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AmenRa – Arena Wien

AmenRa – Arena Wien

Der Abend steht unter dem Motto “gemeinsam alleine“ und ist eine Mischung aus dunklen Messeklängen und musikalischen Nebelwäldern. War man an diesem Abend in der kleinen Halle der Arena, wird man verstehen, was mit “gemeinsam alleine“ gemeint ist. Sonst spätestens nach dem Bericht.

Am Tourplakat und auch auf nicht ganz so aktuellen Musikplattformen stehen als Support von AmenRa, Syndrom und Iron Heel, was dann an Ort und Stelle leider nicht ganz der Wahrheit entspricht, da sich der Gitarrist von Iron Heel (Bandcamp) den Ellbogen gebrochen hat und die Band absagen musste.

Als sich die ersten Klänge des Abends aus der kleinen Halle befreien und die Menschen davor anlocken, steht Mathieu Vandekerckhove mit seiner Gitarre und einem Berg an Synthesizern auf der Bühne. Seine einzigen Bandkollegen neben den Synthis sind die launischen Visuals und sein Sessel. Syndrome (Facebook) überzeugt mit unbändiger instrumentaler Kraft während die One-Man-Show in Form von AmenRa -Gitarristen Mathieu (AmenRa, Kingdom, SemblerDeah) sein Herz und seine Seele öffnet. Bässe in Endlosschleife, das mahlende Drumwerk und hypnotische Beats schaukeln die Menschen gewissenhaft in Trance. Zeit und Raum sind eingefroren.

Schließe deine Augen und höre das schlagende Herz des puren musischen Friedens.

(c) Stefaan Temmerman

Bei ihrem letzten Wien-Besuch 2011 waren sie das Vorspiel von Neurosis und seit April sind AmenRa (Tumblr) mit “Mass V“, ihrem fünften Studioalbum, nun auf Headliner-Tour durch Europa unterwegs. “Mass V“ wurde stilecht in einer belgischen Kirche aufgenommen, was wiederum den mächtigen Sound erklärt und forciert. Die Grundstimmung der Werke von AmenRa, hat durch die langsamen, melodischen Gitarren und den ermutigenden Bass fast schon etwas Beruhigendes. Und dann setzt Colin H van Eeckhouts Stimme ein. Undiszipliniert hoch, emotional, teilweise kreischend versetzt sie in Alarmbereitschaft. Und dann, wieder diese beruhigende, schöne Melodie, die einem fast Tränen in die Augen treibt. Der Verstand ist überfordert die Körper saugen auf, was von der Bühne kommt, während sie wissend wippen. Wenn sich die Augenlieder kurz öffnen, sind Visuals zu sehen, die die doomigen Klangwelten noch massiver erscheinen lassen. Wasser, Lava, Felswände, Hände, Menschen in Schwarz Weiß. Außer den Bildern gibt es kein Licht für die Bühne. Auch keine Ansagen für das Publikum. Es geht nur um die Musik.

Colin H van Eeckhout steht mit dem Rücken zu den Menschen. Ich glaube bei der dritten Nummer, “Razoreater“, hat er sich das erste Mal mit geschlossenen Augen von vorne gezeigt. Als das Lied “Boden- Spijt“ beginnt, ist Stille in der ausverkauften Halle. Sänger und Drummer schlagen Metallrohre aneinander, die Band wirkt losgelöst von dieser Welt, fast wie eine eigenständige Einheit im selben Raum. Die Musik die AmenRa machen, soll “Licht in die Dunkelheit bringen“ , Kraft schenken und stabilisieren. Die fünf Belgier ziehen ihr Ding durch und gehen nach einer Stunde wortlos von der Bühne. Das Publikum braucht ein paar Minuten um den rasanten Abgang und das unvorhergesehene Ende der Messe zu verkraften, mir kommt es so vor als hätte ich mich unter Wasser frei und unbeschwert bewegen können und müsste nun wieder auftauchen.

Ein gelungener Abend, der durch Mark und Bein gegangen ist. Schön.

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Verena Oberhofer

‎~ pour moi, l’habitude est juste synonime de mort. ~

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