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Josef Muff Sopper im Interview

Josef Muff Sopper im Interview

Josef Muff Sopper ist CEO der Planet Music & Media GmbH und Gründer des V.Ö.M. (Verein Österreichischer Musikförderer) sowie Konsulent und Gesellschafter der Kulturplakat GmbH. Muff ist sein Spitzname. Er ist verantwortlich für

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  • Geschäftsführung der Planet.tt Bank Austria-Halle Gasometer und der ((szene)) Wien (Homepage)
  • Planet.tt-Radio FM4-Bühne am Donauinselfest und Festbühne Maifest
  • Österreichischer Musikatlas und Planet.tt-Magazin

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Josef Muff Sopper im Interview mit enemy.at

Muff Sopper: „Wir haben aktuell 78 Mitarbeiter. Also die Firma hat sich gut entwickelt.“

Muff erzähl uns doch mal, wie du in die Veranstalter-Branche reingerutscht bist?
Muff Sopper: Ich habe schon in der Schulzeit angefangen, in Bands zu spielen. Nach der Matura hab ich zuerst – auf Wunsch meiner Erziehungsberechtigten – einen bürgerlichen Beruf ergriffen. Nebenbei habe ich aber wieder Musik gemacht und bin immer mehr in die Branche reingerutscht. Alles fing 1982 im Kulturzentrum GAGA an, wo wir Proberäume eingerichtet und Konzerte organisiert haben. Ich war ganz gut, in dem was ich gemacht habe und so veranstaltete ich über die Jahre immer größere Events. Zunächst ein großes Open Air im Donaupark, dann Shows für die Arena und ab dem 2. Donauinselfest habe ich dort eine Bühne bekommen. 1986 gründete ich den V.Ö.M. und drei Jahre später wurde uns ein Veranstaltungszentrum im 20. Bezirk angeboten, aus dem wir das Rockhaus machten. 1999 haben wir unter anderem aus Marketing-technischen Gründen – das Rockhaus hatte ein Image als „Metalhütte“ – die Firma Planet Music gegründet. Damit bringen wir bis heute das Planet.tt Magazin und den Musikatlas heraus. 2008 musste das Rockhaus schließlich Wohnanlagen weichen und ich habe die Leitung der ((szene)) und des Gasometers angeboten bekommen.

Aus wem besteht das Kernteam eigentlich?
Muff Sopper: Anfangs hatte ich wechselnde Mitstreiter. Aber seit den letzten 20 Jahren habe ich mit Martina Pokorny, Christian Schmid und Hannes Bartsch drei Partner, mit denen ich alles gemeinsam entschieden habe.

Wie groß ist das Konstrukt Planet Music mittlerweile?
Muff Sopper: Wir haben aktuell 78 Mitarbeiter. Die Firma hat sich also gut entwickelt.

Josef Muff Sopper im Interview mit enemy.at

Muff Sopper: „Konzerte sind eigentlich der einzige Teil der Musikbranche, der sich finanziell positiv entwickelt hat.“

Du bist mittlerweile seit über dreißig Jahre als Veranstalter tätig. Laut diepresse.com hast du bereits über 5.000 Events veranstaltet. Wie hat sich deiner Meinung nach die Branche verändert?
Muff Sopper: Früher war das Veranstalten einfacher. Die Kosten der internationalen Acts waren noch überschaubarer. Bands gingen auf Tour, um ihre Platte zu bewerben. Heute gehen sie auf Tour, um abzucashen, weil die Verkaufszahlen eingebrochen sind und sie mit den CDs weniger verdienen. Damit geht natürlich einher, dass die Eintrittspreise ordentlich gestiegen sind. Früher war es schon hart an der Grenze, wenn eine Eintrittskarte über 100 Schilling gekostet hat – für nationale Shows sogar undenkbar. Heute könntest du damit gar nichts mehr finanzieren. Ich kann mich erinnern, beim Donauinselfest haben wir die Toten Hosen für 50.000 Schilling Gage bekommen. Heute spielen „kleinere“ Bands für ein Vielfaches.

Glaubst du leidet die Konzertbranche unter den aktuellen Veränderungen am Musikmarkt?
Muff Sopper: Obwohl die Leute heutzutage mehr für eine Clubshow zahlen müssen, beobachten wir den erfreulichen Trend, dass die Leute gerne auf Clubkonzerte gehen. Konzerte sind eigentlich der einzige Teil der Musikbranche, der sich finanziell positiv entwickelt hat.

