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Hurts – Exile

Hurts – Exile

Hurts (Homepage) legten einen dieser Traumstarts in ihrer Karriere hin, von dem jeder Musiker täglich träumt. Ihr erstes Album schlug ein wie eine Bombe! Top-Chartpositionen in ganz Europa waren die Folge und plötzlich waren die beiden Briten jedem ein Begriff. Nun steht ihr Nachfolgerlongplayer „Exile“ in den Läden.

Wer das vorab veröffentlichte Video zur Single „Miracle“ kennt, ahnt es bereits: Die neuen Tracks von Hurts klingen anders als das, was wir bisher von ihnen gewohnt sind. Schon der Anblick ‚echter‘ Instrumente anstatt eines Synthesizers ist hier neu und steht stellvertretend dafür, dass das Theo Hutchcraft und Adam Anderson sich etwas weniger auf Sounds aus dem Computer als die eines Klangkörpers verlassen haben.

Was nicht heißen soll, dass sie sich vom Synthiepop verabschiedet haben! Im Gegenteil – Elektronisches findet man hier mehr als genug und im Vergleich zu „Happiness“ klingt das sogar abwechslungsreicher. „Sandman“ kommt beispielsweise mit einem Beat daher, den man sonst eher bei R’n’B-Künstlern vermuten würde. „The Road“ hingegen beinhaltet starke Dubstepelemente. Der dramatische Song, der ruhig beginnt und einen dann fast schon erschreckt, handelt von einem Autounfall und wurde durch den Roman „Crash“ von J.G. Ballard inspiriert. Der gleichnamige Roman „Die Straße“ (engl. „The Road“) von Cormac McCarthy diente ebenfalls als Vorlage.

Cover des zweiten Albums "Exile" der Band Hurts.

Mit „Blind“ liefern Hurts ein sehr poppiges Liebeslied, das einen mit „O-hey-o, o-hey-o“-Chören empfängt und dessen eingängiger Melodie man sich nicht so schnell entziehen kann – oder will. Denn nur wenige Künstler leiden so schön wie die zwei Herren im Anzug. Dies stellen sie mit der wehmütigen Ballade „Somebody To Die For“ ein Mal mehr unter Beweis, deren Schmachtfaktor durch den Klang von synthetischen Streichern noch erhöht wird!

Übertroffen wird das wiederum nur durch die letzte Nummer auf „Exile“. Die Ballade „Help“ watet mit großen Geschützen auf: Theos Gesang wird begleitet von Gitarre, Streichinstrumenten und einem Chor, der mit den Zeilen „I can feel the darkness coming and I’m afraid of myself, call my name and I’ll come running cause I just need some help“ zur endgültigen Ganzkörpergänsehaut beiträgt. Das Klavier wird hierbei von keinem Geringeren gespielt als Sir Elton John!

Der fünfeinhalbminütige Titel „The Crow“ steht mit seiner verträumten Atmosphäre und der vergleichsweise ruhigen musikalischen Untermalung im deutlichen Gegensatz zum Rest des exzentrischen Albums. Denn neben den erwähnten Balladen bietet Hurts‚ neue Platte vor allem zweierlei: eine Menge Dynamik und noch mehr Pathos! Gerade bei Letzterem wurde nicht gespart und „Exile“ wird damit bei Fans des Minimalismus weniger punkten können. Andere wird die Tatsache stören, dass einem einige Assoziationen zu großen Bands der elektronischen Musik einfallen. Der Opener und Titeltrack erinnert sehr an Muse, anderswo hört man Depeche Mode oder Nine Inch Nails. Doch wer ohne Vorbilder ist, möge den ersten Stein werfen.

Ihren Ankündigungen ist das Duo durchwegs nachgekommen; die Lieder auf „Exile“ sind allesamt düsterer als zuvor. Doch trotz der Vielfältigkeit ist das Werk in sich stimmiger als sein Vorgänger. Es klingt fast so, als hätte ihr kommerzieller Erfolg dem britischen Zweiergespann den Mut gegeben, etwas mehr zu wagen und nicht krampfhaft alles glatt zu bügeln, was nicht nach Mainstream klingt. Hits, die sich nahtlos in den Einheitsbrei der Radioplaylists einreihen, findet man auf Hurts‘ zweiter CD jedenfalls nicht.

Hurts – „Exile“

Für Fans von: Pet Shop Boys, Muse
Four Music (Sony Music)
VÖ: 08.03.2013
Gesehen um €14,99

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