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Harvest of Art Warm Up – Arena Wien

Harvest of Art Warm Up – Arena Wien

Am 5. Juli fand zum ersten Mal das Harvest of Art Warm Up in der Wiener Arena statt. Der Wettergott meinte es gut mit den Besuchern – gehüllt in warmen Sonnenstrahlen brachten Calexico, Amanda Palmer, Jamie N Commons und Depedro gemütliche Festivalatmosphäre in die Hauptstadt. Und so wurde die Veranstaltung mehr, als nur ein Aufwärmen für das Wiesen-Festival am kommenden Wochenende.

Depedro live am Harvest of Art Warm Up

Depedro live am Harvest of Art Warm Up – © Aylin Izci

Depedro eröffneten das Harvest of Art Warm Up

Bereits um 17.30 Uhr stand am Freitag die erste Band auf der Open-Air Bühne in der Wiener Arena. Depedro ist das Solo-Projekt von Jairo Zavala, auch bekannt als Gitarrist von Calexico. Es waren nur wenige, die den spanischen und mexikanischen Folkklängen gespannt lauschten. Doch der Vollblutmusiker, der in seinen Liedern vom Reisen erzählt, bemühte sich sichtlich das Beste aus der Situation zu machen. Er versuchte mit der spärlichen Anzahl an Zuhörern zu scherzen, Reaktionen erhielt er leider kaum. Umso besser gelang Depedro (Homepage) aber der musikalische Part, was am Ende ihres Auftritts dann doch mit lautem Applaus honoriert wurde.

Jamie N Commons live am Harvest of Art Warm Up

Jamie N Commons – © Aylin Izci

Jamie N Commons zum ersten Mal in Österreich

Die Stimmung besserte sich allmählich ab der zweiten Band. Ein Großteil der Besucher saß zwar noch gemütlich auf der Wiese, einige Tanzwütige trauten sich aber auch schon vor die Bühne. Für Jamie N Commons war es der erste Besuch in Österreich. Der Brite mischt traditionellen Blues mit Rock und Folk. Cool sah er aus, der Typ mit der schwarzen Sonnenbrille, dem Schlapperhut und dem aufgeknöpften Hemd. Vergleiche hören manche Künstler ja nicht gerne, aber in diesem Fall ist es ein ehrliches Kompliment: In der Stimme des 22-jährigen Sängers meint man Tom Waits, Joe Cocker und Johnny Cash widerzuerkennen. Wie von uns angekündigt, ist Jamie N Commons (Homepage) ein echter Geheimtipp. Einer für den es sich definitiv lohnte, schon früher zu kommen. Highlights waren Wash me in the Water, Caroline und In your Light. Nach einer halben Stunde verabschiedeten sich der Londoner und seine Band wieder. Die Sonne ging bereits langsam unter und je dunkler es wurde, desto besser wurde auch der Abend.

Amanda Palmer live am Harvest of Art Warm Up

Amanda Palmer live am Harvest of Art Warm Up – © Aylin Izci

Laut, frech, sympathisch: Amanda Palmer

Denn dann kam Amanda Palmer. Gewohnt verrückt, laut, frech und doch sympathisch. Ihre Rückkehr nach Wien freute die Fans ganz besonders, hatte die Sängerin ja ihre letzte Welttournee wegen der Krebserkrankung ihres besten Freundes abgesagt. „Zuerst etwas auf Deutsch“, begrüßte sie ihr Publikum und trällerte mit einer Ukulele in der Hand Ich bau dir ein Schloss. Dann wechselte sie aber doch lieber wieder auf Englisch. Lieder wie Leeds United, Bottomfeeder, The killing Type durften nicht fehlen. Die zahlreichen Fans bekamen kaum alte Songs zu hören, sondern hauptsächlich Nummern vom aktuellen Album Theatre is Evil. Das hat Palmer und ihr Grand Theft Orchestra ohne die Hilfe einer Plattenfirma, sondern nur über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert.

Die Sängerin warf Blumen ins Publikum, genoss Crowd-Surfing und tobte sicher hinter ihrem Keyboard aus. Dabei gingen dann auch so manche Fehlgriffe bei den Tasten oder schräge Töne in luftigen Stimmhöhen unter. Fast züchtig sah die Punk-Kabarettistin aus, sie trug Hose zu Korsett und BH. Erwähnenswert ist aber auch das Outfit ihrer Band: Ein Schlagzeuger mit langen Zottelhaaren und nur mit Unterhöschen bekleidet, ein Gitarrist mit Lockenpracht und Glitzerboots und ein Bassist im Frack. So sehr sich die modischen Geschmäcker unterschieden, musikalisch bildeten sie doch eine gute Einheit. Zum Abschluss gab‘s ein Cover von RadioheadCreep. Nur wenige Minuten später tauchte Amanda Palmer (Homepage) beim Merch-Stand auf, um brav Autogramme zu verteilen. Und das tat sie knapp zwei Stunden lang!

Calexico live am Harvest of Art Warm Up

Calexico live am Harvest of Art Warm Up – © Aylin Izci

Fast zwei Stunden Calexico

Bei Calexico war die Arena dann richtig voll. Das experimentierfreudige Ensemble kehrte nach mehrjähriger Pause mit neuem Material zurück. Immer noch präsentieren sie sich als Schmelztiegel unterschiedlichster Musikrichtungen. Einordnen lässt sich diese Band deswegen kaum, sie macht Latino-, Folk-, Jazz-, und Rockmusik. Ja, das alles funktioniert bei Calexico wirklich – auch live. Besonders schön an diesem Abend war: Unterschiedliche Generationen sangen, hüpften und tanzten gemeinsam. Und das fast zwei Stunden lang, denn so lange stand die 7-köpfige Band auf der Bühne.

Unter freiem Himmel, eingetaucht in das farbige Licht der Scheinwerfer und Nebelschwaden spielten die Musiker neben Material aus ihrem neuesten Album Algiers auch noch viele alte Songs. So bekamen die Fans zum Beispiel neben Para und Splitter auch Crystal Frontier und Ballad of Cable Hogue zu hören. Gegen Ende hin heizten Calexico (Homepage) den Konzertbesuchern mit Guero Canelo, in dem sich Sequenzen aus Desaparecido von Manu Chao versteckten, noch einmal so richtig ein. Mit der Zugabe Vanishing Mind beruhigten sie deren Gemüter wieder. „“Vielen Dank Vienna! Schöner Abend hier!“, verabschiedete sich Frontman Joey Burns. Wie Recht er damit hatte.

Das Harvest of Art Warm Up endete in einer entspannten Party für Jung und Alt. Es war ein Gefühl von Leichtigkeit und Entspanntheit, das einem begleitete, als man die Tore der Arena verließ. Wie im Urlaub. Oder auf einem Festival. Diese bunte Veranstaltung nur Warm Up zu nennen, sollte auf jeden Fall noch einmal überdacht werden.

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