Siehst du neben den allgemein steigenden Gagen nationale Schwierigkeiten in der Veranstaltungsbranche?
Muff Sopper: In den letzten Jahren hat sich am österreichischen Agenturmarkt einiges getan. Es wurde die Barracuda Gruppe gegründet, in der viele Veranstalter, sprich Agenturen, unter einem Dach vereint sind. Dazu gehört eine eigene Promotion- und PR-Agentur. Das hat eine Monopol-ähnliche Situation geschaffen, die für örtliche Veranstalter und Clubbetreiber keine Erleichterung brachte. Einerseits bin ich froh, denn wir arbeiten partnerschaftlich mit ihnen zusammen, andererseits diktieren sie die Konditionen und man muss sich mit ihnen arrangieren.

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Muff Sopper: „Der Idealismus ist aus der Liebe zur Musik entstanden, so kitschig das auch klingt.“

Wie schon erwähnt, bist du ja Gründer des V.Ö.M. und veranstaltest die Planet Festival Tour (früher Austrian Band Contest). Warum liegt dir die österreichische Musiklandschaft so am Herzen?
Muff Sopper: Es hat sich aus der Not heraus entwickelt, dass ich damals mit meiner eigenen Band an die Grenzen gestoßen bin. Es gab vor 30 Jahren vielleicht 20 Locations, die man österreichweit bespielen konnte und ins Ausland ist man so und so nicht gekommen. Einen Plattenvertrag hat man kaum bekommen. Vielen anderen Bands erging es genauso und da kam der Gedanke, uns  zusammenzuschließen und selbst Veranstaltungen zu organisieren. Der Idealismus ist aus der Liebe zur Musik entstanden, so kitschig das auch klingt.

Bist du der Meinung, dass für junge Musiker in Österreich genug getan wird?
Muff Sopper: Überhaupt nicht! Obwohl es genug Initiativen gibt, die sicher keine schlechte Arbeit leisten, glaube ich nicht, dass für junge Musiker ausreichend getan wird. Ich denke man sollte besser, koordinierter und vernetzter zusammenarbeiten.

Teilst du die landläufige Meinung, dass man es als Musiker in Österreich zu nichts bringen kann?
Muff Sopper: Ich glaube, dass es heutzutage gar nicht mehr so schwer ist. Es gab Zeiten, da musste man in Österreich Platz 1 sein, damit man in Deutschland überhaupt erst einmal gespielt wurde. Das gelang nur sehr wenigen. Heute ist es dank Internet einfacher geworden, über die Grenzen hinaus Gehör zu finden.
Als Kriegsverlierer Nation hatten wir das meiste unserer kulturellen Identität verloren. Wir haben musikalisch viel von den Amerikanern übernommen, was gut war, denn das hat uns befruchtet. Jetzt wird’s aber Zeit, dass wir etwas zurückgeben.
Und es gibt ja einige Bands, die sehr erfolgreich sind. Vor allem im Elektronik Bereich ist Österreich sehr stark. Man denke an Bands wie Parov Stelar oder Camo & Krooked. Ich glaube also schon, dass es möglich ist, von unserem Land aus Karriere zu machen. Man muss einfach die Kriterien erfüllen und zur richtigen Zeit, das Richtige machen.

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Muff Sopper: “ Wenn sich Leute einmal auf dich eingeschossen haben, kannst du sie schwer vom Gegenteil überzeugen.“

Wenn man deinen Namen googelt, findet man hauptsächlich Medienberichte aus 2008, die in Zusammenhang mit deiner damals neuen Rolle als Geschäftsführer der ((szene)) publiziert wurden. Glaubst hast du in den letzten fünf Jahren die Kritiker überzeugen können, dass die Befürchtungen unangebracht waren?
Muff Sopper: Ich denke schon bewiesen zu haben, dass im Nachhinein die Befürchtungen die ((szene)) werde ein Metalschuppen, unangebracht waren. Ein weiterer Grund, warum man seither kaum etwas über mich findet, ist, weil ich mich aus den ersten Reihen zurückgezogen habe. Natürlich leite ich noch die Firma und den Verein, aber ich versuche, weniger zu polarisieren. Wenn sich Leute einmal auf dich eingeschossen haben, kannst du sie schwer vom Gegenteil überzeugen. Die Meisten, die schlecht über mich reden oder geredet haben, sind die, die nie mit mir zusammengearbeitet haben.

