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Jennifer Rostock im Interview

Jennifer Rostock im Interview

Eigentlich sollte das Interview mit Jennifer Rostock gefilmt werden – unser Mikrofon hat jedoch leider beschlossen, mitten unter der Aufnahme den Geist aufzugeben. Darum leider „nur“ die transkribierte Version.

Hallo! Gleich mal das Wichtigste zuerst! Wir haben auf eurer Homepage gelesen, dass Jennifer krank war und ihr zwei Termine verschieben musstet. Geht’s mittlerweile wieder gut?
Jennifer: Mir geht’s ganz gut jetzt..aber ich versuch nicht so viel zu reden.
Christoph: Gut, dass du hier sitzt! (lacht)
Jennifer: Ich sitz hier nur so als Figur dacht ich und ihr beantwortet die Fragen!

Schön euch wieder in Österreich zu sehen und Gratulation zur ausverkauften Show! Freut ihr euch aufs Konzert?
Jennifer: Ja! Wir haben erst zwei Shows gespielt!
Christoph: Wir freuen uns, erst mal so was wie Routine da reinzuschaffen. Bisher fühlt sich die Tour noch nicht so nach Tour an, weil wir „frei“ hatten. „Frei“ klingt so übertrieben und schön, wir sind ja alle krank, deswegen ist alles so doof! Aber wir freuen uns drauf, denn Wien macht ja meistens sehr Spaß und Österreich überhaupt.
Joe: Insgesamt sind auf der ganzen Tour auch sehr viele ausverkaufte Shows und riesen Venues. Echt krass!

Habt ihr bestimmte Assoziationen mit Österreich, Wien oder dem alpenländischen Publikum?
Joe: Ich glaub, Christoph steht auf den Dialekt und auf die Brüste, ist das korrekt?
Christoph: Na ja Brüste mag ja jeder, außer dir vielleicht. Der Österreicher ist sehr freizügig, und wenn er aufgefordert wird, seine besten Teile zu entblößen, dann macht er das auch voller Inbrunst. Je weiter man nach Süden kommt, desto gelockerter wird der Mensch.

Jennifer Rostock im Interview

Lasst uns über euer „Live in Berlin“ Album sprechen. Es war ja der erfolgreichste Jennifer Rostock (Homepage) Release in Deutschland bis jetzt. Hättet ihr gedacht, dass ihr mit eurem Live Album so erfolgreich seid?
Joe: Nö eigentlich nicht, es waren ja im Prinzip nur die alten Songs aufgewärmt. Also, ganz so war’s nun nicht, wir haben ja viel geändert, viel neu gemacht und viele Features drauf. Das Album sollte ein Dankeschön für die Fans sein, weil wir oft gefragt wurden, wann ein Live-Album kommt. Wir dachten nach dem dritten Album kann man mal eines raushauen. Dass es so gut ankommt und man so viele neue Leute damit erreicht, hätten wir nicht erwartet!

Wie habt ihr entschieden, welche Songs ihr dafür neu aufnehmen wollt?
Joe: Wir wussten, dass wir viele Features machen wollen und haben die Gäste dann in die Songauswahl mit eingebunden. Nach dem Motto: „Okay Sido, wenn wir einen Song zusammen machen, worauf hättest du Lust?“. Dann überlegt man wie man eine Mischung aus Sido und Jennifer Rostock (Facebook) hinkriegt.
Christoph: Das ist ja auch für unsere österreichischen Fans sehr gut. Der ist ja sehr beliebt hier, weil der auf einem Festival mal Falco gecovert hat, stimmt das?

Ja, „Rock me Amadeus“ war das. Außerdem ist er ja Juror bei einer Castingshow hier.
Jennifer: Ach das ist doch die, wo er dem einen auf die Fresse gehauen hat!

Jennifer Rostock im Interview

Genau… Ihr habt jetzt die Gastsänger erwähnt. Wen hättet ihr gerne noch mit dabei gehabt? Egal ob tot oder lebendig, erreichbar oder unerreichbar.
Jennifer: Bei uns ist das so, wenn wir an Künstler denken, mit denen wir zusammenarbeiten möchten, dann tun wir das auch. Damals haben wir an Nico (War From A Harlot´s Mouth) gedacht und was gemacht, bei Sido genauso.
Joe: Es gibt auch oft Sachen, die wir privat gut finden, die dann aber nichts mit Jennifer Rostock zu tun haben. Wenn ich sage, ich find Robyn gut, dann kann ich mir nicht vorstellen, was mit ihr zu machen. Dann geh ich aufs Konzert und dann ist gut.

