Home   /   Movies  /   Henning Backhaus im Interview

Henning Backhaus im Interview

Henning Backhaus im Interview

Hallo Henning, wie geht es dir am Tag nach der Premiere?
Etwas übernächtigt, wie nach einer Silvesterparty. Und wie beim Jahreswechsel gilt auch für Premieren: Nach der Premiere ist vor der Premiere

Bist du zufrieden mit dem Feedback / den Reaktionen?
Bin ich, sogar sehr. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Auch dass viele Zuschauer die Subtexte, Details und verborgenen Ebenen in der Geschichte für sich entdeckt haben, hat mich sehr gefreut. Der Film ist ja durchaus mehr als ein reiner Musik- oder Coming-of-Age-Film. Er behandelt zentrale, menschliche Themen, die letztlich jeden etwas angehen, unabhängig vom Alter.

henning-backhaus

Henning Backhaus (links) bei der Premiere

Wenn du dir den Film jetzt fertig im Kino ansiehst, bist du 100% zufrieden damit oder gibt es noch Kleinigkeiten, die dich stören?
Es gibt immer Dinge, die einen stören, das gehört dazu. Man entwickelt sich ja auch weiter. Ich glaube, dass Filmschaffende oder überhaupt kreative Menschen in Wahrheit ihre härtesten Kritiker sind. Nur so kommt man voran.

Was hat dich eigentlich zu dieser Geschichte inspiriert?
Da gab es mehrere Startpunkte. Zum einen mag ich die Kombination Film / Musik sehr. Musik als handlungstragendes Element, aber auch die visuelle Umsetzung von Musik – das hat schon einen grossen Reiz. Die Filmhistorie ist ja voll mit Musikfilmen. Gleichzeitig fand ich es aber spannend, darüber hinauszugehen und die Musik als Sprungbrett zu benutzen – hinein in ein Charakterdrama. Im Kern geht es um die chaotische und verschlungene Entwicklung des sperrigen, narzisstischen, vor allem aber hilflosen Hauptcharakters Thomas. Das hat mich am meisten interessiert, denn alle guten Geschichten handeln letztlich von existenziellen Fragen.

Filmausschnitt

Filmausschnitt

Wir würdest du die Zusammenarbeit mit den Hauptdarstellern in fünf Worten beschreiben?
Fünf Worte sind zu wenig!!! Ohne Thiemo Strutzenberger, meinen wunderbaren Hauptdarsteller, hätte der Film gar nicht gemacht werden können. Ich glaube, jeder, der den Film gesehen hat, wird das sofort verstehen. Auch die anderen Schauspieler waren und sind für mich eine kleine Offenbarung, von allen ist viel Herzblut eingeflossen, dafür bin ich sehr dankbar.

Der Film malt ja ein sehr düsteres Bild. Spiegelt er in deinen Augen die aktuelle Befindlichkeit der Jugend wieder, oder ist die Atmosphäre dann doch etwas „überzeichnet“?
Über die aktuelle Befindlichkeit der Jugend kann ich mich schwer äussern, schon weil ich nicht weiss, wo diese Jugend anfängt und wo sie aufhört. Ich habe einen Film gemacht über Menschen in meinem Alter, aus meinem Umfeld. Das eine oder andere ist natürlich dramaturgisch zugespitzt, aber viele Details halte ich für sehr realistisch. Düster finde ich gut, warum nicht? Ein bisschen sehe ich den Film auch als Kontrastprogramm zu Starmania, Supertalent und Co.. „Local Heroes“, also der Film, ist das schattige Spiegelbild all dieser Veranstaltungen. Ein kleiner böser Stiefbruder. Oder -schwester.

Filmausschnitt

Filmausschnitt

Als Veranstalter des Local Heroes Band Contest interessiert es uns natürlich, wie du auf den Contest gekommen bist?
Der Titel ist wunderbar mehrdeutig, er passt super zum Film. „Local Heroes“ ist ja nicht nur der Name des Band Contests im Film, sondern beschreibt auch mit leiser Ironie die Protagonisten. Sie sind strauchelnde Helden. Helden ihres Alltags. Helden ihrer eigenen Geschichte.

Was haltest du generell von Band Contests?
Nix dagegen. Es gibt auch Wettbewerbe für Drehbuchschreiber, Architekten usw. Ich finde aber wichtig, dass man nicht nur auf die Sieger schaut. Manchmal, nein eigentlich oft, sind diejenigen, die scheitern, viel spannender.

Als junger Regisseur ist man vermutlich in einer ähnlichen Lage wie eine Newcomer Band. War der Weg schwierig von der Idee bis zum fertigen Film?
Exakt! Der Unterschied zwischen Filmschaffenden und Musikern ist gar nicht so gross. Der Weg ist schwierig, steinig und lang ist er auch. Aber es geht darum, sich gut zu beschäftigen. Im Leben und auch sonst.

Filmausschnitt

Filmausschnitt

Lass uns doch etwas über die Zukunft reden. Was sind deine nächsten Projekte?
Das verrate ich noch nicht. Musik wird wieder eine Rolle spielen, aber dann ganz andere Musik, keine Rockbands.

Wer würde die Hauptrollen in deinem Traumfilm spielen?
Ich hätte wahnsinnig gerne einen Film mit Ulrich Mühe gemacht. Er hat in „Das Leben der anderen“ mitgespielt, in „Mein Führer“ oder „Das Spinnennetz“. Leider ist er recht jung verstorben. Ich hoffe, man vergisst ihn nicht so schnell.

Danke für das Interview und wir wünschen die viel Erfolg. Am 11.1.2013 ist Kinostart! (Trailer)

Home   /   Movies  /   Henning Backhaus im Interview

Tags

Daniel Kubera
“Life has improved immeasurably since I have been forced to stop taking it seriously.” - Hunter S. Thompson
Related Article