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Beady Eye – BE

Beady Eye – BE

Der Bruderkampf geht in die nächste Runde. Begonnen hat alles mit einem etwas aufgekratzten, wohl etwas überhasteten Debüt-Album namens Different Gear, Still Speeding. Nun, zwei Jahre danach, steht die Band an einem neuen Wendepunkt. Mit BE wagen die vier Ex-Oasis-Jungs von Beady Eye (Homepage) einen Schritt vorwärts. Laut Pressemeldung der Band wurde mit alten Kassetten-Aufnahmen, Protools, Iphone-Aufnahmen usw. experimentiert.

It’s a trippy record! The strength of the tracks is so high that we got to really play around! It’s rock-band instrumentation, but used in a different way. – Produzent Dave Sitek

Beady Eye - BE - CD Review

Hier sind die 11 Songs in der Einzelkritik:

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  • Flick Of The Finger: Neben The Roller vom Debüt Different Gear, Still Speeding ist das wohl der stärkste Song der Band bisher. Im Gallagher’schen Sprachgebrauch würde man kurz und bündig sagen: an utter classic! Hier stimmt wirklich alles, Produktion, Arrangements, Gesang, ja sogar die Lyriks. Verfeinert wird der Song durch ein Zitat des französischen Revoluzzers Jean-Paul Marat.
  • Soul Love: Trockener Beat, trockene Gitarren. Wie auch hier singt Liam generell auf dem Album meist sehr hoch. Glücklicherweise unterlässt er auf dem Großteil des Albums sein übliches Genöle und Vokabel-in-die-Länge-ziehen. Songs wie diesem tut das hörbar gut!
  • Face The Crowd: Der wohl schlechteste Song auf BE. Der obligatorische Mitten-in-die-Fresse-Rocker der Band könnte nicht belangloser ausgefallen sein. Die Idee zu den Lyrics ist ja ganz nett, doch das und ein halb gares Riff reicht leider nicht aus, um zu überzeugen.
  • Second Bite Of The Apple: Der experimentellste Song des Albums. Überall liest man „The Eels hätten keinen typischeren Song schreiben können“, was auch zu 100 % zutreffend ist. Ein cooler Basslauf, eigenartiges Getrommel, hier und da ein wenig Gitarren- und Glockenspiel. Bis der mehrstimmige Refrain mit wuchtigen Trompeten alles wegbläst. Die Lyrics sind aber der Witz des Albums. Zumindest muss man hoffen, dass Liam es hier damit nicht ernst gemeint hat. Vielleicht so wie einst sein Idol John Lennon mit Glass Onion und I am the Walrus. Zumindest hofft man es…
  • Soon Come Tomorrow: Jeder Song auf BE vermittelt eine eigene Stimmung, ebenso Soon Come Tomorrow. Der Track ist Melancholie pur. Im Gegensatz zu anderen hochproduzierten Songs ist dieser sehr naturbelassen ausgefallen.
  • Iz Rite: Wie bei den anderen Songs fallen einem auch hier wieder Parallelen zu Klassikern der Musikgeschichte auf, egal ob textlich oder auch musikalisch. Iz Rite ist wohl der fröhlichste Song auf BE, hier stört auch Liams leicht näselnder Gesang im Vers nicht. Der Refrain lässt alle Sorgenfalten dann wieder verschwinden.
  • I’m Just Saying: Ein sehr gelungener Rocker. Einer der wenigen schnelleren Songs des Albums. Vor allem das luftig lockere, aber doch vorantreibende Riff überzeugt hier. Der Track wird vor allem ab dem zweiten Refrain besonders stark. Erstmals überlegt man: Ist der Text vielleicht an Noel gerichtet?
  • Don’t Brother Me: Dieser Song ist ganz eindeutig an seinen geliebten/gehassten Bruder Noel gerichtet. Überraschenderweise ist dies auch einer der besten Beady Eye-Songs. Eine Meisterleistung, für die Band genauso wie für den Produzenten. In 7:30 Minuten wird hier ein Gefühl vermittelt als würde man in einen sternenklaren dunklen Nachthimmel sehen. Ab Minute 3:23 öffnet sich der Himmel und man erblickt die Weite und Schönheit des Universums. Es folgt ein Outro sondergleichen. Hier wird klar warum Liam im Vorfeld immer von „rock-music fired out in space“ gesprochen hatte.
  • Shine A Light: Wohl der coolste Song der Platte. Hier darf Drummer Chris Sharrock endlich mal zeigen, welche coolen Skills er drauf hat. Der Song lebt quasi vom Beat. Wobei Sharrock vor allem den Schlussteil des Songs fast alleine gestalten darf.
  • Ballroom Figured: Bereits zu Beginn kommt Gänsehaut auf wenn Liam (vermutlich) an seinen Bruder Noel gerichtet „Did you ever loan me that song? Did you ever know me at all?“ singt. Der Track besteht nur aus Akkustik-Gitarre und Liams wohl bester Gesangsleistung des Albums. Die Lyriks sind diesmal auch qualitativ auf etwas besserem Niveau angesiedelt.
  • Start Anew: Der Abschlusstrack des Albums beinhaltet fast alles, was das Album ausmacht. Ruhige Momente, ein beeindruckend hoher und klarer Gesang, Lyriks die es zwar schon tausendmal gegeben hat und Musik, die langsam aber sehr geschickt zu einem wunderschönen Höhepunkt produziert wird. Ein würdiger Abschluss eines Albums „fired out in space“.

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Natürlich kann es kein Gallagher-Review geben, ohne den Bruder des Jeweiligen zu erwähnen. Liam macht es einem aber auch nicht leicht und behandelt seine Beziehung zu Noel sogar in einigen Songs. Beady Eye bieten mit ihrem zweiten Album ein starkes Stück an wundervoll arrangierter, inszenierter und produzierter Musik. Die Band beweist hier vor allem, dass sie ein sehr gutes musikalisches Gespür entwickelt hat. Der entscheidende Unterschied zu Noel Gallagher’s High Flying Birds: Die Lyriks sind eher platt, haben im Gegensatz zu Noel’s keine Tiefe. Aber Liam gestand dazu auch ehrlicherweise, dass ihm die Texte egal seien, er schreibt ganz einfach das, was ihm im Kopf herumgeht. Es zählt nämlich nur eines: Die Musik und der Style. Und der stimmt!

Beady Eye – BE

Für Fans von: Oasis, Noel Gallagher’s High Flying Birds, Beatles, Kasabian
Beady Eye Records/Smi Col – Sony Music
VÖ: 10.06.2013
Gesehen um 14,99 €

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Bernd Eger

Arbeitet auch als Redakteur bei Fussballerleben.at

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