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Casper – Hinterland

Casper – Hinterland

Mit Hinterland hat Casper Neuland betreten. Fernab von der Genialität eines XOXOs hat er neue Musik zwischen Sprechgesang, Hippie-Feeling, Intertextualität aber leider auch mit seichten Texten und wenig originellen Melodien geschaffen. Zwei Jahre nach seinem Kassenschlager, einem der perfektesten Alben der deutschsprachigen Musik, muss sich Casper mit Hinterland erneut messen – und zwar mit sich selbst.

Mehr: Casper – Hinterland – Track by Track Review

Abseits von XOXO gesehen

Tut man so, als wäre Casper ein neuer Act und hätte es nie XOXO gegeben, ist Hinterland vielleicht gar nicht so schlecht. Würde man nicht kritisch daraufblicken, ist es eine nette Platte, die nach Philosophie klingt, aber nicht immer Zeilen zum Weiternachdenken bietet. Die mit den ersten zwei Songs, die zufälligerweise auch noch die Singleauskopplungen sind, viel verspricht, aber davon nicht viel halten kann. Ein gutes Album ist, hat man mir mal gesagt, eines, das mindestens drei oder vier Songs enthält, die es wert sind, sie zu veröffentlichen. Auf Hinterland finde ich sechs oder sieben ganz nette Songs. Die man aber nicht alle veröffentlichen kann…

Hinterland – das erste Hören

Beim ersten Hören fällt es natürlich schwer, keinen Vergleich mit XOXO anzustellen. Vielmehr winden sich die Gedanken im Kopf: viel zu hoch die Erwartungen der Fans, vielleicht auch viel zu hoch die eigenen. Umso schwieriger, da anzusetzen, wo XOXO aufhört, nachdem DJ Stickle nicht mehr unterstützend für die so ins Ohr gehenden, gänsehauterzeugenden Beats an der Seite von Casper stand, sondern diesmal Konstantin Gropper von Get Well Soon. Mit diesem Wissen betrachtet man Hinterland schon ganz anders, mit diesem Wissen macht das auch Sinn, warum das neue Studioalbum von Casper komplett anders klingt.

Viel ist nicht geblieben von ihm, dem Rapper mit den Songs, bei denen einem das Herz still steht und die Luft weg bleibt. Konstantin Gropper hat sich das Projekt Casper zu seinem Eigen gemacht. Wenige Songs stechen aus den elf Titeln heraus und zwei davon kennen wir bereits. Kaum ein Song ist dabei, der einen schwummrig macht, der einen packt, festhält und mitnimmt. Alles andere ist nett, dahinfließendes Wasser und im Gegensatz zu den Erwartungen aber lieblos.

Hinterland CD Cover

Viel versprochen – viel gehalten?

Mit den beiden Singleveröffentlichungen Im Ascheregen und Hinterland hat uns Casper sehr, sehr viel versprochen. Und eine Falle gestellt. Es befinden sich keine weiteren Songs dieser Art auf dem Album. Vielmehr eine Mixtur aus allem, was Casper und Gropper vielleicht mal irgendwann cool gefunden haben. Fast wirkt es, als hätten die beiden ein oder zwei Songs produziert, nur um unbedingt etwas „anderes“ dabei zu haben. Songs, bei denen einem das Fragezeichen auf die Stirn geschrieben steht. Lieder, die man sich nur merkt, weil man sie nicht versteht, nicht mag. Gemäß der Songzeile aus Jambalaya finden wir auch, dass Casper „tut was er will“.

Mehr: Casper im Interview

Anspieltipps & alles Gute

Ein paar Lichtblicke hat Hinterland allerdings. 20qm ist einer unserer Anspieltipps, eine sanfte, traurige Liebesgeschichte mit facettenreichen Wechsel darin. Ohrwurmtauglich und es wert, beim Konzert mitzusingen. Auch Ariel ist ein schöner Song über Tod und die Antwort auf die Frage nach dem „danach“ – allerdings ohne Druck, ohne Stärke im Vergleich zu Michael X. Der Song mit Kraftklub Ganz schön okay darf ebenso am mp3-Player nicht fehlen wie auch Endlich angekommen.

Casper spielt beim neuen Album auch vermehrt mit Intertextualität – zwei Mal erwähnt er Oasis-Songs („Und wird es dunkel in der Stadt voller Sünder – Champagne Supernova für immer“ im Song Ariel) und bezieht sich auch auf seine alten Lieder („Keine Supermänner, dennoch verdammt nah dran!“ in Endlich angekommen aus seinem Song Verdammt nah dran von der Hin zur Sonne Platte).

Hinterland – das Fazit

Hinterland ist nett. Nett aber vielmehr leider nicht. Das Album klingt, als wäre bei Casper die Luft raus. Kaum bewanderte, geistreiche Lyrics. Keine Gänsehautmomente. Kein Feuer-und-Flamme-Sein. Die elf Songs klingen mit wenigen Ausnahmen nach einer weichgespülten Version des Rappers, von dem wir so begeistert waren. Natürlich muss man auch sagen, dass es nicht einfach ist, an XOXO anzusetzen und ihm damit auch eine gewisse Art von Bürde auferlegt wurde. Hört man sich noch ältere Alben wie Hin zur Sonne an, kann man immerhin auch schlecht Vergleiche anstellen. Nichtsdestotrotz ist Hinterland trotzdem kein Album, das „alle Stücke spielt“. Mit Ausnahmen wie Im Ascheregen. Zu viel Pop, zu wenig Casper.

Casper – Hinterland

Für Fans von: Get Well Soon, Madsen
Label/Vertrieb – Four Music / Sony Music
VÖ: 27.09.2013
Gesehen um €9,89
Deluxe Version gesehen um €50,97

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Anna Obermeier
"Dance Like Nobody Is Watching."
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