Home   /   Live Reviews  /  Musik  /   Ein Ausflug auf’s Ozzfest in Japan – Teil 1

Ein Ausflug auf’s Ozzfest in Japan – Teil 1

Ein Ausflug auf’s Ozzfest in Japan – Teil 1

Als das  Lollapalooza-Festival sich 1996 weigerte Ozzy auf die Bühne zu lassen, haben wir Glück gehabt:  Herr Osbourne hat sein eigenes Festival ins Leben gerufen und trommelt seit 1998 auch außerhalb der Staaten Künstler zu einem metalgeladenen Live-Event zusammen.

Als ich das charmant-grantige Wien verlassen habe, um in eine andere Welt einzutauchen, wurde ich bereits am Flieger von japanischer Freundlichkeit erschlagen. Die Stewardessen wirkten authentisch gut gelaunt, hatten Spaß daran Drinks zu servieren und absorbierten die Zweifel und die Strapazen eines elfstündigen Fluges mit Leichtigkeit.

Über Japan selber könnte ich mit dem Erlebten Seiten in einem Buch füllen, versuche mich aber auf das Wesentliche, die Musik, zu beschränken. Und doch gibt es wesentliche Details zu erwähnen, um die Energie vor Ort zu begreifen und verstehen zu können!

Das Ozzfest – 1. Tag

Das Ozzfest fand in der Nähe von Tokio statt, in einer riesigen Halle am Makuhari Messegelände. Mit dem Zug relativ simpel zu erreichen… wenn man japanisch kann und sich auskennt. Vorort war alles virtuos organisiert. Dazu muss man wissen, dass man die Organisation aus verschiedenen Gründen nicht mit einem heimischen Event vergleichen kann. Nicht nur bei dieser Großveranstaltung (ca. 25.000 Menschen), im Land der aufgehenden Sonne muss man sich an Regeln halten, damit sich die 126 Mio. Einwohner nicht gegenseitig blockieren. Tokio steht nie still, in der Stadt selber gibt es auch kaum Sitzgelegenheiten, da so etwas durch die stetige Bewegung nicht gebraucht wird. Es ist angeschrieben auf welcher Seite man von der U-Bahn die Stiegen steigen soll. Es ist angeschrieben, dass man nicht drängen darf und nicht laufen. Es ist angeschrieben, dass man sich auf der Rolltreppe vor „upskirting“ in Acht nehmen soll (die Japanerinnen haben einen sehr freizügigen Kleidungsstil und wirken dabei trotzdem nicht leicht bekleidet laden aber zu pornösen Rockfotos ein). Diese Regeln und noch unzählig mehr sind zu beachten, sonst steht die Stadt!

ozzfest

So fand man auch kurz vor dem Ozzfest einige essenzielle Hinweise auf der Homepage. „Trink genug Wasser und nicht zu viel Alkohol!“, „Geh‘ am Vortag zeitig schlafen, damit du für das Festival fit bist!“ (kein Scherz!) und „keine Kameras oder Handys mit Kamera sind erlaubt!“ Bei Übertretung der Regeln wird man des Geländes verwiesen. Wir haben trotzdem viel getrunken und Fotos und Videos mit nach Wien gebracht um sie mit euch zu teilen!

Die Höflichkeit des Landes hat die strikten Regeln allerdings zu groben Richtlinien mutieren lassen, denn die Securities am Gelände wollten zwar die Taschen geöffnet haben, haben aus Respekt aber nur in deine Augen und keinen Blick in deine Tasche geworfen. Und doch hatte ich meine Digicam und den Reserveakku für die Kamera in meinem BH versteckt.

Ozzfest

In der Halle erstrecken sich über die Front zwei Bühnen, die abwechselnd bespielt und umgebaut wurden. Ein bisschen kalt und lieblos aus der Erde gestampft wirkt der Betonkomplex. Aber Musik kann ja praktisch Wände bunt streichen, sagt man.  Egal durch welche Schleusen man gehen muss, es gibt keine Wartezeiten. Ob bei der Bandvergabe, bei den Essensständen, der Garderobe oder beim Eintritt in die Halle, es gibt keine langen Aufenthalte!

Unser erster Tag hat mit den Deftones (Homepage)  begonnen. Chino war in guter Verfassung, der Bereich vor der Bühne dicht besiedelt und die Setlist voller neuer Songs wie Tempest, Rosemary, Poltergeist und Swerve City. Durch den japanischen Albumtitel der neuen Scheibe, Koi No Yokan (dt.: Vorahnung von Liebe) bin ich davon ausgegangen, dass durch Ansagen ein Japan-Bezug hergestellt wird. Auch wenn dem nicht so war, zeigten die Japaner durch stetiges Hüpfen ihre Begeisterung und auch ich konnte mich fallen lassen und die Show voll genießen.

Über die Band die NACH den Deftones und vor Slash die Bühne betrat – Momoiro Clover Z (Homepage) – kann ich nicht viel schreiben. Muss ich auch nicht! Das Publikum war außer Rand und Band, die Emotionen gingen mit den Einheimischen durch und das erste Mal durfte ich Live bei der Hysterie um einen Teil der  japanischen Musikkultur dabei sein. Einfach das Video (nicht vom Ozzfest aber das macht absolut nichts!) ansehen und verstehen, warum mir die Worte fehlen.

Gefolgt von Maximum the Hormone (Homepage) :

Dass der Hype um Bandshirt weltweit Kerben ins Holz haut gehört jetzt nicht zu den breaking news. Was man in Japan aus dem Hype macht schon. Fast schon uniformiert sieht man die Menschen vor der Bühne. Bandshirts, Bandanas, Schals, Kappen und alles, was man noch mit dem Bandnamen drauf finden kann. Maximum the Hormone waren ein Vorzeigebeispiel dafür, ihr Anhänger mit Merch zu versorgen! Versteht man den Kult, ist auch nachzuvollziehen warum nicht nur das Ozzfest ausverkauft war, sonder auch zu Hälfte des ersten Tages (!) die gesamten mitgebrachten Merch-Artikel einen neuen Besitzer gefunden haben. Keine Ozzfest-, Slipknot-, Tool-, Black Sabbath-, Maximum the Hormone-, Slash-Shirts in keiner Größe waren noch zu bekommen. Die Stände wurden am frühen Nachmittag geschlossen. „Sold out“!

Um kurz nach halb sieben abends rockten Slash ft. Myles Kennedy and the Conspirators die Halle. Mit Guns’n’Roses-Klassikern und Slither, der Velvet Revolver Hymne, hielten sie die Meute in Schach und machten die Überleitung zum Headlinder des Abends: Slipknot!

Was man über diesen Abend noch wissen muss, was man über Slipknot an diesem Abend noch wissen muss bekommt ihr so serviert, dass ihr denk ihr seid selber dabei gewesen.

Das komplette Slipknot-Review findet ihr hier!

Home   /   Live Reviews  /  Musik  /   Ein Ausflug auf’s Ozzfest in Japan – Teil 1

Tags

Verena Oberhofer
‎~ pour moi, l'habitude est juste synonime de mort. ~
Related Article
One Comment