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Casper – Hinterland – Track by Track Review

Casper – Hinterland – Track by Track Review

Für alle, die sich mehr in Hinterland hineinlesen wollen, haben wir neben unserem herkömmlichen Review auch ein Track by Track Review von Caspers neuem Album gemacht und es auch mit Punkten bewertet.

Mehr: Casper – Hinterland Review

01) Im Ascheregen

Werf‘ mein Streichholz in die Luft auf den Rest meines Lebens und blicke nur zurück, um eure Gebäude brennen zu sehen – im Ascheregen

Eine großartige erste Singleauskopplung, die Casper uns da schon Anfang August geschenkt hat. Ein bunter Song, der sich nach Laufen im Nieselregen und Beschießen mit Herbstlaub anhört. Sein Auf und Davon Thema hat er mit Im Ascheregen wieder aufgegriffen und motiviert die Jugend der Nation. Mit perfekt arrangierten Gitarrenmelodien, vielfältigen Beats und Rhythmen, hippie-artigem Geklatsche und aufregenden Chören.

02) Hinterland

Die leeren Gläser der Theke sind beste Lupen auf’s Leben

Im hellblauen VW-Bus, hinten zwei Matrazen, ein langhaariger Fahrer, der seinen Kopf aus dem Fenster und der kühlen Brise entgegenstreckt. Halt bei einem Fest mit bunten Glühlampenketten. Menschen, die inmitten von Windlichtern Bier aus der Flasche trinken. Hinterland war beim ersten Anhören nicht aufregend, umso öfter man es ins Ohr lässt, desto mehr entdeckt man das gewisse Etwas des Songs. Es geht ein bisschen um Alltag, um’s Nichtstun oder Nichtstun-Können, darum, dass man seinen Arsch nicht hochbekommt. Irgendwie motiviert zu sein, sein Leben endlich anzugehen, es aber doch wieder auf den nächsten Tag zu verschieben.

03) Alles endet (aber nie die Musik)

Trotzdem tanzen als ob keiner guckt, lachen als wenn’s jeder liebt,
singen ohne Texte kennen und feiern als ob’s kein Ende gibt.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat… Hm. Einer textlich guten Strophe folgt ein schlechter Refrain. Alles endet ist der erste Song am Album, bei dem Casper versucht, zu singen – oder zumindest so zu tun. „Minus, setzen, bitte beim Sprechgesang bleiben!“. Klingt fast, als hätte Casper bei Madsen abgeschaut. Im Song geht es junges Leben, das zu tun, was man will. Veränderungen, Erwachsenwerden. Darum, dass eben alles irgendwann endet. Casper, das hättest du aber auch philosophischer hingebracht!

04) … nach der Demo ging’s bergab! 

Nun nur noch ein Mixtape, wo kein Song zu dem anderen passt

I am the passenger and I ride and I ride.. achso, nein, das ist ein anderer Song. Klingt aber ziemlich ähnlich. Textlich ist der Song zu seicht für das, was man von Casper kennt.

05) 20qm 

Immer nach Monster unter’m Bett gesucht aber fanden sie in uns selbst

Ein hellblauer Streifen am gerade so wolkenreichen Casper-Himmel! 20qm lässt den herkömmlichen Xoxo-Fan wieder ein wenig aufatmen. 20qm erzählt wieder eine Geschichte, in der man sich wiederfinden kann. Facettenreiche Melodien, anspruchsvolle Wechsel im Song, dafür kein Geklatsche, kaum Chor. Gefühl, Xylophon, Dunst an der Fensterscheibe, weil es draußen so kalt und drinnen so warm ist.

06) Lux Lisbon (ft. Tom Smith) 

Ich schreib‘ ein Lied über dich mit vielen Melodien, so ’nen riesigen Hit.
Die verstecken Anspielungen drin krieg keiner mit aber die Massen, alle singen das mit.

Verarbeitet Casper hier seine verlorengegangene Beziehung? Zu seiner Freundin, die seinen Ruhm nicht verstand? Eifersucht? Egal, meisterwerkhafte Zeilen beinhaltet Lux Lisbon leider sowieso nicht. Der beste Part ist der Instrumentalteil gegen Ende, bei dem weder Casper rappt, noch Tom Smith singt…

07) Ariel 

Man sagt, am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist, kann es auch nicht das Ende sein.

Auch der Tod – diesmal in Kombination mit dem „danach“ – findet in Hinterland wieder Verwendung. Viel gedämpfter als bei Michael X, unreflektierter und mit Abstand zum Thema scheint dieser Text geschrieben zu sein. Wenig Trauer, mehr Mut. Weniger Tod des anderen, mehr der eigene Tod. Und musikalisch? Geht ins Ohr, aber ein wenig zu viel R’n’B-Beats.

08) Ganz schön okay (ft. Kraftklub)

Trotz all den Wolken und Regen,
Vielleicht doch der Sommer des Lebens, von Freunden umgeben

I used to bite my tongue and hold my breath.. wieder falsch, das ist ja Katy Perrys Roar. Bei Ganz schön okay freu‘ ich mich schon auf den nächsten gemeinsamen Auftritt von Casper und Kraftklub, bei dem wir den Song hören dürfen! Ganz schön okay ist ein sehr lässiger Song, der so dahinplätschert aber sich dabei ganz ungeniert und heimlich in der Ohrmuschel einnistet. Anspieltipp!

09) La Rue Morgue

Mitleid bekommt, wer Mitleid verdient

Keine Ahnung, was ihm da eingefallen ist. Der Song hat einen schwerfälligen, eintönigen Rhythmus, der anfangs nur von einem Klavier, später auch von einer gezupften Gitarre und leisen Drums unterstützt wird. Casper erklärt mit gehobenem Zeigefinger, wie man das Leben leben soll. Steht ihm nicht!

10) Jambalaya

Sie campen vor den Hallen und fragen nach Autogrammen,
kreischen nun meinen Namen, klappen dabei zusammen,
haben Ohnmachtsanfälle, bevor wir angefangen haben

So mögen wir Casper! Diesen Song kennen wir bereits als jenes Lied, das vor seinem Auftritt beim splash! Festival gespielt wurde und es als Tun was er will auf youtube geschafft hat. Jambalaya vermittelt das Gefühl von Casper Bumaye und Mittelfinger hoch, voller Elan, laut, stark und motiviert. Mit dabei: ganz viele Cheerleader, die als Chor funktionieren, würde ich mal sagen.

11) Endlich angekommen

Hör‘, wie die Menge schreit,
vorn, hinten, Hände zeigt, Texte schreit,
laut in den Himmel, Schweiß an die Wände treibt,
unendlich weit von perfekt doch angelangt

Erster Gedanke – sehr erotischer Rhythmus. Endlich angekommen ist die Antwort auf Auf und Davon – das Ende vom Weggehen und Weglaufen, das Niederlassen, das Ankommen. Das Verstehen, das Annehmen von Tatsachen. Das Erwachsenwerden. Eine Melodie, die schlussendlich in Mark und Knochen geht, positive Melancholie verbreitet. Glücklichsein und trotzdem weinen.

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Anna Obermeier
"Dance Like Nobody Is Watching."
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