2012 war ja auch für andere deutsche Künstler sehr erfreulich. Cro, Kraftklub oder Casper zum Beispiel. Freut ihr euch über diese „Neue Deutsche Welle“ in der Alternativmusik, oder seht ihr diese eher als Konkurrenz?
Christoph: Grundsätzlich find ich das sehr gut, dass sich die deutsche Musik entwickelt hat. Die Mainstreamacts die früher so groß waren wie Silbermond oder Juli werden nun ersetzt durch eine Generation an Leuten, die innovativer sind.
Joe: Ich find’s auch gut, dass man sich mehr trauen kann und Leute die sich etwas trauen damit Erfolg haben. Aber diese ganze Hip-Hop Sache muss meiner Meinung nach auch nicht ewig so weiter gehen.
Christoph: Den Deutschrap überall fand ich auch erst mal gut, aber das, was jetzt passiert, ist zwar anders, aber in diesem Anderssein auch wieder gleich. Es ist ziemlich gebügelt. Die, die jetzt nachkommen, sollten sich mal Gedanken machen, ob sie sich so anhören wie alles, was jetzt schon da ist.

Jennifer Rostock im Interview

Auch wenn sich deutsche Musik wieder durchsetzen konnte. Wärt ihr für die Einführung einer Radioquote wie in Frankreich?
Christoph: Das ist Blödsinn! Es soll ja immer noch Qualität bestimmen, was läuft und nicht die Sprache. Wobei das ist beim Radio eh scheiße, Radio braucht ja kein Schwein. Wer hört eigentlich noch Radio?
Jennifer: Also wir scheißen auf Radio!
Joe: Sag das doch nicht!
Jennifer: Gut also ICH scheiß auf Radio. Joe nicht, aber ich schon!
Christoph: Ich scheiß auch auf Radio!

Was war für euch damals der ausschlaggebende Grund Deutsch zu singen?
Joe: Es macht mehr Sinn! Es ist am Anfang natürlich schwieriger, weil die meisten Vorbilder, die man hat, englisch singen und sich hinter einer Fremdsprache zu verstecken ist einfacher, wenn man Texte schreibt. Aber wenn man es mal ausprobiert, stellt man fest, das auf deutsch schreiben und singen, wenn man selbst deutsch spricht, sich viel natürlicher und authentischer anfühlt.

Ihr wart schon vor längerer Zeit auf einem Filmsoundtrack zu hören. Hättet ihr wieder Lust so was zu machen und für welches Filmgenre?
Christoph: Besser als Twilight kann’s nicht werden! (lacht)
Jennifer: Wir haben das damals nicht gemacht, weil wir unbedingt auf einem Soundtrack dabei sein wollten. Wir wurden angesprochen und haben einen Song gemacht, den aber auch nicht auf den Film getextet. Es war ein Zufall, dass er genommen wurde.
Joe: Es ist für Bands und Musiker natürlich eine gute Chance. Wenn Leute den Film und die Musik dazu gut finden und dadurch eine neue Band entdecken, ist das gut! Aber wir wollen nicht unbedingt für den und den Film den Soundtrack schreiben.
Christoph: Was ich mir wünschen würde, wäre, dass du, Joe, das Opening zu James Bond singst. So mit den Silhouetten und den nackten Frauen und so, das würd ich gern mal sehen!

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Jennifer, viele sehen dich als, nennen wir es mal „Sexsymbol der tätowierten Generation“. Was denkst du darüber? Empfindest du dich selbst als ein Sexsymbol?
Jennifer: Natürlich! Ich steh jeden Tag vor dem Spiegel und find mich voll geil! (lacht) Ich kann mit solchen Begriffen immer nichts anfangen. Genauso wie „Jennifer du bist ein Vorbild für viele, empfindest du das auch so?“. Das bringt mir nichts. Ich find es schön, wenn Mädchen sagen, sie mögen meinen Stil oder sie finden’s gut, dass ich so und so bin und nehmen sich da ein Beispiel dran. Aber so ein Wichsblatt für irgendwen zu sein find ich jetzt nicht so..
Christoph: Ok, ich hör auf damit! (lacht)

Darf man 2013 auf ein neues Jennifer Rostock Album hoffen? Wie sind eure Pläne für das kommende Jahr?
Joe: Wir sind jetzt auf Tour und haben vor ein paar Monaten schon angefangen, neue Ideen für ein neues Album zu sammeln. Das wird auch wenn’s gut läuft dieses Jahr aufgenommen. Dann geht’s auch noch auf Festivalsause und mal sehen, was der Herbst bringt!

