltet ihr einmal die Chance bekommen Grimes live zu erleben, empfehle ich diese zu nutzen.

Man muss nicht zwangsläufig aus den UK stammen um beim London Calling auftreten zu dürfen. Das machen sich die Amerikaner
Howler zunutze. Die noch relativ junge Band spielt unterhaltenden Indie-Rock mit ordentlich Surf-Feeling. Was man hört macht Spaß und wer sich selbst davon überzeugen will, hat am 2. Juli im Wiener Flex die Chance dazu.


Mit den
Last Dinosaurs findet sich auch eine Band vom anderen Ende der Welt in Amsterdam ein. Die Australier bescheren uns tanzbaren Indie-Pop, der zwar gefällt, aber nichts wirklich Neues ist. Dem Publikum scheint das nichts auszumachen und es wird kräftig zum Sound der sympathischen jungen Herren geshaked.

Fazit

Die Reise ins belebte Amsterdam hat sich also vollends ausgezahlt. – 11 Bands in 7 Stunden für unvergleichliche 23 € – Was will man mehr? Wir hätten uns mit unserem Ticket noch vier weitere Acts ansehen können auf die wir dann aber aus Motivationsmangel verzichtet haben. Es war nicht mein erstes London Calling im Paradiso und mit Sicherheit auch nicht mein letztes.

Spotify Playlist

Als kleinen Zusatz habe ich euch hier noch eine Spotify Playlist erstellt in der fast alle oben genannten Bands zu finden sind.

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Vanessa Spanbauer

„Stop trying to fit in – when you were born to stand out!“

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