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Gojira in Budapest am 31.08.2013

Gojira in Budapest am 31.08.2013

Wenn ein ganzer Tag wirkt, als würde ein bösartiger Sog deinen Energiebalken leeren und deine Nerven blank liegen, weil dir die Welt schon wieder vor die Füße spuckt, dann lass dir gesagt sein: Es gibt ein Mittel um dich aus dem Dreck zu ziehen: Gojira!

Die reißerische Einleitung, die eigentlich klingt wie eine Billigsdorfer-Werbung aus dem U-Bahn-Morgenblatt hat eine tiefere Bedeutung. Für mich. Das Schiff, in dem es gleich ordentlich zur Sache gehen wird, hat in Buda auf der Donau angelegt. Drei Partybereiche laden ein, unsere Show wird im Bauch des Schiffes wüten.

Das A38

Das A38  (c) Verena Oberhofer

Gojira (Homepage) haben ihre Show im A38 gespielt und ich werde versuchen euch zu schildern, warum diese Band Gänsehaut verursacht, mich zu neuem Leben erweckt und mich gleichzeitig dazu bringt laut zu schreien.

Die Halle ist gut gefüllt, ich kann die Kapazität leider nicht abschätzen, und kurz nachdem die Supportband Tesstimony  die Bühne verlassen hat, hat eines der schwersten Lieder den Raum betreten und die perfekte Überleitung zu Gojira gebildet: Cult Of Luna mit Passing Through.

 Wir leben in einer sehr komplexen Welt in der oft nur noch Kinder etwas Natürliches in sich tragen. Die Gedanken werden an die Urteile Fremder verschwendet und man verliert den Blick fürs Wesentliche. Stell einen Erwachsenen vor die Kamera und er wird versuchen allen zu gefallen, stell ein Kind vor die Kamera und es wird so lachen, wie es lacht!  (Joe Duplantier)

Diese Unbeschwertheit, die man je älter man wird immer stärker vermisst, lässt wehmütig auf schöne vergangene Momente zurückblicken. Währenddessen breitet sich dieser kleine schwarze Fleck, der sich von Enttäuschungen, Kraftlosigkeit und Frustration ernährt,  im Herzen der Menschen aus. Man verpestet die Umwelt, durch Charakterschwund auch seine Mitmenschen. Oft folgt ein Moment der Stagnation und man hält die Luft an und wünscht die Zeit würde das gleiche tun. Tut sie aber nicht weil sie ein Miststück ist. Der Hase aus Alice im Wunderland weiß wovon er hektisch berichtet- „Keine Zeit, keine Zeit! Zu spät zu spät!“  Sie läuft und läuft. Schöne Momente kann  man nicht mehr greifen, kaum festhalten. Da ist er wieder, der Hase. Erinnerungen verblassen, die Hetzjagd nach verlorenen Minuten lässt dir keinen Raum dich mit Menschen zu treffen die du liebst, die dir was bedeuten, denen du was bedeutest, keine Zeit für eigene Gedanken.

Dabei liegt die Lösung so nahe: Knall den Hasen ab! Genau das haben Gojira im A38 gemacht. Sie haben die Zeit angehalten! Als die ersten Riffs von Explosia durch den Bauch des Schiffs hallen, hat man alle Zeit der Welt. Diese Töne zaubern mir Gänsehaut auf die Arme und nahezu Tränen in die Augen.

The mask you wear is falling
Try on and watch it fall

Was sich auf in diesem Schiff an Klängen breit macht ist eine Befreiung von den madigen Alltagsfesseln! Es ist ein Zusammenspiel von melodiösen Gitarren, einem Drumspiel, das Befreiungsschüssen gleicht und Basslinien die mit Joes Stimme zu einem energiegeladenen Massaker verschmelzen, das keine Grenzen kennt. Einerseits voller Rhythmus, anderseits voller Zerstörungswut und Zorn. Zwar ohne Banner aber mit einem monströsen Stroboskoplicht-Gewitter haben die vier Franzosen die Stimmung unterstrichen.

Die Setlist ist bestückt mit Liedern aus allen fünf Alben- Ären, auch mit Krachern wie Flying Whales, L’enfant sauvage, The Axe und The Gift Of Guilt.

Setlist (c) Verena Oberhofer

Setlist (c) Verena Oberhofer

Ich möchte mich bei der Band bedanken, die mir wunderbar entschleunigte Momente geschenkt hat sowie mich daran erinnert hat, dass man sich öfter treiben lassen muss um zu leben und zu genießen!

Oder wie Joe meint vor L’enfant sauvage (dt.: Wolfskind, Wildes Kind):

…The next song is a reflexion on the childhood, how to stay a kid through all your life…keeping the good stuff and get responsible for our own lives ..be aware what’s happning on the planet…not becoming a zombie,a boring piece of shit like a lot of grown ups…!

Led Zeppelin versiegelt nach 65 Minuten Spielzeit den Abend mit Houses Of The Holy.

Anmerkung der Redakteurin: Jeder der sich mit Gojira beschäftigt hat, weiß, dass  sie durch ihre Naturverbundenheit niemals einen Hasen abknallen würden, nicht mal in einer Metapher. Und doch dürfen wir es. In der Metapher! Immer und immer wieder. Danke.

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Verena Oberhofer
‎~ pour moi, l'habitude est juste synonime de mort. ~
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