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Hitchcock – Filmkritik

Hitchcock – Filmkritik

An Alfred Hitchcock kommt man nicht vorbei. Sein Name ist so dicht mit der Filmgeschichte verschmolzen, dass es nicht verwundern würde, seinen Namen statt des Eintrags „Regisseur“ im Wörterbuch zu finden. Die Persönlichkeit hinter den kinematografischen Erfolgen wie The BirdsVertigo und nicht zuletzt Psycho steht jedoch bis heute in diffusem Licht – wer war er wirklich?

Handlung und Themen:

Der Film Hitchcock versucht, das Genie hinter der Synchronklappe und die Entstehung seines größten Publikumserfolges Psycho zu beleuchten. Die sensible Seele des Künstlers bietet fruchtbaren Boden für ein breites Spektrum an Themen, die auf seiner von Zweifel durchsetzten Suche nach Selbstverwirklichung auftauchen.

Hitchcock-Film Still

Allen voran wird Alfred Hitchcocks Beziehung zu seiner Frau Alma thematisiert. Im Film als ambivalent dargestellt, haben die beiden mit Misstrauen und Eifersucht zu kämpfen. Dann stellt das Filmprojekt Psycho die Beziehung auf eine harte Probe. Aus mangelnder Unterstützung seitens der Filmverleihe muss Hitchcock den Film selbst finanzieren und setzt dabei das gemeinsame Haus samt Pool aufs Spiel.

Während das Projekt langsam ins Rollen kommt, lebt Alfred ganz in seinem entstehenden Film. In seiner Fantasie und seinen Träumen ist er Beobachter und Täter zugleich. Er ist kaltblütiger Mörder und verwegener Voyeur, sieht sich selbst liiert mit der Hauptdarstellerin, und muss sich schließlich dem in seinem Inneren schlummernden Monster stellen. Das klingt nicht nur spannend – das ist es auch.

Nun aber zur Umsetzung:

Hochkarätig besetzt mit Anthony Hopkins in der Titelrolle wurden vorab hohe Erwartungen geschürt. Diese wurden leider nur teilweise erfüllt. Die aufwändige Maske inklusive Fatsuit ist zwar zweifellos gelungen, jedoch vermisst man oft die ganz feine Gesichtsmimik, die einen Charakter vollends zum Leben erweckt. Dazu kommt die teilweise holprige Synchronisation. Durch die fehlende Feinmimik und stimmlichen Nuancen schafft es Anthony Hopkins bis zum Schluss nicht, den Zuschauer vollends in seinen Bann zu ziehen. Er bleibt ein unerforschter Charakter – allerdings ohne diesem Umstand durch Mystik Würze zu verleihen. Meine Empfehlung: Den Film unbedingt in Originalfassung ansehen – mit Sicherheit die bessere Wahl!

Hitchcock-Film Still

Hopkins wird klar von Hellen Mirren als Alma Reville an die Wand gespielt. Sie haucht ihrer Rolle Persönlichkeit ein und verleitet zur Empathie, so soll es sein! Ebenfalls ausgezeichnet macht sich Scarlett Johansson als Janet Leigh, was besonders in der Dusch-Szene deutlich wird. Hier kommt Gänsehaut auf!

Dass sich Kamerateam und Regisseur vorbildlich in die Hitchcock’sche Materie eingearbeitet haben, sieht man dem Film stellenweise gut an. Leider aber nicht immer, sodass das Gesamtwerk ein wenig einem Fleckerlteppich unterschiedlicher Stile gleicht. Daran störe sich aber nur, wer wirklich penibel ist.

Hitchcock-Film Still

Hervorragend umgesetzt ist hingegen die Filmmusik von Danny Elfman. Meisterlich lehnt er sich an die Werke Bernard Herrmanns an, der viele von Hitchcocks Klassikern bereichert hat. Elfman schafft es vorbildlich, Spannung, Selbstzweifel und Misstrauen zu vermitteln, ohne aufdringlich oder übertrieben zu wirken. Die Musik verleiht dem Film in seiner Gesamtpräsenz eine nostalgische Färbung. Als Gustostück kommt auch der berühmte Originalsoundtrack Herrmanns in der Duschszene vor, glänzend wie eh und je.

Resümee:

Insgesamt merkt man dem Film deutlich an, dass sich viele Menschen hinter den Kulissen sehr viele Gedanken gemacht haben. Keineswegs kann man hier Stümperhaftigkeit unterstellen. Liebevolle Details und eindrucksvolle Bilder wechseln einander ab. Am Ende bleiben trotzdem Fragen offen: Was will dieser Film überhaupt? Und, war das jetzt ein Liebesdrama, ein Psychothriller oder eine Geschichtestunde? Er ist zu vorhersehbar, um dramatisch zu sein. Oft will er uns erschrecken, richtige Angst kommt  aber nicht auf. Die hier und da vorzufindenden Witze sitzen zwar, zielen aber großteils auf ein Hitchcock-affines Publikum ab.

Hitchcock-Film Still

Trotz der schier unendlichen Vielfalt an spannenden Themen, die ansatzweise aufgefächert wurden, versteift sich Hitchcock zu sehr auf die Beziehung zwischen Alfred und Alma. Will der Film am Ende gar eine Romanze sein? Schade, denn bei klassischen Liebesgeschichten hätte der alte Meister wohl ein Gähnen gerade noch unterdrückt. Dieser Film zeigt: von allem ein bisschen etwas sein zu wollen, ist schwierig.

Hitchcock handelt von einem Meisterwerk und seinem Schöpfer – der Film selbst ist zugegebenermaßen keines (aber wie viele sind das schon!). Das stört aber nicht weiter, wenn man auf der Suche nach Unterhaltung mit Mehrwert ist. Ohne anstrengend zu sein, bietet er einen durchaus interessanten Einblick in die Psyche des „master of suspense“.

Hitchcock

Kinostart: 14. März 2013
Regisseur: Sacha Gervasi
Cast: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson
Land: USA
Dauer: 98 Minuten
Filmverleih: 20th Century Fox
Film Website
Für Fans von: Biografien, Beziehungsdramen, Nostalgie und Hitchcock

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