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Arcade Fire – Reflektor

Arcade Fire – Reflektor

Als im Mai 2005 eine achtköpfige (zu Spitzenzeiten sogar zehnköpfig) Band die kleine Bühne des Wiener Flex betrat und die Töne von Wake Up erklangen, ahnten wahrscheinlich noch nicht viele, was die besagte Band noch vor sich haben würde. Arcade Fire waren damals ein klassischer Geheimtipp, obwohl ihr erstes Album Funeral bereits große Wellen schlug.

Acht Jahre später hat man da schon einiges mehr hinter sich. Umfangreiche Touren, zahlreiche Preise – darunter der überraschende „Album of the Year“-Grammy für The Suburbs – und noch mehr Nominierungen. Mit The Suburbs überschlugen sich auch die positiven Kritiken, die ausverkauften Shows der Band nahmen an Größenordnung zu. Dieses Jahr gab es dann wieder erste kreative Lebenszeichen der kanadischen Band rund um Win Butler. Es wurde schließlich ein zweiteiliges Album mit dem Namen Reflektor angekündigt und eine gleichnamige Single konnte man schnell nachreichen.

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Mit dieser Single wird auch das Album begonnen. Da erfährt man auch gleich, warum das Album von LCD Soundsystem Mastermind James Murphy produziert wurde. Den Einfluss erkennt man nicht nur an den Längen der Stücke, die Mischung passt einfach! We Exist setzt dann mit einer eingängigen Bassline fort, bei der man das Gefühl hat, dass Murphy ein paar Worte mitzureden hatte. Im Song Here Comes the Night Time heißt es dann

It starts in your feet and it goes to your head.

Das beschreibt es dann doch ziemlich gut.

Im letzten Interview mit Steven Colbert erzählte Win Butler von dem inspirierenden Karneval in Haiti. Das ist auch genau das, wonach sich Here Comes The Night Time anhört. Getöse und ausgelassenes Feiern, mit einer unverkennbaren Melancholie, welche darauf hinzuweisen scheint, dass es nicht ewig so sein wird. Schließlich singt Win Butler dann auch vom Himmel und das er sich hinter einem Tor befindet, das sie aber versperren, wenn sie die Klänge der Straßen hören.

Mit der sofort ins Ohr gehenden Nummer Normal Person legen sie dann eine klassische Rocknummer hin, die sich über den Normalzustand beschwert aber dabei sich selbst nicht zu ernst nimmt. Der Ohrwurm wird sicherlich bei den nächsten Konzerten die Massen bewegen. You Already Know punktet wieder mit Rhythmus und das Post-Punk-Stück Joan Of Arc beendet schließlich den ersten Teil des Albums.

Arcade Fire_Reflektor_Album Cover

Auf der zweiten CD stechen dann vor allem die Nummern Awful Sound (Oh Eurydice) und It’s Never Over (Oh Orpheus) hervor, alleine schon aufgrund der Titel. Eurdyke und Orpheus sind Figuren der griechischen Mythologie und waren als Liebespaar bekannt. In Awful Sound (Oh Eurdyce) heißt es

I know, there’s a way / We can leave today / Think it over and say / ‚I’m never going back again.‘

Passend dazu die Sage von Orpheus, der seine geliebte Eurydike aus dem Reich der Unterwelt zurückholen kann, aber nur unter der Bedingung von Hades und Persephone, dass er sich beim Aufstieg nicht nach ihr umdreht. It’s Never Over (Oh Orpheus) handelt dann genau von diesem Aufstieg. Orpheus und Eurydike sind übrigens auch die als Statue dargestellten Figuren am Album Cover.

Das Thema des Scheiterns in der Liebe und des ultimativen Endes wird dann auch im vorletzten Song Afterlife aufgriffen. Dieser passt wieder mehr in das Bild, das man von Arcade Fire hat, und darf sich ebenfalls zu den Highlights zählen. Mit Supersymmetry wird das Album dann letztendlich mit einer ruhigen Nummer, die sich nach etwa fünf Minuten in eine lange Klangwolke auflöst.

Songs wie Rebellion (Lies) oder Wake Up finden sich auf diesem Album nicht. Wer ein Album in die Richtung von Funeral haben möchte, wird mit Reflektor auch eher enttäuscht werden. Aber wer ein Album wie Funeral hören möchte, sollte am besten auch Funeral hören. Denn Arcade Fire durchleben nun den Wandel.

In der Internetgemeinde wurde schnell nach dem ersten Auftauchen des Albums der Vergleich zu Radiohead’s Kid A gezogen. Bezogen auf den Stellenwert des Albums innerhalb der jeweiligen Diskografie ist dieser Vergleich nicht unbedingt an den Haaren herbeigezogen. Radiohead ging mit dem vierten Studioalbum Kid A nach dem Welterfolg OK Computer neue kreative Wege und wagte zu experimentieren. Arcade Fire befindet sich nun in der gleichen Position. The Suburbs war ein Riesenerfolg und wurde von Kritikern und Fans gleichermaßen gelobt. Sie haben genug erreicht, um nicht auf den Erfolg zu achten. Jetzt bewegen sie sich weiter und das wird ihnen auch erlaubt. Dass sie dazu mehr als fähig sind, beweist Reflektor.

Arcade Fire – Reflektor

Für Fans von: LCD Soundsystem, MGMT, Grizzly Bear
Vertigo Berlin (Universal)
Gesehen um €12,98

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