Genau, ihr seid jetzt auf Tour und für den Sommer für ein paar Festivals bestätigt. Was mögt ihr mehr, Festivals oder eigene Konzerte?
Christoph: Mist! Das kann man nicht pauschalisieren… Lustig, dass ihr die Frage immer wieder stellt. Du hast sicher noch nie die Antwort gehört „Clubtouren find ich voll scheiße, aber Festival ist geil“ und das wirst du wahrscheinlich auch nie. Man kann das nicht so pauschalisieren, es ist beides schön.
Jennifer: Warum stellst du diese Frage denn überhaupt wenn alle das gleiche sagen?

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Die meisten berichten dann von lustigen Anekdoten, warum Festival bzw. ein eigenes Konzert so geil ist, weil eben dies und das passiert ist!
Christoph: Wir geben da immer so glatt gebügelte Antworten wie Clubtour ist cool, weil da kommen die Fans, Festival ist geil, weil da trifft man andere Leute, die man so kennt und hat ein globales Publikum bla bla.. aber du kannst ja nach lustigen Anekdoten fragen!

Na gut, hattet ihr denn schon eine lustige Situation auf einem Festival bzw. einem eurer Konzerte?
Christoph: Nee, hatte ich nicht! (lacht)
Jennifer: Was kann man denn erzählen?
Joe: Was darf man denn erzählen?! Das blöde ist, eine Anekdote rauszusuchen, weil wir schon von Anfang an das Sex, Drugs and Rock’n’Roll-Klischee gelebt haben und natürlich auch lustige Sachen passiert sind. Aber das sind so viele..
Christoph: Es gab so Zeiten da hätte ich noch was erzählt, aber das will ich nicht mehr. Das passt nicht zu meinem neuen Image.

Ihr seid jetzt also erwachsen und wollt seriös rüberkommen und nichts mehr darüber erzählen?!
Jennifer: Also ich komm auf keinen Fall seriös rüber aber es ist okay Christoph, ich respektier das. Jetzt musst du auch die ganze Tour sagen, dass du total seriös bist und du wirst dann von allen total ausgebuht.

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Das neue Jahr ist ja noch nicht so alt. Habt ihr Neujahrsvorsätze gefasst?
Christoph: Meine sind mehr kiffen und psychedelische Drogen nehmen!

Ich bin mir nicht sicher, ob das zu deinem neuen Image passt!
Christoph: Ich dachte mir ich mach mir dieses Jahr mal Vorsätze, die auch materialistisch sind, deshalb mehr kiffen.
Jennifer: Ich hab mir sonst nichts vorgenommen. Ich rauch ja schon nicht mehr, was bleibt da noch? Saufen, kiffen und psychedelische Drogen nehmen!
Joe: Sport!
Jennifer: Oh! Aber Sport hab ich mir wirklich vorgenommen! Das zieh ich aber auch richtig durch!

Wenn ihr euch gegenseitig Vorsätze fassen müsstet, was wären die?
Jennifer: Christoph sollte sich die Zähne bleachen, sorry!
Joe: Christoph sollte sich eine schöne Wohnung suchen! Der wohnt in so einem furchtbaren Drecksloch und das ist nicht schön!
Jennifer: Boah ja stimmt! Wir haben ja jetzt alle schöne Wohnungen.. ach nee, Baku auch nicht.
Joe: Ja aber der fühlt sich auch wohl, Christoph ja nicht!
Jennifer: Und was für dich Joe.. mir fällt nichts ein. Christoph, fällt dir was zu mir oder zu Joe ein? Gebt es mir doch auch mal richtig!

Traut euch!
Jennifer: Das hat nix mit trauen zu tun!
Chistoph (flüstert hinter vorgehaltener Hand): Doch!
Jennifer: Ja genau, die werden gnadenlos unterdrückt von der Jennifer! (lacht)

Danke für das Interview! Viel Erfolg für die Tour und bleibt gesund!

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