Woher kam dann deiner Meinung nach die ganze schlechte Presse?
Muff Sopper: Diese ganze Propaganda hatte ja ihre Hintergründe. Es ging darum, dass sich gewisse Leute ihren Einfluss und Lenz, den sie in der ((szene)) hatten, sichern wollten. Das damalige Personal bekamen Stadthallengehälter und Subventionen machten aber kaum Veranstaltungen. Es herrschte eine Beamtenmentalität, die sie sich gewisse Personen weiter sichern wollten. Wir haben die Auslastung der ((szene)) um 100% gesteigert. Diese Leute stachelten befreundete Journalisten auf, schlechte Sachen über mich zu schreiben.

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Muff Sopper: „Irgendwann sind dann die Wunden verheilt, aber ich habe es seitdem vermieden, mich in den Vordergrund zu drängen.“

Wie bist du persönlich mit den Medien-Vorwürfen des Nepotismus und der „Freundalwirtschaft“ umgegangen?
Muff Sopper: Ich habe gelitten wie eine Sau. Meine Söhne waren damals gerade in der Schule, kamen zu mir und haben mich gefragt, ob das wirklich alles so schlimm ist. Es geisterten ja Begriffe wie „Muffia“ durch die Medien. Es hat mich schon sehr getroffen und ich habe versucht, meinen Frieden mit mir selbst zu schließen. Im Nachhinein haben sich viele bei mir entschuldigt. Irgendwann sind dann die Wunden verheilt, aber ich habe es seitdem vermieden, mich in den Vordergrund zu drängen.

Nun wieder zu den schöneren Dingen des Lebens. Du bist ja studierter Musiker und hast selbst in Bands gespielt. Hattest du jemals das Ziel, Star zu werden?
Muff Sopper: Ich habe mich nie als angehender Popstar gesehen. Ich war natürlich gerne auf der Bühne, aber ich habe gesehen, dass es bessere Sänger und Gitarristen als mich gegeben hat. (lacht) Ich habe mich dann eher in der Veranstalter-Rolle gesehen, in der ich Bands und Menschen zusammenbringe. Man muss nicht unbedingt Musikschaffender sein, um Musik schaffen zu können. Jetzt spiele ich ab und zu mal als Special Guest oder privat, damit ich selbst nicht vergesse, dass ich auch Musiker bin.

Josef Muff Sopper im Interview mit enemy.at

Muff Sopper: „Das hat mich sehr berührt, da sind mir die Tränen gekommen.“

Würdest dein jetziges Leben gegen das eines tourenden Musikers eintauschen wollen?
Muff Sopper: Nicht einmal annähernd. Von Tag zu Tag weniger gern. Früher war das schon leiwand. Da haben wir ordentlich Gas gegeben. Es war uns egal, wenn wir mal ein oder zwei Nächte nicht geschlafen haben. Wenn ich das heute machen würde, wäre ich danach zwei Tage tot. (lacht) Ich schau mir auch kaum mehr eigene Events an. Ich habe jetzt Familie, vier Kinder und wohne nicht mehr in Wien.

Was hört Muff Sopper eigentlich privat?
Muff Sopper: Ich höre sehr gerne Muse, Coldplay, alles von John Lennon. Gerne auch Klassik, aber wenig Jazz. Zunehmend auch Hip Hop wie Dendemann oder Jan Delay – aber auch Elektronik wie Parov Stelar.

Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss: Was waren deine persönlichen Highlights. Sei es als Musiker oder Veranstalter?
Muff Sopper: Pearl Jam
1991 im Rockhaus war ein Wahnsinn. Die waren genau in der Auftrittswoche Nummer 1 der amerikanischen Billboard Charts und sie haben bei uns für eine Gage von 4.000 Dollar gespielt. Oder Pendulum am Donauinselfest waren auch ein riesen Highlight. Da hat alles gepasst: Der Act, das Wetter und die Leute waren einfach nur geil. Ein sehr bewegender Moment war für mich die letzte Drahdiwaberl-Show im Gasometer oder der Harri Stojka India Express, bei der mir nach der Show alle Musiker applaudiert haben, als Dank, dass ich das Projekt im Gasometer ermöglicht habe. Das hat mich sehr berührt, da sind mir die Tränen gekommen. Natürlich war es viel Arbeit, aber wenn du das als Belohnung bekommst, ist das hunderttausend Mal mehr wert als Geld!

Das sind schöne letzte Worte. Danke für das Interview!

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Daniel Kubera

“Life has improved immeasurably since I have been forced to stop taking it seriously.” – Hunter S. Thompson

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