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Harmful – Sick And Tired Of Being Sick And Tired

Harmful – Sick And Tired Of Being Sick And Tired

Zu ihrem 20-jährigem Bestehen bringen die Frankfurter Noiserocker Harmful (Website) ein Album in die Läden, dass die beiden besten Elemente ihrer Karriere voll und ganz verinnerlicht: Krach und Melodie!

Genauso angepisst, wie der Titel klingt, klingt auch das Album – jedoch in positivem Sinne! Schon alleine wegen der Lyrics, die diese deutsche Alternative-Rock-Band auf Album bringt, muss man sie mögen.

Komischerweise erinnern aber die ersten beiden Songs auf „Sick And Tired Of Being Sick And Tired“ eher an andere Bands. Der Opener „Like A Dog“ ähnelt nicht nur der Stimme wegen, sondern über weite Strecken auch an Beatsteaks-Songs wie z.B. „Monster“. Und im Track „Ambition“ erinnert Sänger Aren Emirze’s Stimme stärker denn je an Trent Reznor. Damit wäre es aber genug an zufälligen Gemeinsamkeiten. Denn typischer könnte ein Harmful-Album nicht geraten sein als dieses. Hier findet man alles, was an über zwanzig Jahren Bandbestehen angelernt wurde. Dass auf diesem Album Sportfreunde Stiller-Drummer Flo Weber am Schlagzeug sitzt, fällt hier stilistisch wenig auf, passt unauffällig gut.

harmful

Diesmal waren nicht Produzenten-Legenden wie Billy Gould (Das Ex-Faith No More Mitglied war 2007 sogar Gitarrist bei Harmful, Anm. d. Red.) oder Dave Sardy an den Reglern zu Gange, sondern die deutsche Produzenten-Legende Moses Schneider. Und Schneider versteht es bekanntlich sehr gut, die besten und markantesten Seiten einer Band hervorzuheben.

Im Titeltrack z.B. lässt er von den Harfmul-Jungs eine schwere Noiserock-Walze ganz langsam auf den Hörer zusteuern. Die Tempowechsel im Track „Sick And Tired Of Being Sick And Tired“ gepaart mit dem abwechselnd sanften und dann wieder brutalen Shout-Gesang Emirzes packen einem sofort an der Gurgel. Bis sich dann der Griff löst und durch das lange und verspielte Outro zu einem Arm über der Schulter wird.

Darauf folgt sozusagen als Ausgleich dafür, das poppig sanfte „Distance“. Hier erkennt man ganz klar die Einflüsse von Emirsian, dem Nebenprojekt von Aren Emirze. Gemeinsam mit dem grandiosen „Ambition“, dem guten „Speak In Answers“ bilden jene beiden Tracks die Mitte und qualitativ auch das Herzstück des Albums.

Harmful CD Cover "Sick and tired of being sick and tired"

Lediglich „Not Sure Enough“ überzeugt auf dem Album wenig bis gar nicht. Weder vom ideenlosen Gitarrenriff, welches sich ständig wiederholt, noch vom Gesang, der schwammig und nervig säuselnd sich diesem anpasst. Hier erkennt man wenig von der geschickten Mischung aus Brachialität und Gefühl, von intelligenter Songstruktur, Beats und Riffs, die sofort aufrütteln. Jene Zielstrebigkeit und positive Rücksichtslosigkeit wie bei „Cruel Final“ oder „Silence“ hätte hier gut getan.

Und genau das ist hier das Stichwort: Harmful bringen niemanden zum Mitschnippen, Mitwippen, Mitsingen oder Ähnlichem! Harmful hypnotisieren und rütteln sofort wieder wach. Sie pissen einem ans Bein und laden direkt im Anschluss auf ein Bier ein! Und das selten markanter wie auf „Sick And Tired Of Being Sick And Tired“.

Harmful- „Sick And Tired Of Being Sick And Tired“

Für Fans von: Smoke Blow, Blackmail
PIAS/Germany
VÖ: 25.01.2013
Gesehen um 9,90 €

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Bernd Eger
Arbeitet auch als Redakteur bei Fussballerleben.at
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