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Between The Buried And Me – Chelsea

Between The Buried And Me – Chelsea

Der Wecker läutet. Man ärgert sich das erste Mal am Tag. Der Blick aus dem Fenster lässt den Groll wachsen – egal was man draußen sieht. Der beschwerliche Weg zur U-Bahn, keiner weicht aus, jeder blockiert die Rolltreppe, lauter verzogene Gesichter. Am schlimmsten sind die Montag-Morgen-Fressen. Menschen werden im Posteingang nach Titeln sortiert und man ist am Telefon freundlich solange man damit, was erreichen kann. Man lebt, um zu arbeiten und arbeitet, um zu leben, während die Zeit tickt. Die Zeit an diesem Tag. Die Lebenszeit. Kleine Körnchen, die in der Sanduhr einfach nach unten fallen, bis kein Sandkorn mehr nach unten fallen kann. So viele aufgestaute Gefühle in den U-Bahn-Schächten, an den Kassen, auf dem nassen oder heißen Asphalt. So viele Köpfe und doch kann man damit nicht genug denken. PLAY. Welt aus, Musik an. Da ist es! Töne, Klänge und Melodien bemalen die eben noch so tristen Straßen, man bewegt sich leichter, die Bewegungen werden flüssiger und man muss schmunzeln. Alles wird klarer und die Schmutzklumpen die die Blutlaufbahn verstopfen lösen sich auf.

Als ich gestern auf dem Weg ins Chelsea war, war mir nicht bewusst, dass ich den Fokus aus den Augen verloren habe. Stress hier, Stress da, keine Zeit, um sich fallen zu lassen. Wenn dann auch nur kontrolliert, mit einer To-do-Liste im Hinterkopf. Between The Buried And Me (Homepage) kommen auf die Bühne und lassen die ersten Töne frei.

Between The Buried And Me live im Chelsea

Between The Buried And Me – (c) Verena Oberhofer

Astral Body fegt durch den Raum und nach den ersten paar Sekunden fühle ich mich frei. Ich bekomme Gänsehaut, es fühlt sich so an, als würde der klebrige Mantel des Alltags einfach zu Boden fallen. Die Haut kann wieder atmen, bei Lay Your Ghosts To Rest  kann ich meinen Körper wieder spüren. Konstrukte aus bodenständigen Melodien, einer perfekt getimten Masse aus Metalcore, Death und Thrash- Metal mit Brisen von 70´s Rock, Funk, Pop sorgen bei mir für einen schönen „Rollercoaster Ride through hell“.

Cut ‚til all that is left is new material
Myself
Day in, Day out

Mit Liederlängen von teilweise 10 Minuten lässt man genug Zeit, um die abgefahrenen Klangwelten ihr Unwesen zu treiben. Das Quintett ist vor allem auch für ihre Konzentration zu bewundern. Musikrichtungen wie Between The Buried And Me sie zelebrieren, leben auch von hundertstelsekunden langer Stille, die präzise abgestimmt sein muss. In diesen kurzen Momenten des Sammelns beugen sich auch die Stroboskoplichter der Dunkelheit. Der Sound an diesem Abend ist mächtig und laut genug, um schwere Gedanken aus dem Raum zu verbannen. Die letzte Show im Chelsea, 2011, war restlos ausverkauft, am heutigen Abend sind zwar weniger Besucher anwesend, die Stimmung aber der Kunst würdig und genauso gut. Nach einer Spielzeit von knapp 75 Minuten und sieben Liedern verabschiedet sich die Band ohne Zugabe. Keine Showmomente.

Kalter Wind und Regen begleiten mich am Heimweg. Die Flamme in mir wächst dennoch stetig und ich bin dankbar über die Möglichkeit, hier in dieser Stadt so tolle Live-Erlebnisse zu genießen zu dürfen. Ich freu mich auf den nächsten Tag und den charmanten Grant, den mir Wien in der Früh vor sie Füße spucken wird.

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Verena Oberhofer

‎~ pour moi, l’habitude est juste synonime de mort. ~

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