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Filmkritik – 3096 Tage

Filmkritik – 3096 Tage

Cineasten wissen es. Nie ist alles gut an einem Film – nie alles schlecht. Doch wie soll man sich als Kritiker auf alles gleichzeitig konzentrieren? Die perfekte Filmkritik scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Damit ist jetzt Schluss. Enemy.at hat sozusagen einen guten Cop und einen bösen Cop in den Kinosaal gesetzt und sie den Film aus zwei unterschiedlichen Perspektiven ansehen lassen. Hier ist das Ergebnis der Operation „Filmkritik anders“.

3096 Tage ist die lang erwartete Verfilmung der gleichnamigen Autobiografie von Natascha Kampusch. Es ist außerdem eine der letzten Arbeiten des deutschen Filmproduzenten Bernd Eichinger, der das Drehbuch schrieb. Es blieb allerdings, aufgrund seines unerwarteten Todes im Jänner 2011, unvollendet. Eichinger führte auch mehrere Interviews mit Natascha Kampusch.

Der Film zeigt Kampuschs Leben in Gefangenschaft. Er beginnt mit der Entführung und endet mit ihrer Flucht acht Jahre später. Ja, Achtung: Spoiler! Ihr gelingt die Flucht. Dazwischen sieht man wie ihr Peiniger Wolfgang Priklopil sie misshandelt, hungern lässt, zur Arbeit zwingt und dann auch plötzlich wieder ganz lieb zu ihr ist.

Umsetzung

Guter Cop: „Der Film ist ziemlich Nahe an der Realität. Man merkt, dass das gleichnamige Buch von Natascha Kampusch als Vorlage für den Film gedient hat. Es ergibt sich ein schauerlich guter Einblick, wie Natascha diese acht Jahre erlebt haben muss. Ich habe richtig mitgefühlt und der Fakt, dass alles in dieser oder ähnlicher Form passiert ist, gibt dem Film einen unheimlichen, aber guten Flair.“

Böser Cop: „Ich hätt’s anders gemacht. Sicher kann man in Österreich das Ende am Anfang verraten, die Geschichte kennt ja hier jeder. Aber ob man sich auch im Ausland noch überall an Natascha Kampusch erinnert? Außerdem hätte ich die erste Zeit im Verlies nur aus ihrer Perspektive gezeigt, um die ausweglose Situation für den Zuseher begreifbarer zu machen. Und die schwierige Persönlichkeit Wolfgang Priklopil – vor allem im Umgang mit Frauen – wird auch nur vage angedeutet. Dass er in die Disco geht, eine Frau haben könnte und sie dann wegen Natascha ablehnt, glaub ich einfach nicht.“

© 2013 Constantin Film Verleih GmbH/Jürgen Olczyk

Schauspieler

Guter Cop: „Die Performance der beiden Damen (Antonia Campbell-Hughes und Amelia Pidgeon) die Natascha spielen, überzeugt auf ganzer Linie. Auch Thure Lindhardt, der Wolfgang Priklopil darstellt, spielt äußerst glaubwürdig. Die Interaktion der beiden Hauptcharaktere wirkt über weite Stecken beeindruckend real.“

Böser Cop: „Die Niveauunterschiede sind schon recht grob. Die kleine Natascha (Amelia Pidgeon) spielt ihre Eltern zum Beispiel glatt an die Wand. Gerade am Anfang denkt man sich bei manchen Szenen, ob diese Darstellung der Ernst der Schauspieler ist. Zum Glück steigert sich ihre Performance mit Fortdauer des Films deutlich.“

Musik

Guter Cop: 3096 Tage verwendet genauso viel Musik, wie er benötigt – nicht viel. Störend ist das keineswegs, denn die Szenen wirken dadurch äußerst realitätsnahe. Mehr Musik würde zwar emotionalisieren, dem Film jedoch einen ganz anderen – vielleicht nicht unbedingt passenden – Charakter verleihen.“

Böser Cop: „Es ist alles sehr minimalistisch. Ja nicht zu viel Musik, die Szenen könnten ja zu stark werden. Ein bisschen Klavier an manchen Stellen, und das passt dann schon. Ich bin gespannt, wie viel der Soundtrack kosten wird. Allzu viel kann ja nicht drauf sein.“

Resümee

Guter Cop: „Sherry Hormann hat mit 3096 Tage einen durchaus guten Film produziert. Besonders die schauspielerische Leistung der Hauptcharaktere muss hervorgehoben werden. Vor allem Amelia Pidgeon dürfte in Zukunft sicher noch öfter auf der Kinoleinwand zu sehen sein.“

Böser Cop: „Es ist kein schlechter Film, auch wenn er einige Schwächen hat und manches verschenkt wurde. Zwischendurch kann es auch schon einmal langweilig werden, aber wer sich für die Geschichte von Natascha Kampusch interessiert, darf ohne Bedenken eine Kinokarte kaufen.“

3096 Tage

Kinostart: 28. Februar 2013
Regisseur: Sherry Hormann
Cast: Antonia Campbell-Hughes, Thure Lindhardt
Land: Deutschland
Dauer: 109 Minuten
Filmverleih: Constantin Film
Film Website
Für Fans von: Biografien

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