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Harry Jenner im Interview

Harry Jenner im Interview

Zur Person: Harry Jenner ist der Herr, der entscheidet wer am Frequency Festival spielen darf und Geschäftsführer der Freundliches Marketing Service Gmbh.

 

Hallo Harry, erzähl uns doch mal wie du in die Booking Branche reingerutscht bist.
Es hat alles 1992 mit einer privaten Geburtstagsparty einer Freundin begonnen. Sie hatte im WUK gefeiert, da waren ca. 600 Leute und sie hat Eintritt verlangt. Da dachte ich mir, das kann ich auch – nur halt ohne Geburtstagsparty. Ich habe angefangen Partys im Wuk, Aera und Reigen zu veranstalten. Stadtsäle in St. Pölten ausverkauft. Parallel dazu DJ gemacht, weil ich niemanden gefunden habe, der das aufgelegt hat, was ich wollte. Ich war dann auch Stamm DJ beim London Calling. 1999 hab ich dann dieses Private „Gschichtl“ zum Beruf gemacht und die Disco Musik Agentur gegründet. Damit dann 2001 das erste Frequency veranstaltet. Der Rest ist wie man so schön sagt Geschichte.

Du bist ja eigentlich 21 Jahre im Geschäft, wie hat sich das Booking Business in der Zeit verändert?
Früher war’s mehr Rock’n’Roll. Mehr Drogen, mehr Alkohol, auch unter den Veranstaltern und weniger Zahlen und Kalkulation. Dementsprechend sind alle „Old-School-Veranstalter“ in Konkurs gegangen. Ich hab’s nicht so mit Drogen und war noch nie in Konkurs. Man muss einfach mal Budget machen, um größere Acts buchen zu können. Früher haben die Leute nicht so viel nachgedacht. Außerdem gibt’s heute mehr Konkurrenz. Es wird immer schwieriger Bands zu bekommen.

Hat sich die veränderte Musikbranche auch auf das Booking ausgewirkt?
Natürlich. Es werden weniger CDs verkauft und die Bands verlangen mehr für Liveauftritte. Festivals zum Beispiel sind natürlich noch ein Geschäft, aber weit nicht mehr so wie früher. Also die goldene Nase, wie viele glauben, verdienen wir uns auch nicht. Diese Zeiten sind vorbei.

Du bist ja unter anderem für das Frequency Booking verantwortlich. Inwiefern spielt persönlicher Geschmack beim Booking eine Rolle für dich?
Es wäre das Schönste und Geilste, wenn ich rein nach persönlichem Geschmack booken könnte. Das geht leider nicht. Prinzipiell würde ich gerne mehr auf die „englische Art“ booken – also genredurchmischter. Zum Beispiel wie beim Glastonbury Festival. Da findet man Vertreter der unterschiedlichsten Musikrichtungen. Beim Frequency geht es mit Day- und Nightpark eh schon etwas in diese Richtung. Trotzdem bekomme ich immer wieder Kritik dafür. Die meisten Leute konzentrieren sich dann auch immer eher auf den Day- oder Nightpark. Ich persönlich würde da gerne noch viel mehr mischen.

Was spielt noch eine Rolle beim Booking?
Verfügbarkeit. Jetzt wünschen sich gerade alle Mumford and Sons am Frequency. Die können an dem Wochenende aber nicht. Da kann ich mich nackt auf den Eiffelturm stellen, daran wird sich nichts ändern. Außerdem spielt das Finanzielle eine Rolle. Zum Beispiel würde ich gern öfter „junge“ Bands aus dem Ausland nach Österreich holen. Das Problem daran ist, dass sie dort schon einen gewissen Bekanntheitsgrad haben, den sie bei uns noch nicht haben. Sie wollen dann aber die gleiche Gage wie zu Hause – das rechnet sich leider oft nicht. Um auf die vorige Frage zurückzukommen, es geht leider nur wenig nach mir, ich bin schon froh, wenn ich die rund 100 Bands für’s Frequency zusammenbekomme.

Stichwort 100 Bands. Es gibt ja das Sprichwort „Nach der Show ist vor der Show“ – trifft das auf Festivals wie das Frequency zu?
Definitiv. Es ist genau so. Aber nicht nur vom Booking her, sonder auch von der ganzen Organisation dahinter.

Wie und wo fängst du eigentlich das Booking an?
Eigentlich, wie es sich ergibt, meistens sind es aber die Headliner, weil die am weitesten vorausplanen. Die Toten Hosen heuer waren zum Beispiel schon letztes Jahr im Sommer bestätigt. Danach fülle ich in der Regel nach der bereits erwähnten Verfügbarkeit auf.

Thema Verfügbarkeit. Es wird ja dem Frequency heuer teilweise vorgeworfen, dass sehr untypische Bands spielen – zum Beispiel System Of A Down. Lässt sich das auch darauf zurückführen?
Natürlich auch – aber wie bereits vorher gesagt, warum kann System Of A Down nicht am Frequency spielen? Das Festival kommt zwar aus der FM4 Ecke, aber was spricht dagegen? Oder Rammstein? Die spielen ja auch am Southside und dort regt sich keiner auf. Ich bin mir sicher wenn ich die in Österreich aufs Frequency buchen würde, würden alle ausflippen. Natürlich würd ich eher Mumford and Sons als System Of A Down booken, aber die sind eben nicht verfügbar! Das Frequency Wochenede sind um die zehn größeren Festivals europaweit. Es ist wirklich schwierig!

Wir versuchen ja Bands aus Österreich zu fördern, darum müssen wir fragen, wie kann man es als österreichische Bands aufs Frequency schaffen?
Am besten meldet man sich auf www.frequency.at für das Voting an. Dort gibt es eine Votingphase und die besten 30 Bands werden dann von einer Jury begutachtet und davon fünf ausgewählt, die einen Slot am Frequency bekommen. Andere Möglichkeit: Als Gewinner von eurem Local Heroes Bandcontest. Dritte Variante ist einfach erfolgreich sein. Siehe Parov Stelar, 3 Feet Smaller oder Camo & Krooked. Uns ist die Förderung der heimischen Szene schon sehr wichtig. Wir haben auch heuer rund 20 Acts aus Österreich am Frequency. Zwar nicht alle auf der Hauptbühne. Dass es daneben noch sechs andere Bühnen gibt, geht meistens unter.

Was war dein schönstes Festival Erlebnis?
Das war 2003 bei Metallica! Die Band war so richtig geil drauf. Da durfte fast niemand auf die Bühne, selbst ich hab „mich wichtig machen müssen“ und die Performance war so richtig cool!

Lass uns kurz über nicht so schöne Dinge sprechen. Wenn eine Band, wegen der ich auf ein Festival fahre, absagt, habe ich irgendwie die Möglichkeit mein Geld zurückzubekommen? Gibt es da Versicherungen für Veranstalter?
Natürlich gibt es Versicherungen. Ob wir als Veranstalter davon was bekommen, hängt von vielen Umständen ab. Wie viele Bands haben abgesagt, wurde das ganze Festival abgesagt, warum wurde etwas abgesagt etc. Sehr kompliziertes Thema. Ob der Besucher das Geld zurückbekommt, hängt von uns ab. Da gibt es keine Vorschriften. Als Tool 2007 zum Beispiel abgesagt hat, haben wir’s angeboten. Aber das ist generell rein freiwillig von unserer Seite.

Also liegt es ganz in eurem Ermessen, wann ihr Geld zurückgebt?
Mehr oder weniger. Aber im Prinzip versuchen wir immer zugunsten der Besucher zu entscheiden, wir wollen ja, dass unterm Strich die zufrieden sind und wieder kommen.

Gibt es eigentlich eine Band, die du gerne einmal booken würdest, was aber noch nie etwas geworden ist?
The Clash
hätte ich gerne einmal gemacht! Von Bands, die es noch gibt: The Strokes wären vielleicht nett gewesen. Daft Punk würd ich cool finden. Mumford and Sons waren ja schon mal am Frequency. Um 15:00 Uhr damals. Es ist generell am Frequency immer Wert, sich auch die frühen Bands anzusehen. Wir versuchen immer noch junge und unbekanntere Bands zu holen, die dann oft erst später so wirklich bekannt werden. Kings Of Leon hatten vor Jahren zum Beispiel auch einmal einen 15:00 Slot am Frequency. Die haben dann aber abgesagt.
Bei Tenacious D bin ich übrigens sehr froh, dass das heuer geklappt hat!

Vielen Dank für deine Zeit und das Interview!

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Daniel Kubera

“Life has improved immeasurably since I have been forced to stop taking it seriously.” – Hunter S. Thompson

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